Die Superstars bitten zum letzten Tanz

Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Manuel Neuer, Luka Modric: Vier Ausnahmefußballer, die ihren Sport geprägt haben, bestreiten derzeit in Nordamerika ihre letzte Weltmeisterschaft.

Von Jochen Klingovsky

Stuttgart - Pelé, Franz Beckenbauer, Diego Maradona, Zinedine Zidane (der brasilianische) Ronaldo: Es gab immer Spieler, die ihre Zeit geprägt haben. Allein dieses Quintett kommt auf acht WM-Titel, plus einen, den Franz Beckenbauer 1990 als Trainer gewann. Der Blick in die Vergangenheit zeigt auch, wie besonders die Gegenwart ist. Denn die WM 2026 wird, egal wer sie am Ende gewinnt, für immer unvergessen bleiben, weil in Nordamerika gleich mehrere Superstars ihre finalen Auftritte auf der ganz großen Bühne haben. Oder anders ausgedrückt: Eine goldene Generation des Fußballs bittet zum letzten Tanz.

Lionel Messi (38) Als der Argentinier gefragt wurde, ob dies seine letzte WM werden würde, antwortete er: „Ja, ganz sicher!“ Das war vor vier Jahren, kurz vor Beginn des Turniers in Katar. Der Rest ist Geschichte: Lionel Messi führte sein Team zum Titel – und machte doch weiter. Auf die WM 2026 bereitete er sich intensiv mit einem Personal Trainer und täglichen Zusatzeinheiten vor, der Start war höchst beeindruckend. Beim 3:0-Sieg gegen Algerien erzielte Messi alle drei Tore. Der Mann, der je achtmal Fifa-Weltfußballer und Gewinner des Ballon d’Or war und nach Meinung vieler Experten der beste Spieler ist, den es je gab, geht in Nordamerika auf Rekordjagd: Derzeit liegt er bei den erzielten WM-Toren (16) und WM-Siegen (17) gleichauf mit dem früheren deutschen Stürmer Miroslav Klose, beide Bestmarken wird er bei seiner sechsten (!) WM ziemlich sicher übertreffen – vielleicht ja schon an diesem Montag (19 Uhr) in Dallas in der zweiten Partie der Gruppenphase gegen Österreich. „Für mich ist es eine Ehre, neben Miroslav Klose zu stehen“, sagte Lionel Messi nach seinem Dreierpack. Anschließend beantwortete der Fußball-Messias nach seinem 200. Länderspiel die Frage, was er von dieser WM denn noch erwarte, voller Demut: „Ich kann nichts mehr verlangen, Gott hat mir schon zu viel gegeben.“

Cristiano Ronaldo (41) Als der portugiesische Superstar 2006 in Deutschland seine erste WM absolvierte, waren viele seiner heutigen Teamkollegen noch nicht mal in der Schule. „Wir sind damit aufgewachsen, ihn Tore schießen zu sehen“, sagt Mittelfeldmann Bruno Fernandes, „für uns ist es eine große Ehre, mit ihm in einer Mannschaft zu sein.“ Auch wenn Ronaldo gar nicht richtig mitspielt. Beim 1:1-Remis zum Auftakt gegen die DR Kongo kam der Stürmer auf gerade mal 25 Ballkontakte und wirkte wie ein egoistischer Fremdkörper, der nur ein persönliches Ziel hat: Als erster Spieler der WM-Historie bei sechs Turnieren einen Treffer zu erzielen. Nur Roberto Martinez, der Trainer Portugals, konnte (oder wollte) die Kritik an dem fünfmaligen Weltfußballer nicht verstehen. „Er muss sich am Fünfmeterraum aufhalten und die anderen müssen ihm den Ball zuspielen“, erläuterte der Coach seine Taktik, in der eine Auswechslung von Ronaldo keine Option darstellt. „Es ist nicht sinnvoll, den besten Torschützen der Welt in einem Spiel herunterzunehmen, in dem man Tore braucht.“ So sieht es auch Cristiano Ronaldo. Nach seinem torlosen 229. Länderspiel, in dem er ziemlich alt ausgesehen hatte, sagte der 41-Jährige: „Das Ende ist noch nicht nah.“

Manuel Neuer (40) Jetzt ist Manuel Neuer auch statistisch die Nummer eins. Kein Torwart hat mehr WM-Spiele bestritten als der Keeper vom FC Bayern (21). Ein anderer Wert dürfte den ehrgeizigen Neuer allerdings viel mehr beschäftigen: Er hat gegen Curaçao und die Elfenbeinküste jeweils einen Gegentreffer kassiert und nur einen Ball gehalten. Oder anders ausgedrückt: Der Mann, um dessen Comeback es wochenlang kontroverse Diskussionen gegeben hat, ist im Spiel der DFB-Elf noch kein Faktor.

Das kann sich im Fußball indes schnell ändern – und an einem Fakt gibt es ohnehin keine Zweifel: Manuel Neuer gehört zu den besten Torhütern der Geschichte. Das belegen nicht nur die zahlreichen persönlichen Auszeichnungen für den Weltmeister von 2014, sondern auch die Einschätzungen von Kollegen. „Für mich“, sagte zum Beispiel Mats Hummels, ebenfalls ein Weltmeister von 2014, „steht er in der Historie über allen anderen.“ Weshalb sich nur noch eine Frage stellt: Ist die WM 2026 tatsächlich das letzte große Turnier von Manuel Neuer? „Für mich steht das fest“, sagte der Torwart in den USA, „im Prinzip.“ Für alle jungen Torwarte in Deutschland muss sich das anhören wie eine Drohung.

Luka Modric (40) Dass die Zeit selbst an Luka Modric nicht spurlos vorbeigeht, bewies eine Szene im ersten WM-Spiel der Kroaten. Der Kapitän verursachte gegen England auch deshalb einen Elfmeter, weil er nicht handlungsschnell genug war. Zugleich bewies er in seinem 199. Länderspiel, als sein Team in der ersten Hälfte zweimal einen Rückstand egalisierte, wie wertvoll er immer noch für die Kroaten ist – auch wenn seine Kraft nicht mehr für 90 Minuten reicht. 2018 war das anders.

Damals führte Modric, der mit Real Madrid sechsmal die Champions League gewonnen hat, die Kroaten ins Finale und wurde als bester Spieler der WM in Russland ausgezeichnet. In diesem Jahr wurde er auch zum Weltfußballer gewählt. 2022 belegten die Kroaten in Katar, erneut angeführt von ihrem Regisseur, Rang drei – schon damals wurde er als „ewiger Modric“ gefeiert. Doch das ist Vergangenheit. Aktuell geht es darum, gegen Panama (Mittwoch, 1 Uhr) und Ghana (Samstag, 23 Uhr) die K.-o.-Runde zu erreichen. Luka Modric ist guter Dinge, und er setzt dabei auch auf seine Erfahrung. „Es wird“, sagte er nach der Niederlage gegen England, „schon bald besser laufen.“

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Erstellt:
21. Juni 2026, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
21. Juni 2026, 23:58 Uhr

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