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„Ab der ersten Minute alles reinpfeffern“

Das Interview: Aspachs Sportchef Joannis Koukoutrigas nimmt das Team vor dem Drittliga-Heimspiel gegen Halle in die Pflicht

Nicht ängstlich und mutlos wie beim 0:1 in Münster will Großaspachs Sportchef die Drittliga-Fußballer sehen, sondern leidenschaftlich. „Jeder einzelne Spieler muss kämpfen bis zum Umfallen“, sagt Joannis Koukoutrigas (44) im Interview vor den letzten vier Partien, die über den Ligaverbleib entscheiden. Los geht’s am Freitag (19 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den Tabellendritten Hallescher FC.

Angespannt, aber auch zuversichtlich: SG-Sportdirektor Joannis Koukoutrigas ist vom Klassenverbleib überzeugt. Fotos: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Angespannt, aber auch zuversichtlich: SG-Sportdirektor Joannis Koukoutrigas ist vom Klassenverbleib überzeugt. Fotos: A. Becher

Von Steffen Grün

Bis zur 60. Minute hätten Sie nicht gespürt, dass es allen Spielern bewusst ist, um was es geht, schimpften Sie nach der 0:1-Niederlage in Münster. Hat sich Ihr Zorn mit ein wenig Abstand gelegt oder sogar noch verstärkt?

Jeder, der im Stadion war, hat deutlich gesehen, dass wir die ersten 60 Minuten komplett verpennt haben. Ich hatte nicht das Gefühl, dass jedem bewusst war, um was es im Moment geht. Mit einer Leistung wie in den ersten 60 Minuten werden wir die Liga nicht halten können, das ist uns klar und das muss auch jedem Spieler klar sein.

Wie erklären Sie sich den mutlosen Auftritt?

Jeder würde sicherlich von sich behaupten, dass er ins Spiel geht, um seine beste Leistung abzurufen. Aber in Münster hatte ich das Gefühl, dass die Jungs mutlos und ängstlich spielen. Das ist etwas, was ich nicht verstehen kann, denn wenn man Angst verspürt, kann man keine Leistung abrufen. Druck gibt es überall, aber wir sind als Dorfklub die letzten, die vor irgendetwas Angst haben sollten. Dieses Auftreten müssen wir dringend ablegen und stattdessen mutig sein und Leidenschaft und Mentalität auf den Platz bringen, um Spiele zu gewinnen.

Hatte sich nach dem Sieg gegen 1860 München und dem 1:1 in Braunschweig vielleicht schon trügerische Sicherheit eingeschlichen? So nach dem Motto: Reicht schon irgendwie.

Das kann ich mir nicht vorstellen, denn schaut man sich Spieltag für Spieltag an, sieht man, dass die Konkurrenten auch kontinuierlich punkten. Keiner gibt sich auf – siehe zuletzt Jena mit drei Siegen hintereinander. Es sind jetzt noch vier Endspiele, diese müssen wir geschlossen und mit 100 Prozent angehen, dann fahren wir die noch fehlenden Punkte ein.

Kommen wir zum ersten der vier Endspiele. Was erwarten Sie am Freitag gegen Halle?

Uns ist bewusst, dass wir auf eine spielstarke Mannschaft treffen, die zu Recht da oben steht und gerne noch einen Platz nach oben rücken würde. Jeder einzelne Spieler muss kämpfen bis zum Umfallen, mutig spielen und alles raushauen, was er hat, damit wir gegen diesen Gegner bestehen und auch punkten können. Du kannst in der Liga gegen jeden verlieren, aber auch gegen jeden gewinnen.

Ist nicht die Befürchtung da, dass Halle als Tabellendritter und mit zuletzt drei Siegen am Stück einfach eine Nummer zu groß ist?

Dass Halle der Favorit ist, darüber müssen wir nicht reden. Wir haben aber in Osnabrück und daheim gegen 1860 und Uerdingen gewonnen und damit bewiesen, dass wir auch gegen starke Gegner punkten können. Wenn wir ab der ersten Minute alles reinpfeffern, dann bin ich vollkommen davon überzeugt, dass wir auch Halle schlagen können.

Danach geht’s in Karlsruhe gegen einen weiteren Aufstiegsaspiranten, zu Hause gegen die geretteten Zwickauer und zum Saisonfinale zum direkten Rivalen nach Köln. Wie bewerten Sie das Restprogramm insgesamt?

Natürlich ist dieses Restprogramm hart, aber das wäre es auch bei anderen Gegnern in dieser starken Liga. Es sind vier Endspiele und deshalb kann es auch in Köln zum Finale kommen, wichtig ist aber, von Spiel zu Spiel zu schauen. Die wichtigste Partie jetzt ist die gegen Halle – haben wir die bestritten, konzentrieren wir uns auf Karlsruhe, Zwickau und Köln. Der ganze Fokus muss jetzt aber auf Halle gerichtet sein – bei den Spielern sowieso, wir brauchen aber auch zwingend unsere Fans für den Erfolg.

Es wäre wieder eine Story, wie sie nur der Fußball schreibt, wenn es am letzten Spieltag zum Endspiel bei den Kölnern kommen würde, die seit Ostermontag von Aspachs Ex-Coach Oliver Zapel trainiert werden. Wie fänden Sie das?

