Hamburg
Experte nach mutmaßlicher Wolfsattacke: Tier wohl in Panik
Erstmals seit 1998 soll ein Wolf in Deutschland einen Menschen gebissen haben. Ist der Fall zu vergleichen mit der Situation in Baden-Württemberg?
© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra
In Hamburg-Altona war am Montagabend in einer belebten Einkaufsstraße eine Frau mutmaßlich von einem Wolf gebissen worden. (Symbolbild)
Von red/dpa
Die mutmaßliche Wolfsattacke mitten in Hamburg ist aus Sicht des Wildtierexperten Raoul Schwarze nicht zu vergleichen mit der Situation der vier sesshaften Wölfe in Baden-Württemberg. „Hätte der Wolf einen Spaziergänger auf der Hornisgrinde angefallen, würde ich mir mehr Sorgen machen“, sagte Schwarze, Projektleiter des Alternativen Wolf- und Bärenparks Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schappach.
Allem Anschein nach sei das Tier in Panik geraten. „Und es verteidigt sich, wenn sich Menschen ihm in einer solchen Lage zu sehr nähern. Das ist ein normaler Instinkt.“
Wichtig sei nun, den Weg des Wolfs aus seinem Rudel an die Alster zu verfolgen. „Es gilt jetzt herauszufinden, wie er nach Hamburg gelangen konnte, warum er die Nähe zu Menschen gesucht hat und warum nach früheren Sichtungen nicht schon eingegriffen wurde“, sagte Schwarze. „Wir brauchen für solche Lagen einfach ein besseres Wolfsmanagement, das solche Fälle auch ernst nimmt.“
Erster Angriff seit Wiederansiedlung des Wolfs
In Hamburg-Altona war am Montagabend in einer belebten Einkaufsstraße eine Frau mutmaßlich von einem Wolf gebissen worden. Damit wurde in Deutschland nach Behördenangaben erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen, seit sich dieser wieder in Deutschland ausgebreitet hat. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur.
Mittlerweile viele Wölfe in Deutschland
Der Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung, Klaus Hackländer, hält es nach den derzeitigen Informationen für realistisch, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelte. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben.“
Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück. Heute streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer. In Baden-Württemberg sind vier Exemplare sesshaft.
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