Stuttgarter Technologiekonzern

Bosch-Chef Stefan Hartung tritt überraschend zurück – sein Vize übernimmt

Nach viereinhalb Jahren an der Spitze des Weltkonzerns ist Schluss: Stefan Hartung verlässt Bosch. Sein Nachfolger Christian Fischer ist kein Unbekannter im Unternehmen.

Stefan Hartung tritt nach viereinhalb Jahren an der Spitze von Bosch zurück – dabei wurde erst vor Kurzem sein Vertrag bis 2031 verlängert.

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Stefan Hartung tritt nach viereinhalb Jahren an der Spitze von Bosch zurück – dabei wurde erst vor Kurzem sein Vertrag bis 2031 verlängert.

Von Veronika Kanzler und Joachim Dorfs

Stefan Hartung tritt überraschend als Vorsitzender der Geschäftsführung beim Stuttgarter Technologiekonzern Bosch zurück. Hartung „legt zum 30. Juni 2026 auf eigenen Wunsch in enger Abstimmung und im Einvernehmen mit den Gesellschaftern sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder“, teilte Bosch am Freitag mit.

Sein bisheriger Stellvertreter, Christian Fischer, soll bereits am kommenden Mittwoch, 1. Juli, die Führung bei Bosch übernehmen. Auf ihn folgen die beiden Geschäftsführungsmitglieder Markus Forschner und Markus Heyn als Vize-Chefs von Bosch.

Bosch-Chef Hartung widmet sich neuen Aufgaben

Hartung wolle sich künftig neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben außerhalb der Bosch-Gruppe widmen. „Nach über 20 Jahren bei Bosch fiel mir diese Entscheidung nicht leicht“, schrieb Hartung auf der Plattform LinkedIn. Er halte es jetzt für den richtigen Zeitpunkt, vom Amt zurückzutreten, nachdem die langfristige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens weiter gestärkt und wichtige Meilensteine erreicht worden seien.

„Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat bedauern die Entscheidung von Stefan Hartung und danken ihm ausdrücklich für seine großen Verdienste bei der umsichtigen Führung des Unternehmens in einer außergewöhnlich anspruchsvollen Phase“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Bosch, Stefan Asenkerschbaumer.

Bosch steckt in einer Transformationsphase

Die Entscheidung fällt in eine Zeit des tiefgreifenden Wandels bei Bosch. Der weltgrößte Automobilzulieferer kämpft mit der schwachen Nachfrage im Automarkt, wachsendem Preisdruck und einer verschärften Konkurrenz, vor allem aus Asien, in seinem traditionsreichen Kerngeschäft. Auch der hohe Kostendruck am Standort Deutschland sowie die Folgen von Zöllen und Umstrukturierungen machen dem Konzern zu schaffen. Nachdem die Gewinne eingebrochen sind und Ziele verfehlt wurden, kündigte Bosch 2024 an, tausende Stellen zu streichen. Mittlerweile ist klar, dass der Stellenabbau bis 2030 etwa 22.000 Jobs kosten soll.

Hartung positionierte sich dabei als klarer Krisenmanager: Er sprach offen von einem „schwierigen, teils auch schmerzhaften“ Jahr, schloss weitere Anpassungen nicht aus und machte deutlich, dass es „keine Ruhe“ geben werde, solange die Maßnahmen umgesetzt werden. Gleichzeitig setzte er auf eine Doppelstrategie aus Kostensenkung und Investitionen in Zukunftsfelder wie Heizungs- und Klimaanlagengeschäft, Digitalisierung, Automatisierung und KI. Bosch würdigte seine Arbeit: „In sehr anspruchsvoller Zeit hat Hartung unter schwierigen Rahmenbedingungen wichtige Meilensteine für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erreicht.“

Vertrag von Bosch-Chef wurde erst kürzlich verlängert

Der „Stefan“, wie die Boschler den gebürtigen Dortmunder nennen, kam mit seiner hemdsärmeligen Art überwiegend gut bei der Belegschaft an. Jedoch gab es aufgrund der massiven Sparpläne, verschärfter Home-Office-Regelungen und des Jobabbaus auch deutliche Kritik. So wurde ihm unter anderem vorgeworfen, mit den großen Stellenstreichungen soziale Grundwerte von Bosch zu verletzen. „Als Vorsitzender der Geschäftsführung hat er, dem Auftrag unseres Gründers entsprechend, die kraftvolle Weiterentwicklung von Bosch gezielt fortgesetzt“, so Asenkerschbaumer.

