Großaspachs Hoffnungsträger hängt in der Warteschleife

Eigentlich sollte der erfahrene Manuel Konrad das Mittelfeld des abstiegsgefährdeten Regionalligisten SG Sonnenhof organisieren. Nun kämpft der Ex-Zweitliga-Fußballer mit einem zwickenden Wadenmuskel und bangt um den Einsatz im Kellerduell mit seiner alten Liebe FSV Frankfurt.

Weiß noch nicht, ob er im Duell mit Ex-Klub FSV Frankfurt für Aspach am Ball sein kann: Mittelfeldstratege Manuel Konrad (rechts). Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Weiß noch nicht, ob er im Duell mit Ex-Klub FSV Frankfurt für Aspach am Ball sein kann: Mittelfeldstratege Manuel Konrad (rechts). Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Manuel Konrad hat noch nicht ganz aufgegeben. „Ich hoffe, dass es reicht“, sagt der 33-Jährige und denkt dabei an das Heimspiel des Fußball-Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach am Sonntag ab 14 Uhr gegen den FSV Frankfurt. Den Verein, für den er sechs Jahre lang in der Zweiten Bundesliga am Ball war und rund ein Drittel seiner 164 Partien gar als Kapitän bestritten hat. Wenn es für den gebürtigen Illertissener nun am Sonntag im heimischen Stadion im Fautenhau zum Wiedersehen mit seinem einstigen Klub kommt, dann steht das Duell im Zeichen des Abstiegskampfs.

Einer, in dem die Schwaben vermutlich ohne den im Winter gekommenen Strategen fürs zentrale Mittelfeld auskommen müssen. Denn nachdem der seinen beim 4:0 in Pirmasens erlittenen Muskelfaserriss auskuriert hatte, verspürte er wenige Minuten vor der Partie am Mittwochabend beim VfB Stuttgart II ein erneutes Ziehen in der rechten Wade. Konrad war raus und Nico Jüllich, der sich zuvor mit den anderen Ersatzspielern bewegt hatte, kurzerhand drin.

„Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich habe in meiner gesamten Karriere noch nie irgendwelche muskulären Probleme gehabt“, erzählt Manuel Konrad und berichtet: „Ich habe schon alles überprüfen lassen, unter anderem die Zähne und mein Blut. Keiner hat was gefunden.“ Vielleicht ist es einfach aber auch nur Pech, dass der Mann, der die SG in der richtigen Balance zwischen Offen- und Defensive halten soll, bisher gerade mal drei Punktspieleinsätze für Großaspach absolvieren konnte.

Fest steht, dass er sich darüber ärgert, dem Sechstletzten im Kellerduell mit dem Viertletzten vielleicht nicht helfen zu können. Wobei das nichts mit einem eventuellen Groll auf seinen einstigen Verein zu tun hat. Den gibt es nicht, erzählt der bayrische Schwabe doch: „Ich hatte in Frankfurt eine tolle und erfolgreiche Zeit. Bis heute verfolge ich, was der Verein macht.“ Zu einigen Leuten und einstigen Weggefährten wie FSV-Geschäftsführer Patrick Spengler hat er weiterhin ab und zu Kontakt, kennt sowohl Trainer Tim Görner wie dessen Vater und Vereinspräsidenten Michael Görner.

Die alten Kontakte und Bindungen, das Wiedersehen werde sicher schön, erklärt der 1,87 Meter große Fußballer und sagt: „Übermorgen geht es aber einzig und allein um uns, wir brauchen die drei Punkte. Da muss man auch nicht groß drumrumreden. Diese Woche ist entscheidend dafür, in welche Richtung es geht.“ Nach dem 1:0 vor zwei Tagen am Cannstatter Wasen sieht es aus, als ginge es nach oben. Immerhin hat die SG zwei Ränge gutgemacht und die Abstiegsplätze verlassen. Nun soll und muss nachgelegt werden, weiß Konrad, denn: „Das Programm wird in den nächsten Wochen nicht einfacher.“ Mit oder ohne ihn als Führungsspieler auf dem Platz.

