Pantisanos schräger Vergleich
CDU = AFD: Warum "Killerphrasen" mundtot machen sollen
Donald Trump ist ein Meister darin, andere – wie der neue Linken-Co-Chef Luigi Pantisano – üben noch: Im Verbalisieren von „Killerphrasen“.
© Michael Bahlo/dpa
In der Tat: Es reicht! Luigi Pantisano, neuer Co-Vorsitzender der Partei Die Linke, bei seiner Antrittsrede während des Bundesparteitages der Linken in die Metropolis Halle.
Von Markus Brauer
Donald Trump ist – wie man weiß – eine rhetorische Killermaschine, so eine Art „Machete Kill’s“ (Titel eines US-Actionfilms aus dem Jahr 2013) der amerikanischen Politik.
Der Sprachschatz des ehemaligen Luxus-Hotelketten-Besitzers und republikanischen Präsidenten mag nicht so umwerfend eloquent sein wie der seiner demokratischen Gegner oder anderer ausländischer Stilblüten-Staatenlenker wie Kanzler Friedrich Merz. Aber die Auswirkungen seiner Worte sind – schon qua Amt – umso gewaltiger. Trump ist bekannt für seine verbalen Kollateralschäden, die nicht selten verbrannte Erde hinterlassen.
Das haben wir schon immer so gemacht!
Doch mal ehrlich: Steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Trump? Wenn uns eine Diskussion ankäst, die Argumente ausgehen oder wir anderen so richtig eins verbal reinwürgen wollen, dann fallen so Sätze wie: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ – „Das ist wieder typisch!“ – „Da kann doch jeder kommen!“
Der amerikanische Autor Charles Hutchison Clark (1920–2009) bezeichnete solche abwertenden, blockierenden und pauschalen Einwürfe als „Killerphrasen“. Sie sind der Tod jeder Konversation, in dem man mittels Argumenten zu einer konstruktiven Lösung gelangen will.
Eine euphemistische Umschreibung für diese Kategorie inhaltsleerer Redensarten ist Totschlagargument. Wobei der tot schlagende Einwurf mit „argumentum“ (lateinisch für begründete Aussage) nicht das Geringste zu tun hat. Der Gegner soll mit brachialen Mitteln mundtot gemacht werden.
AFD = CDU – oder dann doch nicht?
Bedenkenträger, Beharrer und Besserwisser nutzen „Killerphrasen“ mit Vorliebe, um andere zum Abbruch des Disputs zu reizen, die eigene Unfähigkeit zu kaschieren, Veränderungen zu verhindern oder ihr Gegenüber zu kompromittieren.
In die Trumpschen Fußstapfen ist am Wochenende (20./21. Juni) auch Luigi Pantisano getreten. Gleich zu Beginn seiner (mit einem sehr schwachen Wahlergebnis gestarteten) Amtszeit als Co-Chef der Linkspartei hat er gegen eine Regierungshälfte präventiv verbal ausgeteilt.
Der 46-jährige Waiblinger Architekt hatte der Zeitung „Bild“ am Samstag (20. Juni) gesagt, es gebe „gerade gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst“ (der prekäre Satz fällt erst zum Schluss des „Bild“ Interviews mit Pantisano).
Ziel der Linken sei es, „die Faschisten von der Macht fernzuhalten“. In den ARD-„Tagesthemen“ hatte er zudem erklärt: „Für uns ist klar, wir machen keine AfD-Politik, egal mit wem. Und mir bereitet es große Sorgen, dass die CDU immer mehr mit der AfD kumpelt.“
Pantisanos Aschermittwoch
Dass Pantisano jetzt zurückrudert und Asche über sein Haupt streut, macht die Sache nicht besser. Der Ober-Linke entschuldigte sich offiziell für seine Aussagen über eine angeblich „faschistische Politik“ der CDU. „Meine Aussage, es gebe derzeit keinen Unterschied zwischen der Politik der CDU und der AfD, war verkürzt und in dieser Form falsch“, erklärte er. „Dafür bitte ich um Entschuldigung, insbesondere bei denjenigen in der CDU, die immer wieder die Notwendigkeit einer klaren Brandmauer zur AfD betonen.“
Man fragt sich, ob Häuslebauer Pantisano, der am liebsten eine linke Volkspartei errichten will, den Kotau nur deshalb zelebriert, weil er aus der Linkspartei und den anderen Parteien Gegenwind erfahren hat? Oder hat er tatsächlich gemerkt, dass er sich – auf dem Parteitag einmal in Rage geredet – vergaloppiert hat? Jedenfalls waren weder die verbale Faschismus-Entgleisung noch das andienende Sorry souverän.
Warum? Wieso? Weshalb?
„Killerphrasen“ kontert man übrigens am besten mit einer Gegenfrage: Warum? Wieso? Weshalb? Das bringt Störenfriede in der Regel schnell zur Räson. Mit Ausnahme natürlich von Donald Trump. Der ist selbst in der Defensive noch offensiv. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial)
