Der Höhenflug und der Fall des Dorfklubs

Nach über einem Jahrzehnt muss Großaspach in die Oberliga und damit in die Spielklasse zurück, von der sich die SG Sonnenhof im Frühjahr 2009 in Richtung Profifußball aufgemacht hat. Auf zwei Aufstiege binnen neun Jahren folgen nun zwei Abstiege innerhalb von zwei Jahren.

Der Drittliga-Aufstieg vor acht Jahren in Wolfsburg war der Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Von der damaligen Meistermannschaft zählen Kai Gehring (links) und Nico Jüllich (Sechster von links, Nummer 34) immer noch zum Großaspacher Aufgebot. Den bitteren Abstieg aus der Regionalliga konnten aber auch die beiden Routiniers nicht verhindern. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Der Drittliga-Aufstieg vor acht Jahren in Wolfsburg war der Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Von der damaligen Meistermannschaft zählen Kai Gehring (links) und Nico Jüllich (Sechster von links, Nummer 34) immer noch zum Großaspacher Aufgebot. Den bitteren Abstieg aus der Regionalliga konnten aber auch die beiden Routiniers nicht verhindern. Fotos: Alexander Becher

Von Uwe Flegel

17 Jahre ist es her, als die SG Sonnenhof Großaspach unter Trainer Herbert Bentz die Meisterschaft in der Verbandsliga feierte und sich in die Oberliga verabschiedete. Vier Spielzeiten später ging es für den Klub aus dem Fautenhau gar hoch in die damals noch dreigliedrige Regionalliga und fünf Jahre später gar in die Dritte Liga. 13 Jahre lang war der Verein aus dem kleinen Aspach im Profifußball daheim. Nun ist die SG Sonnenhof zurück in der Oberliga.

Die ersten Schritte nach oben 1994 aus der Spvgg Großaspach und FC Sonnenhof Kleinaspach entstanden, startete die SG Sonnenhof Großaspach im Sommer desselben Jahres mit Trainer Görge Kalb in der Landesliga und brauchte acht Jahre, bis zum Aufsteig unter Coach Jürgen Rapolder in die Verbandsliga. Dort wurde die SG erst unter Rapolder, dann mit Herbert Bentz als Trainer zweimal Achter. Im dritten Anlauf gelang im Juni 2005 der Sprung in die Oberliga.

In der damals vierthöchsten deutschen Spielklasse – es gab noch keine Dritte Liga – zahlte der Neuling zunächst Lehrgeld. 1:10 verlor Aspach zum Beispiel gegen den heutigen Zweitligisten SV Sandhausen. Meistertrainer Bentz wurde irgendwann von Alexander Malchow ersetzt. Mit dem Ex-Profi als Spielertrainer gabs Rang 14 und den Ligaverbleib. Auch in der Saison 2006/2007 zählte die SG als 13. nicht zu den Topteams. Auf Malchow folgten Markus Gisdol, ein klasse Start und ein rasches Ende. Der spätere Bundesliga-Trainer (Hoffenheim, HSV, Köln) war die Brocken hin. Mit Nachfolger Thomas Letsch wurde Rang zehn erreicht.

Der Einstieg in den steilen Aufstieg In der Runde 2008/2009 startete Aspach durch. Mit Letsch als Coach und dem aus Crailsheim gekommenen Rüdiger Rehm als Mittelfeldorganisator wurde aus Oberliga-Durchschnitt ein Meister, der im Juni 2009 den Aufstieg in die Regionalliga und den WFV-Pokalsieg feierte. Das Problem: Die Sportanlage im Fautenhau entsprach nicht den Anforderungen des DFB und Coach Letsch verabschiedete sich als Lehrer nach Portugal. Unter dem neuen Trainer Jürgen Hartmann ging es in der Regionalliga Süd im Exil im rund 40 Kilometer entfernten Heilbronn um Punkte. Mit Hartmann lief es so lala und in der Rückrunde übernahm das Duo Rüdiger Rehm/Norbert Gundelsweiler. Mit den Interimstrainern wurde die Saison im Juni 2010 auf Platz zwölf beendet. Unter Neu-Coach Alexander Zorniger gabs im zweiten Regionalliga-Jahr Platz 14 und am Ende den Abschied aus dem Frankenstadion.