Dabei wäre er für die abstiegsbedrohte Elf aus dem Fautenhau eine große Verstärkung. Nicht nur wegen seiner fußballerischen Klasse, sondern auch wegen seiner Erfahrung. „Im Kampf gegen den Abstieg muss jeder schauen, dass er 100-prozentig Leistung bringt“, sagt er und erklärt: „In unserer Situation müssen die einfachen Sachen einfach richtig und gut gemacht werden, da ist taktische Disziplin unheimlich wichtig.“ In dem Punkt erkennt er zwar eine klare Steigerung bei der SG in den vergangenen Wochen, aber: „Da ist noch Luft nach oben.“ Wobei ihm klar ist, „das geht alles nur Schritt für Schritt“.

Konrad, der als A-Jugendlicher unter Trainer Christian Streich mit dem SC Freiburg einst deutscher Pokalsieger wurde und als U-19-Nationalspieler vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet wurde, ist aber nicht entgangen, dass „wir fußballerisch viel Talent und Qualität haben“. Sich darauf zu verlassen, gehe vielleicht, „wenn du oben spielst. Jetzt geht es erst einmal darum, den Gegner zu bekämpfen. Und da sind wir noch nicht am Limit.“ Schließlich seien es meist Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden.

So wie es manchmal halt nur ein Ziehen am Wadenmuskel ist, das dafür sorgt, dass ein Hoffnungsträger von der Bank aus beobachten muss, wie seine Mitstreiter gegen den Abstieg kämpfen. Beim 1:0 unter der Woche in Stuttgart war’s erfolgreich und für das zweite Kellerduell am Sonntag gegen den FSV Frankfurt hat der 33-Jährige ja noch die Hoffnung, „dass es reicht“.

Sechs Zweitliga-Jahre beim FSV Frankfurt

Stationen Mit dem Fußball begonnen hat Manuel Konrad als Steppke beim TSV Obenhausen in der Nähe von Illertissen. Von dort wechselte er über den TSV Neu-Ulm und den SSV Ulm in die A-Jugend des SC Freiburg, für den er als 19-Jähriger unter Trainer Robin Dutt fünfmal in der zweiten Liga am Ball war. Dann folgten eine eineinhalbjährige Ausleihe zum Drittligisten Spvgg Unterhaching (52 Spiele) und im Sommer 2010 der Wechsel zum Zweitligisten FSV Frankfurt (164).

Von Juni 2016 an spielte Konrad zwei Jahre lang für Dynamo Dresden (44) in der zweiten Liga, ehe er zum Drittligisten KFC Uerdingen (65) wechselte. Dort blieb er ebenfalls zwei Jahre, dann ging er in der Coronazeit für neun Monate zum malaysischen Erstligisten Selangor FC, wo er seinen ehemaligen Freiburger Trainer Karsten Neitzel sowie seinen einstigen Frankfurter Mitspieler Tim Heubach wieder traf.

Im Januar unterschrieb der 33-Jährige dann bei der SG Sonnenhof Großaspach einen bis zum 30. Juni 2023 datierten Vertrag.

Weggefährten Konrad ist bei der SG Sonnenhof einer von vier Akteuren mit einer Vergangenheit beim FSV Frankfurt. Vor allem mit Trainer Hans-Jürgen Boysen und Stürmer Sascha Mölders verbindet den 33-jährigen aus seinen Anfangsjahren eine gute gemeinsame Zeit. Während sich Mölders im Sommer 2011 verabschiedete und Boysen im Dezember desselben Jahres gehen musst, blieb Konrad noch fünf Jahre. In seiner letzten FSV-Saison spielte er noch ein halbes Jahr mit Joel Gerezgiher zusammen.

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Erstellt:
8. April 2022, 06:00 Uhr

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