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6,7 Millionen Überstunden im Kreis

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnt vor „Durchlöchern des Arbeitszeitgesetzes“

Die Gewerkschaft NGG will verhindern, dass Überstunden unbezahlt bleiben. Symbolfoto: NGG

Die Gewerkschaft NGG will verhindern, dass Überstunden unbezahlt bleiben. Symbolfoto: NGG

STUTTGART/WAIBLINGEN (pm). Wenn der Rems-Murr-Kreis richtig schuftet, kommt ein Überstundenberg heraus: Rund 6,7 Millionen Arbeitsstunden haben die Beschäftigten hier im vergangenen Jahr zusätzlich geleistet. Davon 3,6 Millionen Überstunden zum Nulltarif – ohne Bezahlung. Das geht aus dem „Überstunden-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat. Danach haben alle Beschäftigten den Unternehmen im Rems-Murr-Kreis 91 Millionen Euro „geschenkt“.

Allein in Hotels und Gaststätten leisteten die Beschäftigten hier 2018 rund 138000 Überstunden. Das hat das Pestel-Institut auf Basis des Mikrozensus berechnet. Demnach waren 44 Prozent aller im Rems-Murr-Kreis geleisteten Überstunden im Gastgewerbe unbezahlt. Für 2018 bedeutet dies – bei 12 Euro Lohnkosten pro Stunde für den Arbeitgeber – ein „Lohngeschenk“ von 737000 Euro. „Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist auf jeden Euro angewiesen. Dabei sind 58 Prozent dieser Arbeitsplätze im Rems-Murr-Kreis Minijobs“, sagt NGG-Geschäftsführer Hartmut Zacher. Das Problem der 450-Euro-Kräfte: Sie dürfen keinen Euro hinzuverdienen. „Also werden die Überstunden entweder gar nicht oder schwarz bezahlt – bar auf die Hand. Statt Minijobber mit 450 Euro abzuspeisen, sollte das Gastgewerbe endlich mehr Menschen regulär beschäftigen und ordentlich bezahlen“, fordert Zacher. Die NGG stelle sich hinter die rund 5900 Beschäftigten in den Hotels, Restaurants und Gaststätten im Rems-Murr-Kreis. Denn ihnen drohe noch ein anderes Problem: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dränge die Bundesregierung, die Arbeitszeiten noch flexibler zu machen. „Es geht darum, das Arbeitszeitgesetz zu durchlöchern. Ziel der Arbeitgeber ist es, die Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden pro Tag auszuweiten“, kritisiert Zacher.

Der Dehoga werde sich mit seinem Vorstoß „ein Eigentor schießen“, so die NGG. „Gerade junge Menschen werden dadurch verschreckt. Und das bei der – im Branchenvergleich – ohnehin schon besonders niedrigen Ausbildungsquote“, sagt Zacher. Er warnt: Mehr arbeiten zu müssen, bedeute ein höheres Gesundheitsrisiko. „Schlafstörungen, Erschöpfung, Rückenschmerzen und sogar Arbeitsunfälle können die Folge sein.“ Die bestehende Regelung der Arbeitszeit sei ein wichtiger Schutz der Beschäftigten.

Im Gastgewerbe sei es gang und gäbe, überdurchschnittlich oft an Wochenenden und Feiertagen, spätabends und auf Abruf zu arbeiten. „Dazu kommt ein guter ‚Flex-Faktor‘ durch Arbeitszeitkonten. In Tarifverträgen hat die NGG mit dem Dehoga vielfältige Arbeitszeitmodelle vereinbart. Zu viele Betriebe setzen diese aber gar nicht in der Praxis um, sondern wollen einen Freifahrtschein. Wir fordern die Unternehmen auf, sich an diese Regelungen zu halten und die Dienstpläne frühzeitig und verlässlich zu schreiben“, so Gewerkschafter Zacher.

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Erstellt:
7. September 2019, 16:00 Uhr

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