WM in Mexiko

Fußballer besorgt wegen „kriegsähnlicher Zustände“

Die Sicherheitslage im WM-Land Mexiko besorgt Fußballverbände. Ob es während des Wettbewerbs ruhig bleibt, entscheiden die kriminellen Kartelle.

Soldat im Bundesstaat   Michoacán, wo „El Mencho“ getötet wurde

© dpa/Armando Solis

Soldat im Bundesstaat Michoacán, wo „El Mencho“ getötet wurde

Von Klaus Ehringfeld

Der portugiesische Fußballverband FPF sandte am Dienstag (Ortszeit) eine besorgte Depesche nach Mexiko-Stadt. Darin äußerten die Funktionäre ihre Bedenken angesichts der Sicherheitslage in Mexiko und stellten die Teilnahme Portugals am geplanten Freundschaftsspiel Ende März in Mexiko-Stadt in Frage. „Die jüngsten Entwicklungen erforderten eine fortlaufende Bewertung der Reisebedingungen für die FPF-Delegation“, hieß es in dem Schreiben.

Fifa besorgt

Mit Blick auf die bürgerkriegsähnlichen Zustände vom vergangenen Sonntag in vielen Städten Mexikos sorgt sich Portugal um die Sicherheit seiner Stars. An dem Tag hatten die Kämpfer und Killer des mächtigen CJNG-Kartells Chaos und Gewalt vor allem im Bundesstaat Jalisco rund um den WM-Austragungsort Guadalajara gesät, nachdem ihr Anführer Nemesio Oseguera, alias „El Mencho“ von staatlichen Sicherheitskräften getötet worden war.

Vier Monate vor dem geplanten Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 11. Juni ist auch die Fifa besorgt, auch wenn Präsident Gianni Infantino „volles Vertrauen“ in Mexiko hat, wie er am Dienstag erklärte. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hofft auf ein Ende der „kriegsähnlichen Situation“ und die Verbände der Länder, die ihre Interkontinental-Playoffs Ende März in Guadalajara und Monterrey austragen sollen, melden Bedenken an. Eine Absage der zwischen dem 27. März und 1. April geplanten Ausscheidungsspiele wäre für Mexiko ein Desaster.

Dementsprechend versucht Präsidentin Claudia Sheinbaum Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. „Es besteht kein Risiko“, betonte sie am Dienstag und versicherte, dass alle Voraussetzungen für einen sicheren Ablauf des Turniers für die Besucher gegeben seien. Insgesamt sollen 13 WM-Begegnungen in Mexiko ausgetragen werden. Es gebe „alle Garantien“ dafür, dass die Weltmeisterschaft stattfinden werde, behauptete Sheinbaum, die Regierung habe die Lage unter Kontrolle.

Aber gerade daran bestehen ernsthafte Zweifel. Die mexikanischen Großkartelle verfügen nahezu über armeeähnliche Mitgliederstärken, haben Waffen wie aus einem Kriegsarsenal und sie sind bis tief ins Land und in die Bevölkerung vernetzt. Ihre langen Arme reichen in jeden Winkel und bis vor jedes Stadiontor der Republik. Das gilt gerade für das „Kartell Jalisco Nueva Generación“ (CJNG), das aus dem Bundesstaat Jalisco stammt, dessen Hauptstadt die Sechs-Millionen-Metropole Guadalajara ist.

Land in Panik

Ob es vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft ruhig bleibt, entscheiden die Kartelle. Wie die Syndikate in Windeseile das Land in Panik versetzen können, dafür war der vergangene Sonntag ein furchterregendes Beispiel. Insgesamt 72 Tote, brennende Busse, Autos und Supermärkte, 252 Straßenblockaden in 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten und hochgerüstete Pistoleros der Kartelle auf den Straßen. Die Folge waren geschlossene Flughäfen, abgesagter Präsenzunterricht in den Schulen, geschlossene Banken und Behörden. Den ganzen Montag schienen Teile Mexikos wie schockgefroren, was aber nicht an den ungewöhnlich niedrigen Temperaturen im Land um den Gefrierpunkt lag.

Dementsprechend haben Regierung und Sicherheitskräfte für das Turnier ein Konzept aufgelegt, als gelte es, den Papst oder wichtige Präsidenten zu schützen. 50 000 Polizisten und Nationalgardisten werden in den Austragungsorten und vor den Spielstätten eingesetzt. Gepanzerte Fahrzeuge patrouillieren, Pick-Ups mit einem halben Dutzend schwerbewaffneter Sicherheitskräfte fahren regelmäßig durch die Straßen. Mannschaften werden vom Militär zu den Spielstätten eskortiert. Das globale Fußballfest gleicht zumindest in Mexiko dann einer Veranstaltung unter Bürgerkriegsbedingungen.

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Erstellt:
25. Februar 2026, 17:42 Uhr

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