3. Oktober: Demonstration von Querdenken in Konstanz geplant

dpa Konstanz. Die Initiative Querdenken will nach den Protesten in Berlin nun auch in Süddeutschland gegen die Corona-Politik auf die Straßen gehen. Das Vorhaben könnte aber schon an der Anmeldung scheitern.

Michael Ballweg spricht während einer Kundgebung. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Michael Ballweg spricht während einer Kundgebung. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Stuttgarter Initiative Querdenken 711 will am Tag der Deutschen Einheit in Konstanz gegen die Corona-Politik demonstrieren. Eine Demo in Berlin sei nicht geplant, sagte Organisator Michael Ballweg am Mittwoch im Deutschlandfunk. Am Samstag hatten sich Zehntausende Menschen in Berlin versammelt, um gegen staatliche Corona-Auflagen zu protestieren. Darunter waren auch größere Gruppen von sogenannten Reichsbürgern.

Mit der Demo am 3. Oktober im Süden Baden-Württembergs will die Bewegung nach Angaben von Ballweg Extremisten aus dem Weg gehen. „Um es den Beobachtern leichter zu machen, haben wir eine räumliche Trennung vorgenommen. Auf unseren Demonstrationen waren sowieso nur wenige Extremisten. Ich hoffe, dass die Extremisten in Berlin bleiben“, sagte Ballweg am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Konstanzer Ableger der Stuttgarter Initiative plant am Tag der Deutschen Einheit mehrere Menschenketten mit insgesamt bis zu 250 000 Teilnehmern. Das Motiv sei, die wegen der Corona-Politik entzweiten Menschen wieder zusammenzubringen, sagte Organisator Gerry Mayr am Mittwoch. Die Haltung zu den aus seiner Sicht unverhältnismäßigen Corona-Einschränkungen vergifte Familien und Freundschaften. Es gelte, die Lebensfreude wieder zu erlangen, die dem Schutz weniger geopfert worden sei. Zuvor hatte der Südwestrundfunk darüber berichtet.

Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) sagte dem SWR, dass bei der Stadt bereits bis zu sechs andere Veranstaltungen angemeldet seien, nicht aber die Querdenken-Aktionen. Daher gehe er davon aus, dass gar nicht mehr viel Platz für eine weitere Veranstaltung sein werde. Sollte die Demonstration wider Erwarten stattfinden können, dann müssten die Maskenpflicht und das Abstandsgebot eingehalten werden.

Mayr, ein Abenteurer und Extremsportler, will mit einer 127 Kilometer langen „Friedensmenschenkette“ zwischen Liechtenstein, Österreich, der Schweiz und Deutschland einen Weltrekord aufstellen. Dafür brauche er rund 60 000 Mitstreiter. Für weitere Ketten am Bodensee rechne er mit um die 200 000 Menschen. Zur Abschlusskundgebung in Konstanz werde Ballweg als Redner erwartet, sagte der 55-jährige. Bei den Aktionen solle der Sicherheitsabstand eingehalten werden, aber nicht die Maskenpflicht. Es sei vorgesehen, dass die Menschen verbunden seien, etwa mit einem Seil. Die geplanten Aktionen seien bei den Behörden noch nicht angemeldet worden.

Als Reaktion auf die Demonstrationen in Berlin hat der Berliner Senat am Dienstag eine Maskenpflicht für Demonstrationen mit mehr als 100 Teilnehmern beschlossen, die von Samstag an gelten soll. Die Verlegung ist Ballweg zufolge aber keine Reaktion auf diese Maßnahme. „Ne, also gar nicht. Das ist ja auch schon am 29. auf der Bühne verkündet worden“, sagte er dem Deutschlandfunk.

Unter den Demonstranten in Berlin waren auch größere Gruppen von Reichsbürgern mit entsprechenden T-Shirts, Transparenten, Megafon-Ansagen, Sprechchören und Flugblättern. Deutlich erkennbar waren auch einige kleinere Gruppen von Rechtsextremisten und Neonazis.

In einem RBB-Interview am Dienstagabend hatte Ballweg die Kritik zurückgewiesen, bei der Demonstration am Samstag seien auch viele Rechtsextremisten und sogenannte Reichsbürger gewesen. „Ich habe keine Rechtsextremen gesehen.“ Aber man werde künftig noch mehr darauf achten. Zu Menschen mit Reichsflaggen habe man Ordner geschickt und von vielen gehört, „dass die Flaggen verteilt worden sind“. Seine Bewegung sei demokratisch - weder Links- noch Rechtsextremisten oder Gewaltbereite gehörten dazu.

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Erstellt:
2. September 2020, 08:50 Uhr

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