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Bildungsverbände fordern mehr Tempo bei Digitalisierung

dpa/lsw Stuttgart. Von der Tafel zum Tablet? Die Schulen im Südwesten liegen bei der Digitalisierung Jahre zurück, klagen Bildungsverbände. Sie nutzen die Corona-Krise für einen Schulterschluss - und schlagen Alarm.

Ein Student bearbeitet ein Arbeitsblatt am Computer. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Ein Student bearbeitet ein Arbeitsblatt am Computer. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise kritisieren Bildungsverbände im Südwesten enorme Rückstände der Schulen im Land bei der Digitalisierung. Mit einer gemeinsamen Initiative wollen der Berufsschullehrerverband, die Bildungsgewerkschaft GEW, der Grundschulverband, der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie der Verein für Gemeinschaftsschulen der Landesregierung Druck machen. Das Schulsystem im Land sei weder technisch noch inhaltlich darauf vorbereitet, einen onlinegestützten Fernunterricht anzubieten, kritisieren die Verbände in einem Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Sie fordern etwa eine Grund-Digitalisierung der Schulen im Land bis zu den Sommerferien 2021 und die Einrichtung eines Digitalisierungs-Beirats unter Beteiligung der Verbände. Corona zeige wie unter dem Brennglas, was im Bildungsbereich los sei, kritisierte Matthias Wagner-Uhl vom Verein für Gemeinschaftsschulen. Thomas Speck vom Berufsschullehrerverband forderte für Schulen schnelle Internetverbindungen, eine alltagstaugliche WLAN-Struktur und pädagogische Server. Lehrer und Schüler müssten 1:1 mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz beklagte einen Mangel an Fortbildungen für Lehrer.

Kultusministerin Eisenmann reagierte auf die Kritik und verwies auf eine digitale Bildungsplattform, die man derzeit entwickle. „Eine allumfassende Superlösung in wenigen Wochen, stabil und auf der Basis rechtlicher Vorgaben wie etwa dem Datenschutz zur Verfügung stellen zu können, ist jedoch schlicht unrealistisch.“

Um die Kommunikation in der aktuellen Situation zu erleichtern, stelle man den Schulen ab sofort mit Threema einen sicheren Messengerdienst zur Verfügung. Knapp 1000 Lehrkräfte hätten das freiwillige Angebot bisher abgerufen, teilte das Ministerium mit. Eine Vereinbarung zwischen Lehrkraft und Schülern sowie das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt könne Threema auch ein sehr gutes Hilfsmittel für den Unterricht sein. „Und die einmaligen Kosten von 3,99 Euro sind als Investition in den Schutz der Daten der Kinder zu sehen.“ Außerdem unterstütze das Kultusministerium die Initiative des Bundes, Schülern, die etwa keinen Computer oder Tablet haben, entsprechende Leihgeräte über die Schulen zur Verfügung zu stellen.

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Erstellt:
27. April 2020, 13:12 Uhr

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