Aspach ist Heimat und Herzenssache

Das morgige Gastspiel der SG Sonnenhof beim VfB Stuttgart II wird für Rückkehrer Dennis Grab nicht nur wegen des Abstiegskampfs zu einem besonderen Regionalliga-Duell. Einst war der Ex-Kapitän des Klubs aus dem Fautenhau auch in der Wasen-Jugend am Ball.

Mit Chefcoach Walter Thomae kämpft Dennis Grab (links) von der Seitenlinie aus gegen den Abstieg. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Mit Chefcoach Walter Thomae kämpft Dennis Grab (links) von der Seitenlinie aus gegen den Abstieg. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Es ist schon wie eine Rückkehr in die Heimat.“ Gleich mit seinem ersten Satz macht Dennis Grab klar, dass sein Amt als Co-Trainer des Aspacher Fußball-Regionalligisten für ihn etwas Besonderes ist. Eine Aufgabe, für die der einstige Kapitän der SG Sonnenhof, viel auf sich nimmt. Denn: „Ich arbeite bei Daimler weiterhin Vollzeit.“ Die Stunden zwischen der morgendlichen und abendlichen Tätigkeit am Schreibtisch verbringt er dann auf dem grünen Rasen bei den Übungseinheiten an der Seite von Chefcoach Walter Thomae. Gemeinsam kämpfen sie darum, Großaspachs Abstieg zu verhindern. Morgen zum Beispiel ab 14 Uhr beim VfB Stuttgart II, bei dem nicht nur der Walter Thomae sondern auch Dennis Grab eine Vergangenheit hat.

Mit 18 Jahren kam Dennis Grab das erste Mal in den Fautenhau. Zuvor war er als Steppke beim TSV Affalterbach, in der D- und C-Jugend drei Jahre lang mit seinem Kumpel Marc Schnatterer beim VfB Stuttgart und anschließend zusammen beim SGV Freiberg am Ball. Mit dem Sport- und Gesangverein stand das Duo im letzten A-Jugend-Jahr auch im DFB-Pokal-Finale, das gegen den Nachwuchs von Hertha BSC um Kevin Prince Boateng allerdings klar mit 0:5 verloren wurde. Es sei trotzdem ein tolles Erlebnis gewesen, erinnert sich Grab.

Wobei es für ihn wie für Marco Grüttner und Alexander Wagner ein Abschiedsspiel war, wechselte das Trio doch gemeinsam zum damaligen Verbandsligisten Großaspach. Von durchstarten war für den Zweimetermann dort zunächst aber einmal keine Rede. Zwar gehörte der Innenverteidiger dem Kader der ersten Mannschaft an, um Punkte kämpfte er aber vor allem im Kreisliga-Team. Aufgeben war für ihn jedoch keine Lösung. Nach dem Oberliga-Aufstieg entwickelte er sich ohnehin zum Stammspieler, überstand mit der SG Sonnenhof Abstiegskämpfe, feierte als Kapitän den WFV-Pokalsieg 2008 und die Aufstiege in die Regional- und in die Dritte Liga. Ersteren als Spielführer. Zweiteren als einer, der des Berufs wegen dann zur Stelle war, wenn bei der SG Not am Mann herrschte.

Ausbleibende Trendwende bereitet dem SG-Co-Trainer teilweise schlaflose Nächte.

Der Fautenhau war für den Studenten-Nationalspieler längst ebenso zweite Heimat wie er auf dem Platz elf Jahre lang ehrliche Arbeit ablieferte, in der Abwehr eine Bank war und als Mensch sowie Mitspieler geschätzt wurde. Entsprechend positiv waren die Reaktionen, als der Ex-Kapitän Ende Februar sein Engagement beim FSV 08 Bissingen beendete und als Co-Trainer zur SG zurückkehrte. „Für mich ist das durch und durch eine Herzensangelegenheit“, sagt Dennis Grab. Dafür nimmt er für sich, seine Frau und die Zwillingssöhne einige Einschränkungen in Kauf. Schließlich muss er das Amt des Co-Trainers mit Beruf und Familie in Einklang bringen. Heißt: am Morgen sitzt er am Schreibtisch in Affalterbach, dann geht’s auf den Trainingsplatz und am Abend wieder an die Arbeit. „Mit dem Verein habe ich vereinbart, dass ich bei den Spielen dabei bin und dreimal die Woche auch bei den Übungseinheiten.“ So wie einst auf dem Platz, kämpft er für Aspach nun am Spielfeldrand dafür, dass der Abstieg verhindert wird. Bisher noch ohne großen Erfolg. „Die Ergebnisse verleihen mir manchmal schon schlaflose Nächte“, bekennt Grab.

