Norwegische Kronprinzessin
Wie krank ist Mette-Marit?
Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit leidet an einer schweren chronischen Lungenkrankheit. Ihr Zustand hat sich zuletzt verschlechtert, eine mögliche Lungentransplantation wird vorbereitet. Eine konkrete Lebenserwartung lässt sich daraus aber nicht seriös ableiten.
© picture alliance/dpa/NTB Pool | Lise Åserud
Im April war war die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit bei einem Empfang für die norwegischen Athleten der Paralympischen Spiele erstmals mit einem Sauerstoffgerät öffentlich aufgetreten.
Von Katrin Jokic
Die Sorge um Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit ist groß. Ihr Mann, Kronprinz Haakon, hat seine Japan-Reise verkürzt, Tochter Prinzessin Ingrid Alexandra will vorläufig aus Australien nach Hause zurückkehren. Der Grund ist die Gesundheit der 52-Jährigen: Mette-Marit leidet seit Jahren an einer schweren Lungenerkrankung, die sich zuletzt deutlich verschlechtert hat.
Bekannt ist die Diagnose seit 2018. Damals teilte der norwegische Hof mit, bei der Kronprinzessin sei eine ungewöhnliche Form der Lungenfibrose festgestellt worden. Schon damals hieß es, die Krankheit könne ihre Arbeitsfähigkeit zeitweise einschränken. Inzwischen ist die Erkrankung weiter fortgeschritten. Im Dezember 2025 erklärte der Hof, Ärzte am Rikshospitalet in Oslo hätten den Prozess zur Prüfung einer möglichen Lungentransplantation eingeleitet.
Was hat Mette-Marit?
Mette-Marit hat eine Lungenfibrose. Dabei vernarbt das Lungengewebe. Zwischen den Lungenbläschen und den Blutgefäßen bildet sich vermehrt Bindegewebe, die Lunge wird steifer und kann Sauerstoff schlechter ins Blut aufnehmen. Betroffene leiden häufig unter Atemnot, trockenem Husten, Erschöpfung und zunehmender Belastungsschwäche.
Lungenfibrose ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Oberbegriff. Es gibt verschiedene Formen. Manche entstehen durch bekannte Auslöser, etwa bestimmte Stäube, Medikamente, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen. Bei anderen bleibt die Ursache unklar. In den Angaben des norwegischen Hofs hieß es 2018, bei Mette-Marit sei eine ungewöhnliche Variante der Fibrose festgestellt worden. Damals war nicht sicher, ob die Erkrankung mit einem größeren autoimmunen Prozess zusammenhängt.
Ob mittlerweile eine klare Ursache für Mette-Marits Lungenfibrose festgestellt wurde oder ob sie unter einen sogenannten „idiopathischen“ Fibrose ohne klare Ursache leidet, ist nicht bekannt.
Warum gilt die Krankheit als so ernst?
Eine Lungenfibrose ist deshalb gefährlich, weil die Vernarbung des Lungengewebes nicht rückgängig gemacht werden kann. Medikamente können den Verlauf je nach Form bremsen, Beschwerden lindern oder Entzündungsprozesse beeinflussen. Heilen können sie die vernarbten Lungenbereiche nicht.
Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer fällt das Atmen. Im fortgeschrittenen Stadium kann zusätzlicher Sauerstoff nötig werden. Mette-Marit wurde zuletzt öffentlich mit einer Nasenkanüle gesehen, also einem dünnen Sauerstoffschlauch. Kronprinz Haakon sagte laut Medienberichten, sie nutze auch im Alltag Sauerstoff; das helfe, sei aber keine perfekte Lösung.
Der norwegische Hof hatte bereits Ende 2025 mitgeteilt, dass bei Mette-Marit ein Punkt erreicht werde, an dem eine Lungentransplantation notwendig werde. Noch sei aber nicht entschieden, wann sie auf eine Warteliste gesetzt werde. Das entscheiden die behandelnden Ärzte nach medizinischen Kriterien.
Wie ist die Lebenserwartung bei Lungenfibrose?