Wenn es so kommen sollte, spielen wir nicht gegen Oliver Zapel, sondern gegen Fortuna Köln und wir müssten dann Fortuna Köln schlagen.

Wäre im Falle des Abstiegs der direkte Wiederaufstieg das Ziel oder wäre damit Aspachs Ausflug in den Profifußball beendet?

Mit solchen Gedanken beschäftige ich mich derzeit überhaupt nicht. Ich plane voll und ganz für eine weitere Drittliga-Saison und bin auch zu 100 Prozent überzeugt, dass wir es schaffen werden.

Nichtsdestotrotz hat der Verein ja auch eine Lizenz für die Regionalliga beantragt.

Gut, dass sie das ansprechen, denn die Dritte Liga ist für uns als Vorstand niemals eine Selbstverständlichkeit, darf es in Aspach, egal ob im fünften oder sechsten Jahr und auch sonst, niemals werden. Wir wissen, welchen Wettbewerbsvorteil viele andere Vereine genießen und haben auch deshalb in fast jedem Jahr die Lizenz für die Regionalliga beantragt. Wir haben als Vorstand eine Verpflichtung gegenüber dem Verein. Klar ist aber für uns: Wir werden die Liga halten und hierfür alles tun. In den nächsten drei Wochen gibt es nichts anderes, als für das gemeinsame Ziel zu kämpfen.

Sollte die SG Sonnenhof wie erhofft drinbleiben, welche Lehren wären dann für die sechste Drittliga-Saison in Serie zu ziehen?

Glauben Sie mir, wir machen uns als Vorstand nicht nur viele Gedanken, sondern arbeiten täglich ehrenamtlich für den Erfolg unseres Klubs. Hierzu gehört nicht nur das Drittliga-Team, sondern natürlich auch die Jugend. Der Verein entwickelt sich im Gesamten sehr positiv, jetzt gilt es aber, den Klassenerhalt perfekt zu machen und wir bewerten deshalb Woche für Woche die sportliche Situation. Wir wissen, wo wir ansetzen werden, aber das tun wir dann, wenn es so weit ist. Im Moment gilt es, alle Kräfte zu bündeln. Die Mannschaft, der komplette Stab, der Vorstand und alle SGler sind gefordert und halten auch zusammen für das große Ziel, in der Liga zu bleiben. Wir hoffen daher auch auf die Region und unsere Fans, dass sie hinter uns stehen und die Mannschaft in den letzten vier Spielen lautstark unterstützen, damit wir am Ende gemeinsam unser Ziel erreichen.

Hintergrund
Spannung im Aufstiegsrennen und im Abstiegskampf

Eine erste Entscheidung ist in der Dritten Liga gefallen: Osnabrück machte mit einem 2:0-Heimsieg gegen Aalen den Sprung in die Zweite Bundesliga perfekt, mit 73 Punkten ist der Tabellenführer an den verbleibenden vier Spieltagen nicht mehr von den zwei direkten Aufstiegsplätzen zu verdrängen. Um das zweite Ticket für den Fahrstuhl nach oben sowie um den Relegationsplatz mit den beiden Duellen gegen den Zweitliga-Drittletzten kämpfen Karlsruhe (62 Zähler), Halle (59) und Wehen Wiesbaden (58) um Großaspachs Ex-Trainer Rüdiger Rehm.

Die Lage im Tabellenkeller hat sich am vergangenen Wochenende weiter zugespitzt. Klar scheint eigentlich nur eines, auch wenn es rechnerisch noch nicht besiegelt ist: Das Schlusslicht aus Aalen dürfte mit seinen 30 Punkten nicht mehr zu retten sein, denn selbst vier Siege und damit letztlich 42 Zähler wären wohl zu wenig. Wie viele es am Ende sein müssen, um drinzubleiben, ist zwar schwer zu prognostizieren, allerdings müsste es schon mit dem Teufel zugehen, sollte die magische 45-Punkte-Marke nicht reichen. Bedeutet: Mit Rostock (49), Münster (48), Zwickau (46), Würzburg (45) und Kaiserslautern (45) spielen die Vereine auf den Rängen fünf bis neun nur noch um die goldene Ananas. München (44), Uerdingen (44), Meppen (43) und Unterhaching (42) sollten noch ein Unentschieden beziehungsweise einen Sieg einfahren, um auf Nummer sicher zu gehen. Spätestens mit Braunschweig (40) beginnt die akute Gefahrenzone, in der sich außerdem Lotte (39), Großaspach, Cottbus und Köln (alle 38) und der Vorletzte aus Jena (37) befinden.

Fortuna Köln zog nach dem 1:1 gegen Unterhaching am vergangenen Samstag die Reißleine, trennte sich von Coach Tomasz Kaczmarek. Das siebte Spiel in Serie ohne Sieg gab den Ausschlag, für Geschäftsführer Michael W. Schwetje ist der Trainerwechsel „unsere letzte Patrone“. Der neue Taktgeber ist in Aspach bestens bekannt: Es ist Oliver Zapel (51), der 2016/2017 die SG Sonnenhof trainierte und seit seinem Kurzgastspiel bei Werder Bremen II (November 2017 bis Februar 2018) vereinslos war. Am letzten Spieltag könnte es zum alles entscheidenden Duell mit seinem Ex-Verein kommen.

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Erstellt:
24. April 2019, 06:00 Uhr

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