In seinen Augen waren es „meist Kleinigkeiten“, weshalb es in den fünf Partien mit dem neuen Trainerteam noch keinen Sieg gab. Was ihn vor allem stört, das sind die individuellen Fehler, mit denen sich Aspach immer wieder selbst in die Bredouille bringt. Das sei eine Konzen-trationssache und eine Frage des Selbstvertrauens, ist sich der 35-Jährige sicher und zieht zumindest Zweiteres auch für die ungenügende Chancenauswertung als eine Ursache in Betracht. Zu viel Überlegen und Zögern sei im Fußball nie gut, sagt Dennis Grab und erklärt, dass die Mannschaft im Training ja ständig zeige, welches Potenzial in ihr steckt.

Er weiß allerdings auch, dass die Zeit immer knapper wird, in der die SG das nun auch auf dem Platz beweisen muss. Am besten bereits morgen, wenn es für Aspach zum benachbarten VfB II geht. Für die SG-Elf ein wichtiges und für Chefcoach Thomae, der vor seiner Aspacher Zeit über ein Jahrzehnt am Wasen tätig war, wie für seinen Co-Trainer ein ganz besonderes Spiel. Nicht nur weil Dennis Grab einst drei Jahre lang in der Stuttgarter Jugend kickte, sondern auch „weil ich echter VfB-Fan bin. Einer, der einst so oft wie möglich im Stadion oder bei den Champions-League-Spielen in Old-Trafford-Stadion in Manchester oder im Camp Nou in Barcelona dabei war“. Einer, den heute noch jeder Stuttgarter Sieg freut. Außer am Samstag, wenn er mit der SG beim VfB gastiert. Schließlich ist Aspach für ihn nicht nur Herzensangelegenheit sondern auch Heimat.

Ex-Aspacher und Ex-Backnanger fehlen beim VfB II

SG-Trainer Walter Thomae sagt vor dem Duell des Viertletzten beim Tabellenachten: „Die Spieler brennen darauf, es morgen in Stuttgart besser zu machen als beim 1:1 gegen Gießen, das zeigen mir die aktuellen Trainingseinheiten. Ich hatte eine tolle Zeit beim VfB, beschäftige mich aber ausschließlich mit der Gegenwart und das ist Großaspach - nichts anderes zählt.“

In der Vorrunde ging der Vergleich kurz vor Weihnachten mit 3:0 an die Bundesliga-Reserve aus Cannstatt. Nach den Toren von Mohamed Sankoh, Eric Hottmann und Marc Stein stand der spätere Endstand damals schon zur Pause fest. Neben dem Ex-Aspacher Hottmann war beim VfB II auch der frühere TSG-Verteidiger Matej Maglica am Ball. Morgen sind wohl beide nicht dabei. Hottmann fehlte zuletzt krankheitsbedingt und der 22-jährige Maglica, dessen Vertrag unlängst verlängert wurde, fällt wegen eines Außenbandrisses im Sprunggelenk aus.

Bei Aspach sieht es personell gut aus. Bislang stehen nur Torwart Oliver Schnitzler (Achillessehnenriss) und Mohamed Diakite (Muskelfaserriss) als sichere Ausfälle fest.

Wer beim SG-Gastspiel in Stuttgart aktuell am Ball sein will, der kann dies mithilfe eines Internet-Livestreams. Gebucht werden kann der zum Preis ab 5 Euro unter anderem über www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof.

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Erstellt:
9. April 2021, 06:00 Uhr

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