Dzeko und Co. schreiben Geschichte
Bosnien-Herzegowina um VfB-Star Ermedin Demirovic steht erstmals in der K.-o.-Runde. Die Presse feiert ihre Helden – und Brasilien.
Von Franziska BREININGER
Seattle - Als die Nachricht von historischer Tragweite die Helden um Edin Dzeko und VfB-Angreifer Ermedin Demirovic erreichte, überschlugen sich in der Heimat längst die Schlagzeilen. In Bosnien und Herzegowina werde „Samba getanzt“, titelten die Medien euphorisch mitten in einer Nacht, an die sich jeder Fan „noch lange erinnern“ werde. Mit dem Einzug in die K.-o.-Phase einer Weltmeisterschaft hat Bosnien Geschichte geschrieben – und eine ganze Fußball-Nation wusste, wer an diesem denkwürdigen Ereignis seinen Anteil hatte.
„Danke, Brasilien“, schrieb das Portal „SCSport“ über ein riesiges Foto von Vinicius Junior. Denn mit seinem Doppelpack beim 3:0 (2:0) der Seleção gegen Schottland ließ der Superstar von Real Madrid nicht nur die Südamerikaner über das Ticket für das Sechzehntelfinale jubeln, sondern ganz Bosnien gleich mit.
Nach der Niederlage der Schotten gehört die Mannschaft um den Schalke-Torjäger Dzeko mit vier Punkten und einer Tordifferenz von -1 nach Abschluss der Gruppenphase schon jetzt sicher zu den besten acht Drittplatzierten. Im Sechzehntelfinale könnte Bosnien nun sogar auf Deutschland treffen. In einem Turnierbaum mit schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten scheint derzeit aber ein Duell mit den USA am wahrscheinlichsten zu sein.
So oder so geht für Dzeko, Demirovic und ihre Mitspieler ein Traum in Erfüllung. Kerim Alajbegovic (29.), Dzeko, der das Eigentor von Sultan Al-Brake (34.) erzwang, und Ermin Mahmic (80.) hatten die Bosnier in der Gruppe B beim 3:1 (2:1) gegen Katar auf Kurs gebracht. „Wir sind hier als komplette Underdogs hergekommen, die versuchen, etwas Großes zu erreichen. Und das wird nun wahr“, betonte Trainer Sergej Barbarez direkt nach dem Abpfiff – als hätte er geahnt, was nur drei Stunden später passieren würde. Besonders die junge Generation macht dem Nationaltrainer Hoffnung für die Zukunft. Der erst 18 Jahre alte Alajbegovic leitete den Erfolg gegen Katar mit einem Traumtor ein, auch der 21-jährige Mahmic traf. „Wir haben viele junge Spieler. Ich bin davon überzeugt, dass sie erst begonnen haben und die nächste WM ihre wahre WM wird“, sagte Barbarez über den Bald-Leverkusener Alajbegovic und die weiteren Talente im Kader. Zugleich setzt Bosnien bei diesem Turnier weiter auf die Erfahrung von Dzeko. „Er zieht den Fokus des Gegners auf sich. Wir verlassen uns auf ihn bei dieser WM“, betonte der Coach.
„In Bosnien und Herzegowina wird Samba getanzt“, verkündete das Portal „SportSport“ nach dem „Coup aus Miami“, wo die Brasilianer Schützenhilfe leisteten. Von einem „Riesenerfolg“ schrieb die Zeitung „Dnevni avaz“, und die Website „Sportske“ feierte, dass Bosnien nun zu „den Besten der Welt“ gehöre. Bei der ersten Teilnahme an einer Endrunde war 2014 für das bosnische Team um Dzeko noch nach der Gruppenphase Schluss gewesen. Zwölf Jahre später schreibt der 40-Jährige das nächste und wahrscheinlich letzte Kapitel seiner ganz persönlichen WM-Geschichte. Eines, das noch nicht abgeschlossen ist.
