TV-Tipp

Zwei Väter sind besser als keiner

Der ARD-Film „Louma – Familie ist kein Kinderspiel“ ist ein gerade von den jungen Mitwirkenden famos gespielter Mix aus Komödie und Tragödie.

Zwei Väter im Wettstreit: Timur Işık (links) und Trystan Pütter in „Louma – Familie ist kein Kinderspiel“.

© WDR/eikon media GmbH/Martin Menk

Zwei Väter im Wettstreit: Timur Işık (links) und Trystan Pütter in „Louma – Familie ist kein Kinderspiel“.

Von Tilmann P. Gangloff

Es gibt keine Regeln, wie lang oder kurz ein Prolog sein darf. So präzise wie in dieser herausragend guten Tragikomödie sind Einführungen allerdings selten: Nach zwanzig Sekunden ist alles vorbei. Genau genommen dauert das Ereignis, dass das Leben gleich mehrerer Menschen komplett aus der Spur wirft, sogar nur eine Sekunde: Auf einer Landstraße ist ein Cabrio mit Luftballons in Herzform unterwegs. Auf der Gegenfahrbahn ist eine Frau kurz abgelenkt, als plötzlich einer der Ballons vor ihrer Windschutzscheibe auftaucht. In ihrem Schrecken reißt sie das Lenkrad herum, dann wird das Bild schwarz; aus dem Off erklingen typische Unfallgeräusche.

Patchwork-Familie ohne Mama

Auf den tragischen Auftakt folgt nicht etwa eine Trauerszene, sondern ein eher komischer Moment: Ein Mann und seine vier Kinder klettern über eine Friedhofsmauer, um ein Trauerpicknick zu veranstalten. Zur gleichen Zeit ist ein zweiter Mann auf dem Weg zum Flughafen, als ihm seine Assistentin mitteilt, der Flug sei gestrichen worden. Kurzerhand macht er das Beste draus und fährt zu seinen Kindern, deren Begeisterung aber sparsam ausfällt; erst recht, als sie erfahren, dass ihr Vater sie zu sich nehmen will.

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Jetzt erst offenbart Christian Schnalke, der für „Louma – Familie ist kein Kinderspiel“ seinen eigenen Roman adaptiert hat, die Zusammenhänge dieser Patchwork-Familie: Die von ihren Kindern Louma genannte Lou (Marie Nasemann), das Unfallopfer, war früher mit Tristan (Trystan Pütter) verheiratet. Aus dieser Ehe gibt es eine Tochter und einen Sohn, beide nun Teenager. Eine Rückblende zeigt das Paar verliebt in ihrem ersten Café. Im Lauf der Jahre hat Tristan viele weitere Lokale eröffnet, weshalb er immer seltener zuhause war. Nach der Scheidung hat Lou den Musiker Mo (Timur Işık) geheiratet; es folgten zwei weitere Kinder.

Nach dem Tod von Lou will Tristan, ein typischer Wochenend-Papa, die Familie auseinanderreißen. Natürlich könnte er seinen Nachwuchs notfalls von der Polizei abholen lassen, aber für die Kinder wäre das nach dem Verlust der Mutter das nächste traumatische Erlebnis. Deshalb hat die jüngere Tochter eine Idee, wie sich das Dilemma lösen ließe: Toni und Fabi, die beiden älteren, ziehen nicht aus, sondern Tristan ein. Platz ist in dem Haus mit Garten genug.

Er hält den Vorschlag allerdings zunächst für „Schwachsinn“, zumal jedes Mal eine Menge Aggressivität in der Luft liegt, wenn sich die beiden Väter begegnen. Trotzdem lässt er sich auf das Experiment ein, und jetzt geht die Geschichte erst richtig los. Wäre „Louma“ ein Western, würde dieser Satz fallen: „Diese Stadt ist zu klein für uns beide.“

Die Mischung aus berührenden und witzigen Momenten stimmt

Natürlich nutzen Schnalke und Regisseur Mark Monheim den Kontrast zwischen den Vätern aus. Mo ist ein Träumer, Tristan ist korrekt und penibel, weshalb er mit Hilfe diverser Regeln Ordnung ins Leben der Familie bringen will. Das kann nicht gut gehen und tut es auch nicht. Außerdem sind die beiden Männer derart Ich-bezogen, dass sie gar nicht mitbekommen, wie es den Kindern geht. Nano (Michel Koch) etwa, der Jüngste, trauert nicht nur um seine Mutter, sondern um den Familienhund, der ebenfalls im Unfallauto war. Die 16jährige Toni (Lola Höller) wiederum macht sich bittere Vorwürfe, weil sie glaubt, dass ausgerechnet ihre erste große Verliebtheit Loumas Tod verursacht hat.

Sehenswert ist dieser Film schon allein wegen der preiswürdigen Arbeit Monheims mit den vier Kindern und Jugendlichen. Neben der immer wieder verblüffenden Mischung aus berührenden und witzigen Momenten punktet aber vor allem die Komposition: Schnalke reiht zwar eine Episode an die andere, wirkt der Film nie episodisch.

„Louma – Familie ist kein Kinderspiel“, ARD, 25.3. 20.15 Uhr.

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Erstellt:
23. März 2026, 14:42 Uhr

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