Antiterrorzentrum ermittelt
Stromausfall in Reutlingen – Ermittler vermuten Brandstiftung
Nach dem Stromausfall in Reutlingen gehen Ermittler von Brandstiftung aus. Staatsschutz und LKA-Antiterrorzentrum ermitteln wegen vorsätzlicher Brandlegung.
© Marijan Murat/dpa/Marijan Murat
Einsatzkräfte der Polizei gehen im Rahmen der Ermittlungen auf dem Gelände eines Umspannwerks, in dem es in der Nacht gebrannt hatte.
Von red/AFP/dpa
Nach dem großflächigen Stromausfall im schwäbischen Reutlingen vermuten die Ermittler Brandstiftung als Ursache. Der Verdacht laute auf „vorsätzliche Brandlegung und Störung öffentlicher Betriebe“, sagte der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) am Montagabend in Reutlingen. Der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts hätten die Ermittlungen übernommen. „Wir werden die Täter mit aller Härte zur Rechenschaft ziehen“, sagte Hagel weiter.
Für eine endgültige Bewertung sei es aber noch zu früh, betonte der Innenminister. Es werde „ergebnisoffen in alle Richtungen ermittelt“. Dabei werde auch geklärt, ob wirklich „ein Brandanschlag hier vorliegt oder gar ein terroristischer Akt“, sagte Hagel. „Unsere Ermittlungsgruppe wird jeden einzelnen Stein umdrehen.“
In der Nacht zu Montag hatte es in zwei Umspannwerken in der Stadt am Fuße der Schwäbischen Alb Brände gegeben; rund 7600 Haushalte waren ohne Strom. Neben der 120.000-Einwohner-Stadt Reutlingen waren auch Teile der benachbarten Gemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt davon betroffen
Auch Krankenhaus der Stadt zeitweise von Stromausfall betroffen
Die Polizei Reutlingen werde im Bereich der wichtigen Infrastruktur „verstärkte Präsenzmaßnahmen“ ergreifen, sagte Hagel. In den Gebieten ohne Strom werde in der Nacht eine Einsatzhundertschaft unterwegs sein, damit sich die Menschen sicher fühlen könnten.
Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) verwies darauf, dass durch den Stromausfall auch das Krankenhaus der Stadt zeitweise betroffen gewesen sei. Es sei „hier wirklich radikal ans Leben anderer Menschen“ gegangen - „und das ist unverzeihlich“, sagte Keck. Er fügte hinzu: „Wir müssen uns verteidigen - wir wissen noch nicht, gegen wen.“ Es sei nun „gerechtfertigt, hier wirklich alles zum Einsatz zu bringen, um die Urheber zu ermitteln und ihrer gerechten Strafe zuzuführen“.
Reparaturteams arbeiteten unter Hochdruck
Die Klinik konnte sich nach dem nächtlichen Stromausfall mit einer Notstromversorgung behelfen. Nach Angaben der Stadt konnte das Umspannwerk Mitte seinen Betrieb nach mehreren Stunden wieder aufnehmen, weshalb die Innenstadt und damit auch das Krankenhaus wieder mit Strom versorgt wurden.
Dirk Güsewell vom Energieversorger EnBW sagte in Reutlingen, „dass heute im Laufe des Tages sukzessive Verbraucherinnen und Verbraucher wieder zugeschaltet werden konnten“. Dies sei eine „gute Nachricht“. Güsewell wollte sich aber nicht darauf festlegen, wie lange es dauere, bis alle Betroffenen wieder mit Strom versorgt würden. Die Reparaturteams arbeiteten unter Hochdruck, um die Folgeschäden so rasch wie möglich zu beseitigen.
