Vier Tore – aber auch viel Leerlauf

Die DFB-Elf besiegt Finnland im WM-Test am Sonntagabend mit 4:0. VfB-Stürmer Deniz Undav ist in Mainz mit zwei Toren und einer Vorlage der Mann des Abends – der übergeordnet angesichts einer in weiten Strecken schwachen erste Hälfte einige Fragen aufwirft.

Von Carlos Ubina

Mainz - In der zweiten Hälfte wurde die Sache deutlich. Vom Ergebnis her und auch mit dem Blick auf die Leistung. Denn die wurde: deutlich besser. Die DFB-Elf also bezwang am Sonntagabend Finnland beim WM-Test in Mainz mit 4:0 – der in weiten Strecken müde, träge und uninspirierte Auftritt aus der ersten Hälfte aber gab gewisse Rätsel auf. Immerhin, in den zweiten 45 Minuten gab es gegen einen schwachen Gegner dann drei Tore und mehr Tempo im Spiel.

Mann des Abends war Deniz Undav. Der Offensivmann des VfB Stuttgart erzielte zwei Treffer und lieferte eine Vorlage. Undav aber musste nach seinem Tor zum 3:0 nach einer knappen Stunde angeschlagen raus.

„Ich habe drei Scorer gemacht, besser hätte es nicht laufen können“, sagte der Matchwinner hinterher – und gab sogleich Entwarnung, was seine kleine Verletzung anging: „Ich hatte ein bisschen Schmerzen, es ist nichts Wildes und alles entspannt – jetzt ein paar Tage Behandlung, dann ist alles wieder gut.“ Und dann, ja dann machte Undav noch eine Titelansage mit Blick auf die WM. Auf die Frage, wann das Turnier ein Erfolg sei, antwortete er dies: „Wenn wir das Ding gewinnen, dann wäre es ein Erfolg.“

Erfolgreich war sicher der Auftritt Undavs in Mainz – den hinterher auch der Bundestrainer Julian Nagelsmann, anders als noch bei manch vergangener Aussage, goutierte: „Deniz war sehr gefährlich und hatte immer gefährliche Aktionen im Strafraum – zwei Tore, eine Vorlage, das hat er gut gemacht.“

Vor diesen Aussagen war es knapp zwei Stunden vorher munter losgegangen in Mainz am Sonntagabend – weil Undav munter loslegte. Nach acht Minuten gab es die erste große Chance. Nach einer Passstafette scheiterte der Stürmer des VfB aus etwas mehr als fünf Metern freistehend am finnischen Keeper Lukas Hradecky. Undav hatte die Kugel nicht richtig getroffen.

Hinterher lief so einiges nicht richtig. Gegen die international allenfalls drittklassigen Finnen gelang es den Deutschen nicht, Tempo, Esprit und Kreativität in die Aktionen zu bringen. Weshalb sich eine knappe halbe Stunde lang ein müdes Gekicke ergab, flankiert von einer fast schon gespenstisch stillen Atmosphäre in der Mainzer Arena. Immerhin: Nach 27 Minuten war Undav gegen die Finnen plötzlich frei durch, doch der Offensivmann scheiterte an Hradecky.

Sollte das nur ein Strohfeuer gewesen sein angesichts des zumeist mauen Auftritts in Hälfte eins? Undav gab die Antwort selbst – denn der VfB-Angreifer war es, der die Flamme größer werden ließ. Zumindest bei Undav war Feuer im Spiel. Nachdem er die bis dahin einzigen beiden Torchancen hatte, traf er beim dritten Versuch zur Führung. Per Kopfballaufsetzer erzielte er in der 34. Minute das 1:0, nachdem Joshua Kimmich geflankt hatte. Immerhin, nun wurde die Sache ein bisschen munterer bis zur Pause.

Das Fazit der ersten Hälfte: Stark begonnen, stark nachgelassen und am Ende wieder gesteigert gegen einen tief stehenden Gegner, der es der DFB-Elf auch nicht leicht machte, Tempo ins Spiel zu bringen.

Der Start in den zweiten Durchgang geriet dann vielversprechend, denn das DFB-Team erzielte früh das 2:0. Warum Finnland ein Fußballzwerg ist, zeigte sich in Minute 48. Da presste die deutsche Elf, was den Gegner im eigenen Sechzehner in Panik versetzte – Undav grätschte gekonnt in den Ball und lieferte so die Vorlage für den Torschützen Wirtz, der mit rechts ins lange Eck traf.

Wenig später fand die Undav-Show in Mainz ihren Höhepunkt. Denn nach einem Tor und einer Vorlage traf er nochmals. Nach einem Tempolauf steckte Karl den Ball steil durch auf Undav, der sich behauptete und zum 3:0 einschob (57.). Hinterher legte sich Undav auf den Rasen, offenbar hatte er sich beim Zweikampf vor dem Tor wehgetan. Der VfB-Stürmer wurde ausgewechselt. Schon Gestik (Daumen hoch) und Wortwahl („alles gut“) ließen beim Herausgehen nichts Schlimmeres befürchten. Ohne Undav lief es munter weiter, Jamal Musiala erzielte in seinem ersten Länderspiel seit März 2025 in der 63. Minute mit links das 4:0. Besser und ideenreicher war der Auftritt nun.

Der deutsche Tross hebt nun am Dienstag in Richtung Chicago ab, wo neben dem zweiten Trainingslager auch der finale WM-Test (6. Juni) gegen die USA steigt.

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Erstellt:
31. Mai 2026, 23:22 Uhr
Aktualisiert:
31. Mai 2026, 23:59 Uhr

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