Hauptversammlung Porsche AG
Fonds-Manager sieht einen „Scherbenhaufen“, aber glaubt an neuen Porsche-Chef
Ingo Speich von der Deka Investment kritisiert den Stuttgarter Sportwagenhersteller scharf. Gleichzeitig sieht er auch Lichtblicke und setzt auf den neuen CEO Michael Leiters.
© Porsche AG, Imago/Funke Foto Services
Ingo Speich von der Deka Investment spricht auf der Porsche Hauptversammlung für die Aktionäre der Sparkassen.
Von Veronika Kanzler
„Wir Aktionäre blicken heute auf Porsche und sehen einen Scherbenhaufen" – mit dieser drastischen Kritik geht Ingo Speich von der Deka Investment in die virtuelle Porsche-Hauptversammlung am Dienstag, 23. Juni. In seiner Rede, die unserer Zeitung vorab vorliegt, sieht der Fonds-Manager für die Sparkassen trotz der üblichen Schärfe auch Hoffnungsschimmer: mit dem Porsche 911 und dem CEO Michael Leiters.
Die Porsche-Aktie habe sich seit dem Börsengang im Herbst 2022 dramatisch entwickelt: 55 Prozentpunkte schlechter als der Branchenindex Stoxx, 144 Prozentpunkte schlechter als der Dax. Dies sei kein Zufall, so Speich, „sondern das Resultat klar verfehlter Zielsetzungen, unzureichender Steuerung und einer Governance, die zu lange nicht eingegriffen hat."
In China ist der Absatz von Porsche eingebrochen
Damit zielt Speich auch auf die Doppelbelastung des früheren Porsche-Chefs Oliver Blume ab, der bis Ende 2025 sowohl den Sportwagenhersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen führte als auch die Hauptmarke Volkswagen. Dies hatte nach Ansicht von Speich „vorhersehbare Folgen für Fokus, Geschwindigkeit und Entscheidungsqualität“.
Drei Kernziele, die Porsche zum Börsenstart „als wachstumsstarkes, hochprofitables Luxusunternehmen positionieren sollten“, seien nicht nur verfehlt, sondern hätten sich deutlich ins Gegenteil verkehrt. Dazu zählt Speich das Wachstum der Porsche AG, vor allem auf dem so wichtigen chinesischen Markt. 2022 verkaufte Porsche dort noch 93.286 Autos, im Geschäftsjahr 2025 waren es noch 41.938.
Auch die Profitabilität nahm eine Kehrtwende: Stellte der frühere CEO noch eine operative Gewinnmarge jenseits der 20 Prozent in Aussicht, lag diese im ersten Quartal dieses Jahres bei 7,1 Prozent. Selbst, so Speich, wenn man den Betrag um Zölle und Einmaleffekte bereinigen würde, läge die Marge bei etwa 11 Prozent.
Außerdem steht der Strategieschwenk bei der E-Mobilität im Fokus. Bis 2030 sollten 80 Prozent aller verkauften Fahrzeuge elektrisch sein – ein Ziel, das der damalige Porsche-Chef Oliver Blume vergangenes Jahr wieder einkassierte. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der E-Anteil bei nur 26 Prozent. Und erst kürzlich stellte der neue CEO Michael Leiters klar: Die Sportwagen-Ikone 911 werde es nicht als reines E-Auto geben.
Fonds-Manager: „Herr Leiters, Sie sind der richtige Mann“
Speich zeigt zwar Verständnis für den Rückzug von den Elektro-Zielen; die Nachfrage sei schwächer als erwartet, E-Autos weniger profitabel. Doch er warnt: „Wenn Porsche auf absehbare Zeit keine ausreichenden Skaleneffekte im Elektrobereich erzielt, droht ein struktureller Wettbewerbsnachteil", sollte sich der Markt in den kommenden Jahren Richtung E-Mobilität verschieben.
Doch Speich sieht auch Hoffnungsschimmer: Der neue CEO Leiters sei „der richtige Mann" für die Sanierung. „Die Marke Porsche ist intakt“ und verfüge über eine enorme Stahlkraft. Und die Verkaufszahlen des 911er seien so gut wie seit 2010 nicht mehr – und das ohne Rabattschlachten.
Am Ende verdichte sich alles auf eine „einfache aber zentrale Frage: Was soll Porsche sein? Ein Volumenhersteller – oder ein echtes Luxusgüterunternehmen? Masse oder Klasse?" Beides zusammen werde auf Dauer nicht funktionieren, der Kapitalmarkt brauche klare Antworten.
Porsche plant mit niedrigeren Kapazitäten
Leiters hat bereits erste Weichen gestellt: „Wir planen für die Zukunft mit niedrigeren Kapazitäten", sagte er der „FAZ". Porsche müsse auch mit weniger Autos Geld verdienen. Das dürfte den Fonds-Manager freuen. Weniger Volumen dafür höhere Exklusivität und höhere Preise seien aus Sicht der Deka Investment richtig – und sollten konsequent umgesetzt werden. Die umfassende strategische Ausrichtung der Porsche AG, die „Strategie 2035", will der CEO im Oktober am Kapitalmarkttag präsentieren.
Obwohl Speichs Kritik scharf ist, bleibt sie symbolisch – die Deka hat, wie alle anderen Fonds-Manager und Kleinaktionäre, kein Stimmrecht. Eine Besonderheit bei Porsche: Alle Stammaktien mit Stimmrecht liegen bei der Volkswagen AG und der Porsche SE. Die 455,5 Millionen an der Börse gehandelten Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht – erhalten dafür aber eine minimal höhere Dividende (1,01 statt 1 Euro).