Die ehrliche Antwort lautet: Das lässt sich allgemein nicht zuverlässig sagen. Die Lebenserwartung hängt stark davon ab, welche Form der Lungenfibrose vorliegt, wie schnell sie fortschreitet, wie gut Betroffene auf Therapien ansprechen, ob Begleiterkrankungen bestehen und in welchem Zustand die Lunge zum Zeitpunkt der Diagnose war.
Bei der idiopathischen Lungenfibrose, einer besonders schwerwiegenden Form, werden in medizinischen Quellen häufig mittlere Überlebenszeiten von etwa drei bis fünf Jahren nach der Diagnose genannt. Solche Zahlen sind aber Durchschnittswerte aus Patientengruppen. Sie sagen nicht voraus, wie lange eine einzelne Person lebt. Manche Betroffene bleiben über Jahre relativ stabil, andere verschlechtern sich rasch.
Hinzu kommt: Mette-Marits Erkrankung wurde öffentlich bereits 2018 bekannt. Sie lebt also seit mindestens acht Jahren mit der Diagnose. Das zeigt schon, warum grobe Durchschnittszahlen nicht einfach auf sie übertragen werden dürfen.
Wie ist Mette-Marits persönliche Lebenserwartung?
Eine konkrete Lebenserwartung für Mette-Marit ist nicht bekannt und lässt sich aus öffentlich verfügbaren Informationen nicht seriös berechnen.
Ihre Erkrankung ist schwer, fortschreitend und inzwischen offenbar in einem Stadium, in dem eine Lungentransplantation vorbereitet beziehungsweise geprüft wird. Das ist ein deutliches Zeichen für eine ernste gesundheitliche Lage. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass ihr nur noch eine bestimmte Zeit bleibt.
Eine Lungentransplantation kann bei ausgewählten Patienten mit fortgeschrittener Lungenerkrankung die Lebensqualität verbessern und lebensverlängernd wirken. Sie ist aber ein großer Eingriff mit erheblichen Risiken. Auch danach bleiben Betroffene dauerhaft auf Medikamente angewiesen, damit das neue Organ nicht abgestoßen wird.
Warum kommt Tochter Ingrid Alexandra nach Hause?
Prinzessin Ingrid Alexandra studiert seit dem vergangenen Sommer an der Universität Sydney internationale Beziehungen und politische Ökonomie. Nun will sie vorläufig nach Norwegen zurückkehren. Kronprinz Haakon sagte, dies habe mit der Familiensituation zu tun; seine Tochter wolle bei ihrer Mutter sein. Ihr Studium soll sie nach seinen Angaben grundsätzlich fortsetzen. Wie lange sie in Norwegen bleibt, ist offen.
Für die Familie kommt die gesundheitliche Verschlechterung in einer ohnehin schwierigen Zeit. Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby, den sie aus einer früheren Beziehung hat, steht in Norwegen in einem schweren Strafverfahren. Er ist unter anderem wegen mehrerer Sexual- und Gewaltdelikte angeklagt, bestreitet die schwersten Vorwürfe aber. Das Urteil wird im Juni erwartet. Für Mette-Marit ist diese Lage unabhängig von ihrer Erkrankung eine zusätzliche Belastung.
Was bedeutet das jetzt?
Die Lage ist ernst, aber eine genaue Prognose wäre Spekulation. Mette-Marit leidet an einer unheilbaren, fortschreitenden Lungenfibrose. Ihr Zustand hat sich zuletzt verschlechtert, sie benötigt offenbar im Alltag Sauerstoff, und Ärzte prüfen den Weg in Richtung Lungentransplantation. Das sind klare Hinweise auf ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium.
Gleichzeitig gilt: Lungenfibrose verläuft individuell sehr unterschiedlich. Allgemeine Überlebensstatistiken helfen, die Schwere der Krankheit einzuordnen, ersetzen aber keine ärztliche Prognose. Für Mette-Marit selbst ist öffentlich nur bekannt, dass ihre Krankheit ernst ist und dass der norwegische Hof ihr Programm an ihre gesundheitliche Situation anpasst.