Die Erfolgsjahre Im Fautenhau war mittlerweile eine neue schmucke Arena entstanden. Die heimische Luft tat gut. Mit Zorniger wurde die Elf um Kapitän Dennis Grab in der Saison 2011/2012 Zweiter hinter Drittliga-Aufsteiger Stuttgarter Kickers. Die SG blieb nach der Aufstockung von drei auf fünf Regionalligen in der neuen Südwest-Staffel vorne mit dran. Der Trainer hieß aber nicht mehr Zorniger, der sich zur Runde 2012/2013 zu RB Leipzig verabschiedet hatte, sondern Rüdiger Rehm. Für den vorherigen Co-Trainer endete das Premierenjahr auf Platz vier und die zweite Saison nach dem Erfolg in der Relegation über Nord-Meister VfL Wolfsburg II (0:0, 1:0) mit dem sensationellem Drittliga-Aufstieg.

Als Hecht im Karpfenteich versuchte der selbst ernannte Dorfklub nun, die Großen zu ärgern. In der ersten Saison mit mäßigem Erfolg. Rehm, der neben seinem Job im Fautenhau noch in Hennef mit dem Erwerb der benötigten Fußballlehrerlizenz beschäftigt war, wurde im Herbst von Uwe Rapolder ersetzt. Der machte im März 2015 allerdings wieder Platz für Rehm. Am Ende war mit Platz 15 der Klassenverbleib geschafft.

Unter Rehm folgte dann eine überragende Vorrunde, in der Aspach oben dran und am Ende Siebter war. Es blieb die beste Platzierung der SG in Liga drei. Rehm ging zum Zweitligisten Bielefeld, Oliver Zapel übernahm und die SG wurde Zehnter. Trotzdem folgte die Trennung. Der neue Chef Sascha Hildmann erreichte erst Rang 14 und musste im Herbst 2018 auf einem Abstiegsplatz stehend gehen. Der Beginn eines munteren Trainer-wechsel-dich-Spielchens. Für Hildmann kam Florian Schnorrenberg und war sechs Monate später wieder weg. Mit Markus Lang als Interimstrainer rettete sich die SG mit einem 5:2 über Zwickau und einem 2:0 bei Fortuna Köln noch in letzter Minute.

Der Niedergang Mit Rückkehrer Zapel sollten in der Saison 2019/2020 wieder bessere Zeiten eingeläutet werden. Es begann gut, wurde schlechter und vor Weihnachten war Zapel weg. Das Duo Heiner Backhaus/ Mike Sadlo kam, blieb drei Spiele und Lang war wieder da. Wegen der fehlenden Fußballlehrer-Lizenz war der aber keine Dauerlösung. Den Schein besaß der in Aspach lebende Hans-Jürgen Boysen, der der Elf neues Leben einhauchte. Den Abstieg verhinderte der erfahrene Coach aber nicht.

Trotzdem blieb er in der Regionalliga am Ball, obwohl der Klub sechs Monate zuvor Markus Lang zum Mann der SG-Zukunft ausgerufen hatte. Nun sollte Boysen den Neuaufbau bewerkstelligen. Zunächst hatte er aber aufgrund der langen Drittliga-Saison und der nur kurzen Zeit bis zum Neustart kaum Spieler. Der Kader füllte sich nach und nach, doch richtig in Schwung kamen die Schwaben nie. Nicht unter Boysen, nicht unter Nachfolger Walter Thomae und auch nicht unter Rainer Scharinger. Auf Rang 19 stehend hatte der Ex-Drittligist Glück, dass es wegen Corona keine Aufsteiger aus der Oberliga gab. Dadurch verringerte sich die Zahl der Absteiger von sechs auf zwei. Das waren Alzenau und Stadtallendorf.

War die schlechte Saison noch mit den Problemen wegen der kurzen Zeit für den Neuaufbau irgendwie erklärbar, so gilt diese Ausrede nun nicht mehr. Zumal unter dem neuen Coach Steffen Weiß im Sommer 2021 der Start gelang. Dann folgte eine lange Punktedürre und im Spätherbst einmal mehr eine Trennung von einem Coach. Erneut übernahm Boysen – und konnte Großaspachs Fall trotz hochkarätiger Zugänge wie Sascha Mölders oder Manuel Konrad nicht bremsen. Ergebnis: Die SG ist zurück in der Oberliga. Nun aber nicht als gefeierter Auf-, sondern als gescheiterter Absteiger.

Die Hilfe kam zu spät. Sascha Mölders konnte den SG-Fall in die Oberliga nicht verhindern.

© Alexander Becher

Die Hilfe kam zu spät. Sascha Mölders konnte den SG-Fall in die Oberliga nicht verhindern.

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Erstellt:
10. Mai 2022, 06:00 Uhr

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