Bahnverkehr

Strecke Köln–Hagen dicht: ICE-Fahrten dauern deutlich länger

Eine der wichtigsten Bahn-Strecke in NRW wird grundlegend saniert. Das hat bis in den Sommer Auswirkungen für Reisende. Doch nicht die komplette Technik wird anschließend nagelneu sein.

Mit den Ersatzbussen sind Reisende teilweise deutlich länger unterwegs.

© Oliver Berg/dpa

Mit den Ersatzbussen sind Reisende teilweise deutlich länger unterwegs.

Von dpa

Köln/Wuppertal - Wegen umfangreicher Bauarbeiten sperrt die Bahn am Freitagabend (21.00 Uhr) für gut fünf Monate die wichtige Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen. Fernzüge nach Berlin und Hamburg werden bis Juli umgeleitet, Pendler müssen auf rund einem Dutzend Linien im Regionalverkehr in Ersatzbusse umsteigen und deutlich mehr Zeit einplanen. 

Komplett erneuert wir die Technik im Rahmen des 800 Millionen Euro teuren Projekts aber nicht. So klammert die Bahn unter anderem die teils maroden Stellwerke entlang der 65 Kilometer langen Strecke aus. Die Stellwerke könnten erst "weit in den 2030er Jahren erneuert werden", sagte eine Bahnsprecherin. Dabei sind einige in mangelhaftem oder sogar ungenügendem Zustand. 

Grüne sprechen von "Schummel-Sanierung" 

Die Grünen hatten im Bundestag nach Details zu der Streckensanierung zwischen Köln und Hagen gefragt. Dabei wollten sie auch konkrete Angaben zu den Stellwerken haben. Die Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium war knapp: Es seien diesbezüglich "keine Maßnahmen vorgesehen." Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuerst darüber berichtet. 

Dabei steht es um viele der acht Stellwerke in dem Abschnitt denkbar schlecht: Den Zustand von zwei Stellwerken in Wuppertal-Oberbarmen und Wuppertal-Steinbeck beschreibt das Bundesverkehrsministerium in seiner Antwort mit der Schulnote 6,0 - also glatt ungenügend. Das Stellwerk Hagen-Hauptbahnhof kommt auf eine 4,7, Solingen eine 4,6, Schwelm eine 4,5. Lediglich drei Stellwerke sind demnach gerade noch in befriedigendem Zustand. 

"In Bezug auf die Stellwerke ist diese Generalsanierung eine Schummel-Sanierung", sagte der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel der "Süddeutschen". 

In einem Stellwerk sorgen die sogenannten Fahrdienstleiter dafür, dass Züge von A nach B kommen - etwa, indem sie Weichen richtig stellen und die Signale auf Grün schalten, wenn ein Gleisabschnitt frei ist. Probleme mit alten Stellwerken führen immer wieder zu Verzögerungen im Bahnverkehr. 

Bahn: Es wird saniert, nicht neu gebaut

Die Bahn entgegnet, dass bei der Sanierung zwischen Köln und Hagen zunächst einmal der Fokus auf die Gleise und auf den größtenteils schlechten Zustand der Bahnhöfe gelegt werden müsse. Hier unterschreite die aktuelle Situation "die Grenze dessen, was wir unseren Reisenden zumuten wollen", sagte eine Bahnsprecherin. "Die Reisenden werden nach der Generalsanierung eine deutlich bessere Infrastruktur vorfinden." 

Sie betonte aber auch: "Eine Generalsanierung ist eine Sanierung und keine Neubaustrecke." Deshalb könne nicht alles auf einmal erneuert werden. An den Stellwerken mit schlechten Zustandsnoten werde auch unabhängig von der Generalsanierung weiter gearbeitet. Verbesserungen seien dort in den kommenden Jahren ohne große Sperrungen des Bahnverkehrs möglich. 

Fernzüge werden fünf Monate lang umgeleitet 

Die Strecke von Köln nach Hagen ist laut Bahn eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Nordrhein-Westfalen. ICE, Regional- und Güterzüge sind dort in dichtem Takt unterwegs. Deshalb sei es wichtig, dass das Schienennetz leistungsfähiger werde. 

Reisenden empfiehlt die Bahn, während der fünfmonatigen Sperrung in der Online-Auskunft zu schauen, wie sie trotzdem an ihr Ziel kommen. Dort seien alle Änderungen berücksichtigt. 

Im Fernverkehr werden ICE-Züge von Köln in Richtung Berlin und Hamburg über das Ruhrgebiet umgeleitet - dadurch dauert die Fahrt etwa 20 bis 40 Minuten länger. In Wuppertal und Solingen halten bis zum 10. Juli überhaupt keine Fernzüge. Hagen wird bis zum 15. Mai vom Fernverkehr abgeschnitten. 

Im Regionalverkehr können während der Bauarbeiten auf einem Teil der Strecke zeitweise einige Züge über die S-Bahn-Gleise fahren. Dennoch werden viele Fahrgäste auf Ersatzbusse ausweichen müssen. Die sollen laut Bahn zwar im dichten Takt fahren, brauchen aber drei- bis viermal so lang wie ein Zug. 

Sperrung in Duisburg wird aufgehoben 

Gleichzeitig wird im Ruhrgebiet am Freitagabend die Sperrung der zweiten wichtigen Ost-West-Verbindung im nordrhein-westfälischen Bahnverkehr aufgehoben: Züge können dann wieder zwischen Duisburg, Essen und Oberhausen fahren. Die wichtige Fern- und Regionalstrecke zwischen Rheinland und Ruhrgebiet war wegen Bauarbeiten am Autobahnkreuz Kaiserberg in den vergangenen vier Wochen gesperrt.

Im Wuppertaler Hauptbahnhof halten während der fünfmonatigen Bauphase überhaupt keine Fernzüge. (Archivbild)

© Marcel Kusch/dpa

Im Wuppertaler Hauptbahnhof halten während der fünfmonatigen Bauphase überhaupt keine Fernzüge. (Archivbild)

Die Bagger am Wuppertaler Hauptbahnhof stehen schon bereit.

© Oliver Berg/dpa

Die Bagger am Wuppertaler Hauptbahnhof stehen schon bereit.

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Erstellt:
6. Februar 2026, 04:42 Uhr

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