„Die Jungs hätten einen Punkt verdient gehabt“

Fußball-Regionalliga: Interimstrainer Scharinger nimmt Großaspachs Rumpfteam nach der 1:2-Niederlage in Walldorf in Schutz.

„Die Jungs hätten einen Punkt verdient gehabt“

Das Tor von Can Karatas (rechts) reichte den Aspachern nicht für einen Punkt. Archivfoto: A. Becher

Von Steffen Grün

Das nackte Ergebnis war ein weiteres Mal ernüchternd. Die SG Sonnenhof Großaspach kassierte mit dem 1:2 beim FC Astoria Walldorf die sechste Niederlage in Serie. Der Drittliga-Absteiger aus dem Fautenhau bleibt damit Drittletzter und kann mittlerweile echt von Glück sagen, dass es nur zwei statt der lange Zeit angenommenen sechs Absteiger gibt. Spätestens nach der erneuten Schlappe im Dietmar-Hopp- Sportpark wäre das rettende Ufer mit einem Rückstand von sieben Punkten auf den Tabellen-16. bei nur noch drei ausstehenden Partien kaum noch zu erreichen gewesen. Insofern schleppt sich die SG also dem Ende einer total verkorksten Runde entgegen, doch zumindest mit dem isolierten Blick aufs Duell mit Walldorf und die besonderen Umstände war Interimstrainer Rainer Scharinger milde gestimmt: „Ich kann dem Team in dieser Zusammensetzung gar keinen Vorwurf machen.“

Der 54-Jährige spielte vor allem auf die Personalnot an, die sich im Vorfeld der Begegnung noch einmal zugespitzt hatte. Es fehlten insgesamt elf Mann – darunter mit dem gelbgesperrten Kai Gehring sowie Jonas Meiser, Jan Ferdinand und Sandro Sirigu ein Quartett, das bei Scharingers Premiere und dem 0:2 gegen Frankfurt in der Vorwoche noch mitgemischt hatte. Weiterhin standen der Torjäger Marvin Cuni, die Mittelfeldroutiniers Joel Gerezgiher und Nicolas Jüllich sowie Andreas Ivan, Mohamed Diakite, Nils Anhölcher und Torwart Oliver Schnitzler auf der langen Liste. So etwas habe er in seiner langen Karriere als Profi und Trainer „auch noch nicht erlebt“, betonte Scharinger und sprach von einer „sehr schwierigen Situation“, wenngleich die SG Sonnenhof in dieser Saison auch in besserer Besetzung selten überzeugt hatte. Auf der Bank hockten neben Ersatzkeeper Mario Schragl und Özgür Özdemir sowie dem leicht angeschlagenen Georgios Pintidis, der nur eine Option für den absoluten Notfall war, nur noch drei A-Jugendliche: Justin Körner feierte mit einem Kurzeinsatz in der Nachspielzeit sein Debüt in der Ersten, bei Liam Ziegler und Simon Heim blieb es beim Reinschnuppern. Dass der eigentliche Innenverteidiger Özdemir als Stürmer eingewechselt wurde, um mit seinen 1,88 Metern vielleicht einen Kopfball zu erwischen, war schon symptomatisch.

Er sei sonst keiner, der den Spielern Alibis verschaffe, schickte Scharinger voraus, aber dieses Mal müsse er sie zwingend „in Schutz nehmen, denn sie haben alles reingehauen“. Er habe die Daten ausgewertet: Alle seien elf bis zwölf Kilometer gelaufen und hätten rund 50 Sprints angezogen. Es sind Kennzahlen der Laufbereitschaft und des Kampfgeistes, mit denen die Aspacher versuchten, die technisch-taktischen Defizite wettzumachen. Fast wäre es gelungen – wenn sie den Rivalen nicht erneut mit Ballverlusten zu beiden Toren eingeladen hätten oder wenn Dominik Widemann die Riesenchance beim Stande von 1:1 genutzt hätte. Auf alle Fälle „hätten die Jungs einen Punkt verdient gehabt“, befand Scharinger, „das hätte der Psyche gutgetan“.

Rainer Scharinger lässt sichein kleines Hintertürchen offen.

Der Interimstrainer wird weiterhin daran arbeiten, seinem Team wieder Selbstvertrauen einzuimpfen, doch der ehemalige Assistent von Ralf Rangnick zu Hoffenheimer Zeiten kennt die Schwere der Aufgabe. Kai Gehring kehrt am Samstag gegen Aalen in den Kader zurück, auf Jonas Meiser hofft Rainer Scharinger auch noch – aber das dürfte es für den Rest der Runde gewesen sein, so seine Einschätzung. Er nimmt es, wie es ist: „Die, die noch da sind, sind willig.“ Ihm gehe es darum, dass alle Spieler aus den fünf Wochen unter seiner Regie „möglichst viel mitnehmen“, danach sieht er seine Zukunft eigentlich weiter als Verbandssportlehrer beim Badischen Fußballverband. „Man darf im Fußball niemals nie sagen“, lässt sich Scharinger ein kleines Hintertürchen offen, aber es gehe „in erster Linie um den Verein, der wieder richtig auf die Beine kommen soll“. Wer sieht und hört, wie engagiert er sich in die Aufgabe hineinkniet, und wer weiß, wie gut er die Regionalliga aus Bahlinger und Aalener Zeiten kennt, könnte sich durchaus vorstellen, dass die Verantwortlichen im Fautenhau einen Anlauf wagen, Rainer Scharinger zum Bleiben zu bewegen.