Großer Architekturpreis
Gleich 13 Architekturbüros aus Stuttgart nominiert für DAM Preis
14 Bauten von Stuttgarter Büros sind für den renommierten DAM-Preis 2027 nominiert, ein bekanntes Büro ist gleich zweimal vertreten. Ein Überblick.
© Michael Meyer (li.)/Zooey Braun/asp Architekten
Stuttgarter Architekten am Werk – das flamingofarbene Baugruppenhaus in Metzingen und das Schwimmbad in Biberach.
Von Tomo Pavlovic
Bemerkenswerte Projekte Stuttgarter Architekturbüros sind in der engeren Wahl des vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt ausgelobten DAM-Preises 2027. Eine Jury hat 107 Projekte von Architektinnen und Architekten mit Sitz in Deutschland nominiert, darunter fünf Projekte deutscher Architekten im Ausland außer Konkurrenz ausgewählt und besonders viele Projekte haben Stuttgarter Bezug. Der Preisträger wird 2027 gekürt.
Ebenfalls nominiert ist ein Stuttgarter Ingenieurbüro
Seit 2007 werden mit dem DAM Preis für Architektur in Deutschland jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. Bei zahlreichen Bauten handelt es sich in diesem Auslobungsjahr um Sanierungen und Umbauten im Bestand. Viele Beispiele stammen aus den Bereichen Soziales und Bildung oder der Kombination aus beiden: seien es Schulen, Kantinen oder auch größere flexibel nutzbare Hallen, die als Begegnungszentren dienen. Museen und Universitätseinrichtungen sind ebenfalls stark vertreten.
Unter den nominierten Bauwerken finden sich wie zu erwarten war auch Bauten der kritischen Infrastruktur, darunter eine Feuerwehr. Und auch eine Fußgängerbrücke ist dabei, in diesem Fall in Tuttlingen, geplant von Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten in Zusammenarbeit mit dem erfahrenen ebenfalls in Stuttgart beheimateten Ingenieurbüro Schlaich Bergermann Partner. Doch es sind auch Neubauten vertreten, und hier vor allem im Bereich Wohnungsbau.
14 Bauten von Stuttgarter Büros sind für den DAM-Preis 2027 nominiert, ein bekanntes Büro ist gleich zweimal vertreten, neun der Gebäude finden sich in Baden-Württemberg. Eines der formal auffälligsten Gebäude von einem Stuttgarter Architekturbüro ist das Museum Historische Oberamteistraße in Reutlingen. Wulf Architekten haben in der Altstadt ein Haus aus Holz mit Tausenden von Glasziegeln eingehüllt. Der Eindruck ist einzigartig, der Umgang mit dem Licht, das Spiel von Durchlässigkeit und Intimität.
Stuttgarter Architekten erfolgreich in Reutlingen
Doch diese architektonische Geste ist kein Selbstzweck, sondern soll auf luzide Weise das kollektive Gedächtnis der Reutlinger Bürgerschaft anregen. Schließlich erinnert das aus gläsernen Biberschwanzziegeln gebaute Museum daran, das genau an dieser Stelle ein anderes Haus nicht mehr da ist, das Steinerne Haus nämlich. Ein Gebäude aus dem Mittelalter, das 1972 abgerissen wurde.
Dieses Beispiel zeigt vielleicht ganz gut, dass es bei ausgezeichneten neuen oder sanierten Bauten nicht nur um ökologische Aspekte gehen kann. Vielmehr kommt es gerade beim Bauen im Bestand auch auf die Goldene Energie an, also auf das Bewahren und Weitererzählen von immateriellen - (sozialen oder kulturellen) Werten.
Zwei Projekte von Stuttgarter Büro Amunt Nagel Theissen
Wie das Weitererzählen einer älteren Baugeschichte funktionieren kann, lässt sich auch in Biberach an der Riß studieren. Dort haben asp Architekten aus Stuttgart bei einem neuen Freibad Gestaltungselemente aus den 60er Jahren aufgenommen, ganz ohne Historisierung. Warum? Weil es sich bei dem neuen Freibad mit Freizeit- und Schwimmerbecken um einen Ersatzneubau handelt, der das bestehende, schon seit Jahrzehnten bestehende Hallenbad ergänzt.
