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Betreuer trauern um ihren toten Schützling

Der 56-jährige Behinderte, der vermisst wurde, war mit mehr Personal unterwegs als vorgeschrieben

Todesfall - Der 56-jährige Behinderte, der vermisst wurde, war mit mehr Personal unterwegs als vorgeschrieben.

Stuttgart Die Mitarbeiter der Neckartalwerkstätte der Caritas in Hedelfingen sind untröstlich. Sie haben bei einem Ausflug einen Schützling verloren, den 56-jährigen Karl-Heinz. Der Mann, der eine geistige Behinderung hatte, verließ die Gruppe bei einem Einkaufsausflug und wurde zwei Tage lang gesucht. Am Dienstag fand ihn die Polizei dann tot am Bußbach bei Hedelfingen. „Wir sind tief betroffen. Fassungslos und bestürzt nehmen wir Anteil an der Trauer der Angehörigen sowie an der Trauer der Mitarbeitenden und Beschäftigten der Neckartalwerkstätten“, sagte Raphael Graf von Deym, der Direktor der Caritas.

Zum Blumenkauf sollte es gehen. Karl-Heinz habe solche Ausflüge geliebt. Unter einer Voraussetzung: „Wenn man fragte, ob er mitfahren will, war er begeistert. Zu Fuß wäre er nicht mit zum Einkaufen gegangen“, sagt Sabine Reichle, die Pressereferentin der Caritas Stuttgart. „Karl-Heinz konnte klar sagen, was er wollte. Er war nicht dafür bekannt, dass er sich von der Gruppe entfernt“, fügt Reichle hinzu. Eine Betreuung des 56-Jährigen sei bei Ausflügen Vorschrift gewesen.

„Er war nicht allein verkehrstüchtig“, sagt Reichle. Karl-Heinz war im Förder- und Betreuungsbereich untergebracht. Für diesen liege der Betreuungsschlüssel bei 1:3. Zum Baumarkt aufgemacht hatten sich am Montag zwei Betreuer mit Karl-Heinz und noch einem weiteren Mann, der in den Neckartalwerkstätten beschäftigt ist. „Der Schlüssel bei dieser Fahrt lag also deutlich über dem ­gesetzlichen Minimum“, so Reichle.

Dennoch sei Karl-Heinz im Baumarkt verloren gegangen. Wie, das können sich die Mitarbeiter der Betreuungseinrichtung nicht erklären. „Sie haben das schnell gemerkt, den ganzen Markt abgesucht und das Personal eingeschaltet“, schildert Reichle. Als klar war, dass der 56-Jährige nicht mehr im Geschäft war, wurde die Alarmkette ausgelöst: „Die Betreuer haben die Werkstätten und sofort auch die Polizei informiert.“ Gesucht habe Tag und Nacht nicht nur die Polizei. Auch das Personal der Neckartalwerkstätten sei dabei gewesen. Es sei immer jemand beim Betrieb an der Hafenbahnstraße geblieben. Für den Fall, dass er den Weg gefunden hätte, sollte dort die Tür offen sein, ein Licht brennen und ihn jemand in Empfang nehmen.

Karl-Heinz war in den Polizeimeldungen als geistig auf dem Stand eines Zweijährigen beschrieben worden. „Das war nicht ganz zutreffend“, erwidert Reichle. Sein Verhalten sei, wenn man ihn im Baumarkt oder auf der Straße getroffen hätte, „zunächst nicht auffällig“ gewesen. Einfache Gespräche waren möglich. Auf sich allein gestellt wäre er aber nicht zurechtgekommen. Wie er zu der Stelle im Wald, wo er gefunden wurde und die sechs Kilometer vom Baumarkt und gut vier Kilometer von der Einrichtung entfernt war, kam, ist nicht bekannt, da ihn unterwegs laut Polizei niemand bemerkte. Karl-Heinz starb wohl bei einem Sturz in den Bach. Eine Obduktion soll laut der Staatsanwaltschaft nicht erfolgen. Die Polizei werde die Akten des Falles dieser Tage an die Ermittlungsbehörde übergeben. Dann werde geprüft, ob es Ansätze für Ermittlungen gebe.

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Erstellt:
21. März 2019, 03:04 Uhr

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