Erst Anfang dieses Jahres wurde Hartungs Vertrag verlängert, angeblich bis 2031. Damit wäre der 60-Jährige, der im Januar 2022 zum Bosch-Chef ernannt wurde, neun Jahre im Amt gewesen. Seine Vorgänger Franz Fehrenbach und Volkmar Denner waren nach neun beziehungsweise neuneinhalb Jahren ausgeschieden.

Neuer Bosch-Chef wird Christian Fischer

Nun tritt Stefan Hartung bereits nach viereinhalb Jahren ab. Sein Nachfolger Christian Fischer ist kein Unbekannter im Bosch-Konzern. Er verantwortete bislang die strategischen Wachstumsinitiativen und das Portfolio-Management der Bosch-Gruppe sowie den Unternehmensbereich der Haushaltsgeräte und wurde im Januar 2022 zum Stellvertreter von Stefan Hartung ernannt. Der promovierte Finanzwissenschaftler ist bereits vor 30 Jahren bei der Robert Bosch GmbH eingetreten, als kaufmännischer Trainee im Bereich Controlling.

Der gebürtige Hamburger verließ Bosch 2003 und wurde Partner und Teil der Geschäftsleitung bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Nach weiteren Stationen im In- und Ausland kehrte Fischer 2018 wieder zurück zu Bosch und übernahm die Leitung des Bereichs Energie- und Gebäudetechnik.

Was zeichnet den neuen Bosch Chef aus?

Christian Fischer habe in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er strategisch denkt, unternehmerisch handelt und weitsichtig führt, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende: „An der Seite von Stefan Hartung hat er die strategische Grundausrichtung des Unternehmens mitentwickelt und zentrale Weichen für die Transformation gestellt.“ Er werde die Umsetzung der Strategie konsequent vorantreiben, um das Unternehmen in Zeiten multipler Herausforderungen in seinen Märkten weiter zukunftsfest zu machen, so Asenkerschbaumer.

Stefan Hartung, hier 2025 am IAA-Messestand, studierte in Aachen Maschinenbau mit Fachrichtung Fertigungstechnik. Dort promovierte der gebürtige Dortmunder 1993 dann auch. Nach seiner Zeit bei der Fraunhofer-Gesellschaft und der Unternehmensberatung McKinsey & Company in Düsseldorf kam er 2004 zu Bosch und Siemens Hausgeräte in München.

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Stefan Hartung, hier 2025 am IAA-Messestand, studierte in Aachen Maschinenbau mit Fachrichtung Fertigungstechnik. Dort promovierte der gebürtige Dortmunder 1993 dann auch. Nach seiner Zeit bei der Fraunhofer-Gesellschaft und der Unternehmensberatung McKinsey & Company in Düsseldorf kam er 2004 zu Bosch und Siemens Hausgeräte in München.

Der 60-Jährige, hier noch bei einer Podiumsdiskussion unserer Zeitung im April, bekleidete in der Bosch-Gruppe verschiedene Führungspositionen. Im Januar 2022 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Nun, nach viereinhalb Jahren, ...

© Lichtgut/Julian Rettig

Der 60-Jährige, hier noch bei einer Podiumsdiskussion unserer Zeitung im April, bekleidete in der Bosch-Gruppe verschiedene Führungspositionen. Im Januar 2022 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Nun, nach viereinhalb Jahren, ...

... folgt sein Vize Christian Fischer. Der gebürtige Hamburger studierte an der Universität Hohenheim Wirtschaftswissenschaften. Dort promovierte er 1996 in Financial Economics. Im selben Jahr trat er in die Robert Bosch GmbH ein.

© Bosch

... folgt sein Vize Christian Fischer. Der gebürtige Hamburger studierte an der Universität Hohenheim Wirtschaftswissenschaften. Dort promovierte er 1996 in Financial Economics. Im selben Jahr trat er in die Robert Bosch GmbH ein.

Anschließend war Fischer unter anderem für die Unternehmensberatung Roland Berger tätig. 2018 kehrte er als Geschäftsführer zur Robert Bosch GmbH zurück, Anfang 2022 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung und Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG.

© Bosch

Anschließend war Fischer unter anderem für die Unternehmensberatung Roland Berger tätig. 2018 kehrte er als Geschäftsführer zur Robert Bosch GmbH zurück, Anfang 2022 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung und Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG.

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Erstellt:
26. Juni 2026, 19:56 Uhr

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