Zukunftssorgen und wenig Nebenjobs - Studieren in der Krise

dpa Berlin. Geschlossene Labore, leere Bibliotheken und keinen Nebenjob mehr: Studierende stehen in der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen. Die Kanzlerin will sich darum kümmern.

Kanzlerin Angela Merkel spricht bei ihrer digitalen Dialogreihe mit Studentinnen und Studenten. Foto: Tobias Schwarz/POOL/dpa

Kanzlerin Angela Merkel spricht bei ihrer digitalen Dialogreihe mit Studentinnen und Studenten. Foto: Tobias Schwarz/POOL/dpa

Zukunftsängste, finanzielle Sorgen oder Internetprobleme: Studierende in Deutschland haben wegen der Corona-Pandemie mit vielen Problemen zu kämpfen.

Wie groß die Schwierigkeiten sind, wurde am Dienstag bei einem Online-Gespräch zwischen Studentinnen und Studenten und Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) deutlich. Merkel versprach, sich zu kümmern - räumte aber auch ein, dass nicht alles schnell lösbar sei.

Als eines der besonders drängenden Probleme nannten viele der Studierenden wegen der Pandemie eingeschränkte oder ausgefallene Praxiserfahrungen. Labore, Kunstwerkstätten und Kultureinrichtungen blieben wegen der Pandemie geschlossen; viele Unternehmen stellten derzeit keine Praktikanten ein. Dies werde vor allem für diejenigen zum Problem, bei denen eine praktische Arbeit oder ein Praktikum Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Studiums sei.

Die Hochschulrektorenkonferenz hatte die Studierenden für die Reihe „Die Bundeskanzlerin im Gespräch“ ausgewählt. Merkel versprach, sich um die Sorgen unter anderem im Gespräch mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zu kümmern. „Sie haben ja nicht unendlich viel Zeit in ihrem Leben“, sagte Merkel, „sie haben sich Pläne gemacht, sie wollen fertig werden und müssen bestimmte Abschnitte jetzt unter ganz neuen Bedingungen schaffen.“

Einige Studierende betonten, dass sie sich schlecht auf die Arbeitswelt vorbereitet fühlen und außerdem die Sorge haben, sich auf dem freien Markt gegen frühere Absolventen schlecht durchsetzen zu können. Für viele komme es zu einer Verlängerung der Studienzeiten, was auch eine zusätzliche finanzielle Belastung mit sich bringe.

Vielen Studierenden seien in der Krise die Nebenjobs weggefallen. Eine Überbrückungshilfe sei zu spät gekommen, sagte eine Studentin. Viele Anträge seien aus Sicht vieler Studierender aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt worden. Merkel betonte, dass die Lebensrealität so vielfältig sei, dass es nicht immer ganz einfach sei, dafür Richtlinien zu machen.

Angesichts der finanziellen Engpässe sagte ein Student auch, dass der an vielen Hochschulen zu zahlende Semesterbeitrag sehr hoch sei. Dieser gelte in vielen Fällen auch für ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr und einen Mensa-Rabatt, der aktuell aber gar nicht genutzt werden könne.

Viele angehende Akademikerinnen und Akademiker befürchten, aufgrund der coronabedingten Einschränkungen länger studieren zu müssen - auch deshalb, weil Prüfungen verschoben werden mussten. Online-Prüfungen seien nicht überall zulässig; es gebe rechtliche Probleme. Generell gebe es bei der Digitalisierung noch dringenden Handlungsbedarf. Einige Studierende - gerade im ländlichen Bereich - berichteten von Internetproblemen zu Hause.

© dpa-infocom, dpa:201215-99-701741/2

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Erstellt:
15. Dezember 2020, 14:50 Uhr

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