Gendergerechte Sprache an Hochschulen auf dem Vormarsch

dpa/lsw Stuttgart. Sprache ist Ausdruck von Herrschaftsverhältnissen. Frauen an Hochschulen wollen dafür ein Bewusstsein schaffen. Mittels geschlechtsneutraler Schreib- und Sprechweisen sollen herkömmliche Stereotype aufgebrochen werden. Das sorgt auch für Kopfschütteln.

Auf einem Bildschirm ist das Wort „Schüler*innen“ zu sehen. Foto: Gregor Bauernfeind/dpa/Symbolbild

Auf einem Bildschirm ist das Wort „Schüler*innen“ zu sehen. Foto: Gregor Bauernfeind/dpa/Symbolbild

An den Hochschulen im Land soll eine geschlechtergerechte Sprache Einzug halten. Dazu hat die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an den wissenschaftlichen Hochschulen Leitlinien verabschiedet. „Sprache erzeugt Bilder im Kopf, und wir wollen diese Bilder so divers wie möglich halten, damit unsere Handlungen dieser Vielfalt gerecht werden“, sagte die Sprecherin der Landeskonferenz, Birgid Langer, der Deutschen Presse-Agentur. Die Hochschulen sollen sich in ihrer internen und externen Kommunikation an den kürzlich verabschiedeten Empfehlungen orientieren. Für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die Studierenden sind die Vorschläge nicht verpflichtend.

CDU-Landtagsfraktionschef Manuel Hagel sieht das Vorhaben skeptisch. Die AfD sprach von „Gender Gaga“. Ihr Hochschulexperte im Landtag, Bernd Grimmer, forderte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) auf, die aus seiner Sicht irrationalen, absurden und wissenschaftsfeindlichen Leitlinien zu stoppen .

Dem Anliegen erteilte die Ressort-Chefin eine deutliche Absage. „Wissenschaft und Forschung leben von Vielfalt - der Vielfalt von Perspektiven, Ideen und Lösungsansätzen wie auch der Vielfalt der Menschen, die sie betreiben“, betonte Bauer. Diese Vielfalt komme in der Verwendung einer gleichberechtigten, inklusiven und wertschätzenden Sprache zum Ausdruck.

CDU-Mann Hagel hält Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern für ein wichtiges Anliegen. „Ich glaube aber nicht, dass der systematische Umbau unserer gewachsenen Sprache mit typographischen Sonderzeichen und entgegen unseres natürlichen Sprachgefühls hier einen sinnvollen Beitrag zur Sensibilisierung leisten kann.“ Es drohe dadurch Spaltung und Polarisierung. Es dürfe keine Art „Elitensprache“ entstehen. Behörden und Hochschulen sollten sich in erster Linie nach dem Amtlichen Regelwerk für die deutsche Orthografie richten.

In den Leitlinien für geschlechtergerechte Sprache gibt es je nach Kontext verschiedene Möglichkeiten. Unter der Überschrift „geschlechtsneutrale Formulierungen“ wirbt die Landeskonferenz unter anderem für die Verwendung des Passivs, um ein männliches Subjekt zu vermeiden. So könnte der Satz: „Der Antragsteller muss das Formular vollständig ausfüllen“ auch geschlechtsneutral ausgedrückt werden: „Das Formular ist vollständig auszufüllen.“ Die Substantivierung von Partizipien oder Adjektiven ist eine weitere Lösung, die schon oft verwendet wird, etwa bei den Bezeichnungen Studierende, Lehrende oder Promovierende.

Umschreibungen und Ableitungen auf -ung, -ium, -kraft, -schaft ermöglichen geschlechtsneutrale Formulierungen wie Lehrkräfte statt Lehrer und Kundschaft statt Kunde.

Beim Thema typographische Sonderzeichen legen die Gleichstellungsbeauftragten den Hochschulen drei Alternativen ans Herz: Gendersternchen wie in Kolleg*in oder Lehrer*innen; Doppelpunkt wie in Professor:innen, Unterstrich wie in Einwohner_innen. Diese Sonderzeichen sollen beim Schreiben alle Geschlechter erfassen. In der gesprochenen Sprache kann dieser Effekt durch eine Pause im Wort erzielt werden.

Vom Querstrich a la Kolleg/in oder vom Binnen-I wie in KollegInnen halten die Gleichstellungsbeauftragten nichts. Ein Dorn im Auge ist ihnen das „generische Maskulinum“, wenn also Wörter wie „Bürger“ grammatisch männlich sind, aber Menschen jeden biologischen Geschlechts bezeichnen sollen. Kritiker halten es für unnötig, daran etwas zu ändern, denn Frauen seien mitgemeint.

© dpa-infocom, dpa:211108-99-907854/3

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Erstellt:
8. November 2021, 05:17 Uhr

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