Editha Humburg wird 102: Die Lebensfreude spürt sie jeden Tag

Die Autorin und Illustratorin Editha Humburg feiert ihren 102. Geburtstag im Alexander-Stift Allmersbach. Mit dem täglichen Gebet, mit Spaziergängen und Schachspielen hält die humorvolle Seniorin ihren Geist fit.

Mit dem Leben auf dem Land hat sich Editha Humburg gut arrangiert. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Mit dem Leben auf dem Land hat sich Editha Humburg gut arrangiert. Foto: Alexander Becher

Von Uta Rohrmann

Allmersbach im Tal. Was hat das Leben jenseits der 100 – sollte man denn so weit kommen – noch Neues zu bieten? Editha Humburg hat diese Erwartung anlässlich ihres 100. Geburtstags vor zwei Jahren ausgesprochen (wir berichteten). „Ich erwarte immer noch was Neues“, hatte sie gesagt. Tatsächlich empfängt die gepflegte, stilvoll gekleidete Dame („Warum sollte ich mich hässlich machen?“) Besucher auch kurz vor ihrem 102. Wiegenfest in alter Frische und mit Humor. Was also lässt sich Neues berichten aus dem Zimmer im Untergeschoss des Alexander-Stifts in Allmersbach? Nichts Umwerfendes, wie die Jubilarin einräumt. Und doch: jeder neue Morgen. „Ich gehe fast jeden Tag spazieren, hier den Berg rauf. Sehr oft habe ich das Glück, dass sich gerade die Sonne zeigt, wenn ich oben bin. Jeder Morgen ist neu gefüllt mit Schönem. Ich nehme sehr viel wahr, Gänseblümchen, Bienen, ein neuer Sonnenstrahl. Ich empfinde mein Leben als reich. Obwohl ich sehr zu kämpfen hatte, das Leben hier in Allmersbach anzunehmen“, erzählt die Künstlerin und gelernte Gärtnerin.

Von der Stadt raus aufs Land

Nach rund 70 Jahren in Stuttgart-Degerloch entschied sich Editha Humburg für ein Leben im Naturschutzgebiet auf der Schwäbischen Alb. Oberhalb von Ochsenwang mietete sie sich Ende 2016 in einem Hotelzimmer ein, tauschte 180 Quadratmeter in der Stadt gegen 16 Quadratmeter Wohnfläche in der Natur ein. „Ich hatte einen Riesenbalkon, konnte weit ins Land blicken, auf die drei Kaiserberge, fühlte mich frei. Eigentlich wollte ich da nicht mehr fort“, erzählt die dreifache Mutter, zehnfache Großmutter und siebenfache Urgroßmutter. Dennoch gestand sie sich irgendwann ein, dass alleine zu leben im hochbetagten Alter nicht mehr realistisch war.

Mit 99 sah sie sich das Zimmer im Alexander-Stift Allmersbach an, ganz in der Nähe ihrer Enkelin Silke Kriese, die mit ihrem Mann im ehemaligen Löwen in Cottenweiler lebt, wo sie das künstlerische Anliegen ihrer Großmutter weiterführt. „Gefällt es Ihnen? Nehmen Sie das Zimmer? Dann bleiben Sie gleich hier!“, habe ihr die Leiterin angeboten. Und ja, Editha Humburg stürzte sich ins nächste Abenteuer und zog sofort ein. „Spontane, unvorhergesehene Dinge haben auch bisher mein Leben ausgemacht“, sagt die frühere Ausdrucks- und Eistänzerin.

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Erst gefiel ihr „das Nest“ nicht. Dann beschloss sie, Allmersbach mit anderen Augen zu sehen. „Ich sage, das ist ein Kurort – idyllisches Flair mit Fachwerkhäusern, einem Musikpavillon und einer Bäckerei mit einem ganz verrückten Leuchter, knallbunt, so hemmungslos unerlaubt kitschig. Er verbreitet Stimmung, die Botschaft: Ihr müsst euch nicht bedrücken lassen, das Leben ist lustig“, sagt die Autorin von Theaterstücken mit Humor und Tiefgang. „Es kommt darauf an, was du aus einer Situation machst. Wie du reagierst. Es sind schließlich meine Gedanken, die in meinem Hirn entstehen. Für die bin ich verantwortlich“, so die Lebenserfahrung von Editha Humburg, die keine glückliche Ehe führte und eine Depression durchlebte. Das gelte auch im Umgang mit Menschen. „Ich kann sagen, die sind alle blöd, oder ich kann auf unterschiedliche Menschen zugehen und Fragen stellen: ‚Wo kommen Sie hier?‘ ‚Wie finden Sie das hier?‘ ‚Das finde ich eigenartig. Wie kommen Sie auf diesen Gedanken?‘“, so die 102-Jährige, die ihren Geburtstag mit ihren drei Kindern und deren Partnern in ihrem neuen Zuhause feiert.

Regelmäßig wird Schach gespielt

„Wenn ich bereit bin, umzudenken, erlebe ich Neues. Ich merke: Aha, das läuft nicht so. Dann läuft es eben anders“, sagt die christliche Künstlerin, die mit ihren Alltagsgeschichten auch Lebenshilfe geben möchte. Ideen hat sie noch einige, aber Zeit und Kraft sind begrenzt. „Ich bin viel erschöpft und gestehe mir ein, dass mir oft alles zu viel ist“, so die hochbetagte Dame. Immer wieder beobachte sie Eltern, wie sie mit ihrem Handy beschäftigt seien, anstatt ihren kleinen Kindern Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei sei Blickkontakt so wichtig: „Wenn ich könnte, würde ich noch gerne ein Heftchen herausgeben für Mütter, über die Chancen, mit ihren Babys zu kommunizieren.“

Geistig fit hält sich Editha Humburg auch mit Schachspiel – gegen ihren Schwiegerenkel Jörg Kriese oder Peter, einen Hausfreund, mit dem sie sich fast täglich für eine halbe Stunde zum Austausch und Gebet treffe. Das Wichtigste? „Freude!“, sagt Humburg. „Gott hat die Welt zu seiner und unserer Freude geschaffen“, ist sie überzeugt. Jeden Morgen sagt sie sich ihren Lieblingsbibelvers vor: „Freut euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freut euch!“ Licht und Freude kämen von Gott. Ihrem Tod sieht die Jubilarin daher als nach Hause kommen entgegen. Im Moment sehe es aber noch nicht danach aus: „Dann bleibe ich halt noch hier“, sagt die Frau mit dem charmanten Lächeln.

Geschichten Bücher, Hörspiel-CDs und Postkarten mit Editha Humburgs Illustrationen und Sprüchen sind erhältlich. Mehr Infos unter www.editha-geschichten.de.

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Erstellt:
18. Juni 2025, 06:00 Uhr

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