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Türkischer Staatsanwalt fordert Freispruch für Steudtner

dpa Istanbul. Mangel an Beweisen - selbst die türkische Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund mehr für die Verurteilung des Deutschen Steudtner. Dafür droht einem anderen Menschenrechtler eine lange Gefängnisstrafe.

Der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner, aufgenommen bei der Verleihung des Friedenspreis 2017 Stiftung Quäker-Hilfe in der Gethsemanekirche in Berlin. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner, aufgenommen bei der Verleihung des Friedenspreis 2017 Stiftung Quäker-Hilfe in der Gethsemanekirche in Berlin. Foto: Michael Kappeler/dpa

Im Prozess gegen den in der Türkei wegen Terrorvorwürfen angeklagten deutschen Menschenrechtler Peter Steudtner hat die Staatsanwaltschaft Freispruch gefordert. Grund sei ein Mangel an Beweisen, hieß es im Plädoyer des Staatsanwalts vor dem Istanbuler Gericht.

Für den im selben Verfahren angeklagten Ehrenvorsitzenden der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in der Türkei, Taner Kilic, forderte er allerdings eine Verurteilung wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft.

Amnesty kritisierte die Forderung scharf. Steudtner, der nicht zur Verhandlung angereist war, reagierte irritiert auf die unterschiedlichen Strafforderungen. Ein Urteil wird zum nächsten Gerichtstermin am 19. Februar erwartet.

Die Anklage schlug auch einen Freispruch für Steudtners schwedischen Kollegen Ali Gharavi und drei weitere der insgesamt elf Angeklagten vor. Fünf Angeklagte sollen aus Sicht des Staatsanwalts wegen Terrorunterstützung verurteilt werden.

Steudtner, Gharavi und acht türkische Menschenrechtler waren Anfang Juli 2017 bei einem Workshop auf der Insel Büyükada vor der Küste Istanbuls unter Terrorverdacht festgenommen worden. Zu Prozessbeginn im Oktober 2017 kamen alle frei, Steudtner und Gharavi reisten aus. Kilic, dessen Fall später der Anklageschrift hinzugefügt wurde, saß mehr als ein Jahr lang im westtürkischen Izmir in Untersuchungshaft.

Steudtner sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sei „genervt und entsetzt über das Ergebnis des heutigen Verhandlungstages“. Wieso es die unterschiedlichen Strafforderungen gebe, sei ihm unverständlich. Das Plädoyer des Staatsanwalts sei fast eine „Kopie der ursprünglichen Anklageschrift“ und damit ein „juristisches Unding“. Entlastende Beweise, die zum Teil auf Polizeiermittlungen beruhten, seien nicht berücksichtigt worden. Steudtner sagte, er könne sich vorstellen, dass der für ihn vorgeschlagene Freispruch auch mit wirtschaftlichen und politischen Erwägungen der türkischen Regierung zu tun habe.

Der Türkei-Experte der Organisation Amnesty International, Andrew Gardner, reagierte mit scharfer Kritik auf die Strafforderung gegen Kilic. „Selbst für die sehr niedrigen Standards von Prozessen, die in solchen Fällen stattfinden, war das ein wirklich unerwartetes und wirklich schlechtes Ergebnis heute“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es sei, als ob die letzten beiden Jahre Prozess nie stattgefunden hätten. Der Generalsekretär von Amnesty Deutschland, Markus Beeko, forderte die Bundesregierung und andere Staaten dazu auf, sich umgehend für einen Freispruch aller Menschenrechtler einzusetzen.

Der Fall Steudtner sowie die Inhaftierung weiterer Deutscher hatte ab 2017 die türkisch-deutschen Beziehungen schwer belastet. Zwischenzeitlich hatte sich nach der Freilassung prominenter Betroffener das Verhältnis etwas entspannt. Zuletzt war die Zahl der Deutschen im Konflikt mit der türkischen Justiz aber wieder gestiegen. Nach offiziellen Angaben von vergangener Woche sitzen derzeit 60 Deutsche in türkischer Haft. Noch im Februar lag die Zahl bei 47. Das Außenministerium in Berlin erhebt allerdings nicht mehr öffentlich, wie viele Fälle „politisch“ sind - bei denen es also etwa um Terrorvorwürfe oder Präsidentenbeleidigung geht.

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Erstellt:
27. November 2019, 13:19 Uhr

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