Artenarme Wiese in der Taus wird lebendiges Kleinod
Nachmachen erwünscht: Auf rund 300 Quadratmetern ist bei Tausschule und Tausgymnasium ein naturnaher Garten entstanden, der verschiedene Strukturen miteinander verbindet.
© Alexander Becher
Udo Weisshaar, Edith Reihle, Anja McGrath, Antja Schosser, Peter Kreuttle, Tobias Großmann, Frank Ehret und Carsten Heimann (von links) begutachten den neu angelegten Tausendartengarten an der Tausschule. Foto: Alexander Becher
Von Simone Schneider-Seebeck
Backnang. Sowohl im Siedlungsraum als auch in der freien Landschaft nimmt die Vielfalt immer weiter ab. Flächen werden einheitlicher und somit auch ärmer an Arten. Und genau hier kommen Gärten und Balkone ins Spiel.
Welch vielfältige Möglichkeiten es gibt, kleinere oder auch größere Flächen naturnah zu gestalten, zeigt der Tausendartengarten in Backnang. Dabei ist der Name Programm. Gelegen ist das gut 300 Quadratmeter große Stück ehemaliger Wiese unterhalb der Tausschule und fast neben dem Tausgymnasium. Und bietet nun über 1000 Tierarten, darunter über 260 Wildbienenarten und mehr als 600 Schmetterlingsarten, Lebensraum und Nahrung.
Der naturnahe Garten ist ein Gemeinschaftsprojekt. Federführend ist die Nabu-Ortsgruppe Backnang. Das Grundstück konnte kostenlos von der Stadt Backnang gepachtet werden, auch die Bepflanzung wurde von der Stadt finanziell unterstützt. Weitere Partner sind die Regionalgruppe Rems-Murr Brommhommel des Naturgartenvereins sowie der Naturgartenbetrieb von Carsten Heimann aus Korntal-Münchingen, der fachlich beraten und die Strukturen des Gartens baulich umgesetzt hat. Im Rahmen des Förderprogramms „Dein Klimabudget zum Anpacken“ des Landkreises gab es zudem 4000 Euro.
„Die Artenvielfalt zu erhalten, fängt im eigenen Garten an“, betont die Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Anja McGrath. Ausgehend von der städtischen Initiative, Patenschaften für Grünflächen zu übernehmen, entstand die Idee, bei der Kommune nach einer „kleinen Fläche, auf der wir uns austoben können“, zu fragen, um diese in einen Vorzeigegarten umzuwandeln. So fiel die Wahl auf dieses Stück Wiese.
Verschiedene Zonen sind eingerichtet worden
Gelegen ist es ideal, wie Carsten Heimann ausführt. Denn auf einer Seite grenzt alter Baumbestand an, eine Art „Vorwaldcharakter“, wie er es nennt. An einer anderen Seite schließen Streuobstbäume an. Ein weiterer Vorteil: Direkt daneben liegt der Schulgarten der Tausschule. Dadurch haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich unmittelbar mit den Themen Artenvielfalt und naturnahe Bepflanzung auseinanderzusetzen.
Weitere Themen
Begonnen wurde das Projekt im vergangenen Frühjahr mit Erdarbeiten. Dabei wurde der Erdaushub vollständig vor Ort für die Modellierung der Landschaft verwendet. Generell legen die Beteiligten großen Wert auf Recycling: Totholz stammt direkt aus der Fläche, weitere Elemente wie Hecken oder Steine wurden aus der Umgebung zusammengetragen. Der Naturgarten besteht nun aus verschiedenen Zonen. Einerseits gibt es ein Feuchtbiotop, andererseits die Trockenbiotope. Ein Senkgarten wurde angelegt, aber auch einige kleinere Hügel.
Sowohl nährstoffreiche Flächen als auch magere Trockenbereiche aus regionalem Kalkstein und Sand, mit entsprechenden heimischen Pflanzen bepflanzt, zeigen die vielfältigen Möglichkeiten der naturnahen Gartengestaltung. Dabei entsteht nicht nur ein fast ganzjähriges Nahrungsangebot, sondern auch verschiedene Rückzugsorte für Insekten, Vögel und Kleintiere.
„Wir spiegeln hier eine komplette Landschaft auf kleinstem Raum“, erklärt Carsten Heimann. 80 Sträucher, 250 Stauden, fünf Bäume und über 2000 Blumenzwiebeln, alles einheimische Arten, sind seither gepflanzt worden, alle biolandzertifiziert. „Man pflanzt Tiere“, wie es beim Naturgartenverein heißt. Denn diese Pflanzen ziehen die unterschiedlichsten Tierarten an. Mit Spannung wird bereits die erste Eidechse erwartet, die den Lesesteinhaufen besiedelt.
„Wir brauchen solche Lebensräume als Trittsteine“, erläutert Tobias Großmann, Leiter des Backnanger Stadtplanungsamts. Zudem bietet der ästhetisch gestaltete Garten einen Mehrwert nicht nur für die beiden angrenzenden Schulen, sondern für alle Interessierten. Der Tausendartengarten steht allen Personen offen, die sich informieren möchten, wobei die Pflanzen hilfreicherweise auch beschriftet sind. Auch die unmittelbaren Anwohner stehen dem Projekt offen und positiv gegenüber. Gepflegt wird die Anlage von der Nabu-Ortsgruppe. Darüber hinaus sind Projekte mit Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Naturschutzjugend geplant.
Neben seiner Unterstützung der heimischen Artenvielfalt soll der Naturgarten auch eine Inspiration zum Nachmachen sein. „Die Fläche muss nicht groß sein“, sagt Antje Schosser, Nabu-Beauftragte für den Tausendartengarten. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass heimische Pflanzen im Baumarkt oft schwer zu finden sind. Informationen und Bezugsquellen bieten jedoch die Websites von Nabu und Naturgartenverein.
Vereine Wer sich für Naturgärten interessiert, findet hier weiterführende Informationen: www.nabu-backnang.de/naturgarten und https://naturgarten.org/regionalgruppe-rems-murr-brommhommel. Zudem gibt es auf der Seite des Naturgartenvereins Termine zur Besichtigung für bereits bestehende Naturgärten.
Aktionen Workshops, Vorträge, Gartenbesichtigungen und Informationen rund ums Gärtnern im Garten und auf dem Balkon gibt es auch bei „Backnang blüht auf“ unter https://t1p.de/Backnangbluehtauf.
