Hälfte der US-Bürger ist fettleibig
Willkommen im Land des unbegrenzten Dickwerdens
Fettleibigkeit erhöht das Risiko für viele chronische Erkrankungen enorm. Unter diesem Gesichtspunkt besonders bedenklich: In den USA ist der Anteil fettleibiger Erwachsener seit 1990 von 19 auf 42,5 Prozent gestiegen. Besonders stark betroffen sind der Mittlere Westen und der Süden.
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Bis sich die Balken biegen: Vier übergewichtige amerikanische Arbeiter machen ihre Lunch-Pause.
Von Markus Brauer/dpa
Die Zahl der Menschen mit Adipositas oder starkem Übergewicht steigt in einem rasante Tempo. Weltweit waren nach einer Studie 2022 mehr als eine Milliarde Menschen betroffen. Der Anteil der stark Übergewichtigen an der Bevölkerung habe sich seit 1990 mehr als verdoppelt, unter Heranwachsenden zwischen 5 und 19 Jahren sogar vervierfacht, berichtet die Fachzeitschrift „The Lancet“.
So viele Menschen leiden an Übergewicht
- Insgesamt waren 880 Millionen Erwachsene und 159 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren stark übergewichtig.
- 9,3 Prozent der Jungen galten 2022 als fettleibig, 6,9 Prozent der Mädchen.
- Bei Erwachsenen verdoppelte sich der Anteil bei Frauen seit 1990 auf 18,5 Prozent.
- Die Rate verdreifachte sich bei Männern auf 14 Prozent.
US-Bevölkerung trägt adipöse Züge
Ein Land, das geradezu adipöse Züge trägt, sind die USA. Im Land der unbegrentzen Möglichkeiten hat die Adipositas in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zugenommen, wie Fachleute jetzt im Fachjournal „JAMA“ berichten.
Lag der Anteil fettleibiger Erwachsener in den USA im Jahr 1990 noch bei gut 19 Prozent, so waren es 2022 bereits 42,5 Prozent – also mehr als doppelt so viel und fast die Hälfte der Bevölkerung.
Bis 2035 werde der Anteil voraussichtlich auf knapp 47 Prozent – etwa 126 Millionen Menschen – steigen, schreibt das Team um Catherine Johnson vom Hans Rosling Center for Population Health der University of Washington in Seattle.
Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil fettleibiger Menschen im Zeitraum 2019/2020 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) unter den Erwachsenen bei 19 Prozent. Rund zehn Jahre zuvor lag er demnach etwas höher, bei etwa 23,5 Prozent.
Was ist der BMI bzw. „Body Mass Index“ (BMI Rechner)?
Adipositas kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einige Krebsformen auslösen. „Adipositas ist eine chronische Krankheit, die definiert ist als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts“, schreibt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft.
Ob jemand betroffen ist, wird nach Gewicht und Größe berechnet, dem Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 30 spricht die Gesellschaft von „Adipositas Grad I“ (BMI Rechner).Als Normalgewicht gilt nach Angaben der Deutschen Adipositas-Gesellschaft ein BMI von 18,5 bis 24,9.
Wirtschaftliche Ungleichheit spielt große Rolle
Das Forscherteam wertete für seine Studie Daten verschiedener Befragungen aus. Regional besonders stark betroffen sind demnach der Mittlere Westen und der Süden der USA. Auffällig stark fiel die Zunahme bei jungen Menschen unter 35 Jahren aus, insbesondere bei Frauen.
Die Analyse deute auf ein hohes Maß an Ungleichheit in gesundheitlicher Hinsicht hin. Diese basiere unter anderem auf wirtschaftlicher Ungleichheit, auf ungenügendem Zugang zu gesunden Lebensmitteln und auch auf Unterschieden in der körperlichen Aktivität. Dies wiederum hänge auch mit der Bebauung von Stadtvierteln zusammen.
Fettleibigkeit steigert Risiko für viele chronische Erkrankungen
So seien etwa im Bundesstaat Colorado verhältnismäßig wenige Menschen fettleibig, heißt es. Gleichzeitig sei dort ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung körperlich aktiv. In Oklahoma dagegen, wo sehr viele Menschen fettleibig sind, orientierten sich nur wenige Menschen an Ernährungsempfehlungen.
Dies spiegele oft sozioökonomische Ungleichheit wider, betont das Team. Fettleibigkeit in den USA müsse dringend auch politisch angegangen werden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Adipositas als eigenständige Krankheit ein. Fettleibigkeit steigert das Risiko für viele chronische Erkrankungen, darunter etwa Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel- und Gelenkerkrankungen sowie verschiedene Krebserkrankungen. Zudem ist das Risiko erhöht, frühzeitig zu versterben.
Wie kann Adipositas vorgebeugt werden?
Auch wenn das Ausmaß nicht so drastisch ist wie in den USA: Das RKI verweist für Deutschland zudem auf die große wirtschaftliche Belastung im Gesundheitswesen. Laut Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird Deutschland zwischen 2020 und 2050 rund 11 Prozent seiner Gesundheitsausgaben für die Behandlung von Erkrankungen aufwenden, die im Zusammenhang mit Adipositas stehen.
Adipositas könne durch gute Ernährung und Bewegung von Kindesbeinen an vorgebeugt werden, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Regierungen sollten dafür sorgen, dass besonders salz-, fett- oder zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke nicht in der Nähe von Schulen verkauft werden und dass Reklame dafür, die sich an Kinder richtet, eingeschränkt wird. Sie sollten zudem Kampagnen über die Vorteile guter Ernährung und sportlicher Betätigung fahren. Die WHO räumte ein, dass gute Ernährung teuer sein kann.