Diese größer werdende Wertschätzung der Ästhetik der noch vor kurzem eher belächelten 50er und 60er Jahre ist neben der seit Jahren andauernden Debatte um Bestandserhaltung ein richtiger Trend geworden, auch beim DAM Preis. So hat auch das Büro Amunt Nagel Theissen Architekten einen alten Gewerbebau, genauer: eine Metallwerkstatt aus den 50er Jahren in einem Frankfurter Hinterhof mit wenigen, aber effektiven Eingriffen in ein modernes, funktionales Atelier transformiert – Patina und Gebrauchsspuren inklusive. Alles ist rückbaubar, der Umbau folgt dem Konzept des Low Tech.
Stuttgarter Architekturmuseum in Stralsund
Amunt Nagel Theissen sind mit einem weiteren Projekt im Rennen: einem sogenannten Eco-Haus in Althengstett im nördlichen Schwarzwald. Das Gebäude ist ein Massivholzbau aus Schwarzwälder Brettsperrholz. Es entstand erneut unter Low-Tech-Vorgaben und der Einbeziehung von ökologischen Materialien sowie lokalem Handwerk ein nicht alltägliches Wohnhaus für eine vierköpfige Familie.
Stuttgarter Büros sind reichlich nominiert
Weitere nominierte Büros aus Stuttgart sind: a + r Architekten für einen Bildungscampus in Neufreimann bei München; andOffice Architekten für eine Mobilitätsstation in Menzenschwand (St. Blasien); Atelier Kaiser Shen Architekten für ein flexibles Wohnheim in Schöneich; haascookzemmrich STUDIO2050 für den Franklin Hochpunkt H in Mannheim; heinlewischer für den Umbau und die Sanierung eines Flügels des Festspielhauses Hellerau (Dresden); LRO und Generalübernehmer Georg Reisch, die gemeinsam die Bertha-Benz-Schule in Sigmaringen realisiert haben; Meyer Architekten für das Baugruppenprojekt Flamingohaus in Metzingen; Reichel Schlaier Architekten für die Sanierung und Erweiterung des Meeresmuseums in Stralsund; schlaich bergermann partner / Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten für die schon erwähnte Rathausbrücke in Tuttlingen.
Stuttgarter mit Auslands-Projekten
Unter den fünf ausgewählten Projekten im Ausland findet sich das bekannte Behnisch Architekturbüro (unter anderem mit Sitz in Stuttgart), welches das Vagelos Laboratory for Energy Science and Technology (VLEST) an der Universität von Pennsylvania geplant und umgesetzt hat. Der Bau auf dem Campus beherbergt ein interdisziplinäres Team für nachhaltige Energieforschung.
Weitere Fotos von Projekten in der Bildergalerie.
© Zooey Braun
Stuttgarter asp Architekten sind mit dem Schwimmbadbau im Rennen um den DAM-Preis.
© Michael Meyer
Der Stuttgarter Architekt Michael Meyer ist mit dem flamingofarbenen Baugruppen-Haus in Metzingen im Rennen um den DAM-Preis 2027.
© Brigida González
Wulf Architekten aus Stuttgart sind für ihre Holz- und Biberschwanzglasziegel-Konstruktion in Reutlingen nominiert worden.
© Brigida González
Leuchtendes Beispiel für Mut zur Gestaltung – Oberamteistraße von Wulf Architekten.
© STZN/Nicole Golombek
Atelier Kaiser Shen aus Stuttgart haben mit dem Entwurf für ein flexibel umnutzbares Geflüchtetenheim im Kreis Böblingen beeindruckt.
© Roland Halbe
LRO Architekten und ihr Schulbau-Projekt in Sigmaringen stehen auch auf der Longlist.
© Roland Halbe
Blick ins Innere. Der Neubau von LRO erfüllt die Kriterien für eine Platin-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
© Deutsches Meeresmuseum/Anke U. Neumeister
Lob für Sanierung und Erweiterung – Reichel Schlaier Architekten aus Stuttgart haben in Stralsund das Deutsche Meeresmuseum zukunftsfähig saniert und weitergebaut.
© Stefan Sauer/dpa
Angela Merkel (CDU), ehemalige Bundeskanzlerin, besuchte nach dem Festakt zum Abschluss der Modernisierung des Meeresmuseums die Ausstellung und den Aquarien-Keller mit den Schildkröten und fütterte eine Grüne Meeresschildkröte mit einem Salatblatt.
