Geplante Datenbank über Strom- und Gaskunden löst Kritik aus

dpa Berlin. Regelmäßig den Vertrag wechseln und stets das günstigste Angebot suchen - „Bonushopper“ könnten manchem Energieversorger ein Dorn im Auge sein. Nutzen sie Kundendaten von Auskunfteien, um unliebsame Kunden abzulehnen?

Eine geplante Datenbank über Strom- und Gaskunden löst bei Verbraucherschützern Kritik aus. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Eine geplante Datenbank über Strom- und Gaskunden löst bei Verbraucherschützern Kritik aus. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Wollen Energieversorger Kunden ausbremsen, die häufig ihren Vertrag kündigen, um zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln? Pläne von Wirtschaftsauskunfteien für Datenbanken über Strom- und Gasverbraucher haben solche Befürchtungen ausgelöst.

„Der Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt lebt vom Wechsel des Anbieters. Wir sehen es kritisch, wenn versucht wird, den Wechsel von Kunden zu erschweren“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur am Dienstag.

Der NDR und die „Süddeutsche Zeitung“ hatten berichtet, die Auskunfteien Schufa und Crifbürgel entwickelten Datenbanken, in denen offenbar branchenweit Vertragsdaten möglichst vieler Kunden gespeichert werden sollten. Ein Schufa-Sprecher betonte, der noch nicht zur Marktreife entwickelte Datenpool habe nicht das Ziel, „Vielwechsler zu identifizieren, um diese an der Möglichkeit des Wechsels ihres Energieversorgers zu hindern“. Crifbürgel teilte mit, man biete derzeit keinen Datenpool für Energieversorger an.

Verbraucherschützer befürchten, die Energieunternehmen könnten die Datenbanken nutzen, um Kunden abzulehnen, die häufig den Lieferanten wechselten. Schon jetzt gebe es immer wieder Beschwerden von Verbrauchern, die von Schwierigkeiten beim Wechsel des Anbieters berichteten. Ihnen werde so ein Wechsel- oder Neuvertragsbonus verweigert. Wie viele wechselwillige Verbraucher von einem Versorger keinen Vertrag erhalten, ist nicht bekannt. Die Unternehmen müssen für eine Ablehnung auch keine Gründe nennen.

Seit der Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes vor mehr als 20 Jahren können die Kunden ihren Lieferanten frei auswählen. Beim Strom kann sich jeder Haushalt im Durchschnitt zwischen mehr als 100 Anbietern entscheiden. Doch das tun längst nicht alle Haushalte. Nach Angaben der Bundesnetzagentur bezogen 2018 noch gut zwei Drittel aller Haushalte Strom vom angestammten örtlichen Versorger. Pro Jahr wechseln nur rund 10 Prozent der Haushalte ihren Stromanbieter.

Die Bundesnetzagentur hat nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, solche Datenbanken zu untersagen. „Eine rechtliche Handhabe, den Ausbau von Datenpools besonders wechselwilliger Kunden zu begrenzen, hat die Bundesnetzagentur leider nicht“, sagte der Sprecher. Die Datenschützer von Bund und Ländern wollen sich Anfang November mit den Plänen der Auskunfteien befassen, wie ein Sprecher der NRW-Behörde bestätigte.

Die Schufa hatte auf einer inzwischen gelöschten Web-Seite über ihren „E-Pool“ geschrieben, die Lieferanten könnten durch die „Informationen zu dem bestehenden Energiekonto und der bisherigen Laufzeit wertvolle Hinweise“ erhalten. Nach Angaben des Schufa-Sprechers sollen die Informationen den Versorgern helfen, auch Verbrauchern ohne ausreichende Bonitätsbewertung einen Vertrag anbieten zu können.

© dpa-infocom, dpa:200908-99-477515/5

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Erstellt:
8. September 2020, 15:04 Uhr

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