Akten zur Entnazifizierung werden digitalisiert

dpa/lsw Stuttgart/Freiburg. Forscher und Nachfahren können künftig einfacher als bislang in den historischen Unterlagen zur Entnazifizierung blättern. Die Akten der sogenannten Spruchkammer Südbaden, die seit dem Ende der französischen Besatzungsverwaltung zwischen Deutschland und Frankreich aufgeteilt sind, werden in den kommenden Jahren digital zusammengelegt. Insgesamt sollen in Frankreich aufbewahrte Entnazifizierungsakten aus dem südbadischen Raum zu mehr als 200.000 Menschen online zugänglich gemacht werden.

Zum symbolischen Auftakt übergab Nicolas Chibaeff, Direktor des Diplomatischen Archivs, am Donnerstag in Stuttgart 13.000 Akten in 50 Kartons an Gerald Maier, den Präsidenten des Landesarchivs. „Die Frage der Zugänglichkeit spielt eine entscheidende Rolle für die Forschung und unsere Kenntnis der Geschichte“, sagte der Franzose. Maier betonte, das Vorhaben habe Modellcharakter als Pilotprojekt für die digitale Zusammenführung von Unterlagen, die seit der Nachkriegszeit zwischen zwei Ländern aufgeteilt sind.

Als Entnazifizierung wird die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) durch die alliierten Besatzungsmächte veranlasste politische Säuberung der deutschen Bevölkerung von den Einflüssen des Nationalsozialismus bezeichnet. Sie war fester Bestandteil des Potsdamer Abkommens vom August 1945, wurde aber in den vier Besatzungszonen recht unterschiedlich umgesetzt.

Die Akten der Spruchkammer Südbaden werden in der Abteilung Staatsarchiv Freiburg des Landesarchivs und im Diplomatischen Archiv in La Courneuve bei Paris aufbewahrt. Sie enthalten nach Angaben des Landesarchivs Unterlagen zu Funktionsträgern aus der nationalsozialistischen Zeit wie dem letzten Kommandanten von Paris, Dietrich von Choltitz, und für den Zeitraum zwischen 1931 und der Nachkriegszeit. Es finden sich darin auch Akten des Philosophen Martin Heidegger, der Regisseurin Leni Riefenstahl, des Verlegers Franz Burda und des badischen Staatspräsidenten Leo Wohleb.

Das Projekt wird durch die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg im Wissenschaftsministerium gefördert.

© dpa-infocom, dpa:211014-99-598032/2

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Erstellt:
14. Oktober 2021, 16:09 Uhr

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