Azubine mit Handicap beweist ihr Talent im Betrieb
Die gehörlose Maler-Azubine Mona Jägle aus dem Berufsbildungswerk Winnenden der Paulinenpflege sammelt Erfahrungen im Beruf.
© Berufsbildungswerk Paulinenpfleg
Mona Jägle sammelt mit dem Baustellenleiter Thomas Kapp in der Nähe ihres Heimatorts Erfahrungen im Malerbetrieb. Foto: Berufsbildungswerk Paulinenpflege
Winnenden. „Mir gefällt es hier beim Praktikum gut und es macht mir viel Spaß, auch außerhalb des Berufsbildungswerks Erfahrungen sammeln zu können“, sagt Mona Jägle. Die gehörlose 18-Jährige hat im Jahr 2024 das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf an der Schule beim Jakobsweg der Paulinenpflege Winnenden absolviert und ist nun im zweiten Ausbildungsjahr zur Malerin im Berufsbildungswerk (BBW) Winnenden. „Mona ist ein echtes Naturtalent und sehr motiviert. Sie hat ein sehr gutes Farb- und Pinselgefühl. Daher ist es toll, dass sie ein Praktikum in einem Malerbetrieb in Heimatnähe machen kann. Das passt gut“, freut sich ihr Ausbilder Stefan Säckl.
Auf der Baustelle in Freiburg sind Malermeisterin Sarah Josef und Baustellenleiter Thomas Kapp ebenfalls von ihrer Praktikantin angetan: „Sie hat schon in den ersten Tagen gut reingefunden. Und obwohl wir keine Gebärdensprache können, klappt es mit der Verständigung. Wir zeigen Mona, was zu tun ist, und schon läuft das.“ Und während des Praktikums lief sehr viel: Monas Aufgaben gingen von Spachtel- und Schleifarbeiten übers Tapetenentfernen, Tapezieren, Streichen und Vinylbodenverlegen bis hin zum Ausprobieren von kreativen Maltechniken auf Musterplatten.
Diese Kreativität ist genau ihr Ding: „Mona hat auch schon einige Bilder gemalt, die bei uns im BBW hängen – das sind echte kleine Kunstwerke. Sie macht damit unsere Werkstatt schöner und bunter“, sagt Ausbilder Stefan Säckl begeistert. Schon in ihrer Schulzeit in der Schule beim Jakobsweg der Paulinenpflege war sie mit der Malerklasse an vielen kreativen, bunten Projekten beteiligt, die jetzt in ganz Winnenden zu sehen sind. Für ein Projekt gab es den Ulli-Thiel-Friedenspreis, den ihre Klasse mit Lehrer Philipp Volke von Landesbischöfin Heike Springhart in Karlsruhe verliehen bekommen hat.
„Hauptsache, der jeweilige Mensch ist motiviert“
Daher war es Mona Jägle wichtig, dass sie ihre Kreativität auch beim Praktikum in einem Betrieb in unmittelbarer Heimatnähe ausleben konnte. Aufgewachsen ist Mona Jägle auf einem Bauernhof, schon dort ist sie handwerklich gefördert worden: „Mein Papa ist ein Multitalent, der vieles in unserem Haus selbst gemacht hat. Zum Beispiel hat er alles gestrichen und auch den Boden selbst verlegt. Hier habe ich als Kind viel mitgeholfen. Und meine Mama hat mir das Talent zum kreativen Malen mitgegeben.“
Auch in der gesamten Firma, die von der Handwerkskammer Freiburg zum Handwerksunternehmen 2025 ausgezeichnet wurde, ist man sozial engagiert. So haben Firmenchef Dieter Limberger und seine Mitarbeitenden unter anderem einen syrischen Geflüchteten unterstützt, sodass er neben der praktischen auch die theoretische Prüfung trotz Sprachbarriere geschafft hat. „Es tut uns gut, dass wir uns auch für Menschen öffnen, die ihr Päckchen zu tragen haben. Hauptsache, der jeweilige Mensch ist motiviert, dann kriegen wir fast alles hin“, sagt die Malermeisterin Sarah Josef.
Bei dem Talent, das Mona mitbringt, sei sie eine Bereicherung für die Firma, und beim Abschlussgespräch sagt Sarah Josef: „Wir sind sehr zufrieden mit Mona und ihrer Leistung. Für manche Tätigkeiten hat sie nur die Hälfte der Zeit wie andere Azubis gebraucht. Sie darf gerne wiederkommen, wenn sie möchte.“ pm
