Karte: Mittelalterliche Festung im Libanon
Geschichte und Gegenwart: Israel erobert Kreuzfahrer-Burg Beaufort
Die Kreuzfahrer-Festung Beaufort steht für eine Kontrolle über den südlichen Libanon und den Norden Israels. Die israelische Armee hat sie nun okkupiert. Über Geschichte und Bedeutung eines 900 Jahre alten Gemäuers.
© Imago/Xinhua
Israelische Soldaten stoßen am 30. Mai 2026 vor und erobern die Bug Beaufort von der Hisbollah.
Von Markus Brauer/KNA
Die israelischen Streitkräfte haben am Sonntag (30. Mai) mitgeteilt, dass sie den Außenposten Beaufort Ridge im Südlibanon im Rahmen ihrer aktuellen Militäroperationen im Südlibanon eingenommen haben.
Von Militärangehörigen veröffentlichte Bilder zeigen eine prächtige Ruinenanlage, die auf einem Felsvorsprung mit Blick auf den Litani-Fluss thront. Der Blick von rund 700 Metern über die weite Ebene der Bekaa-Ebene zeigt auf den ersten Blick, warum der Ort mir der Feste in der Geschichte so bedeutend war – und ist.
1139 von Kreuzfahrer erobert
Beaufort Castle, das in der arabischen Sprache Qal’at al-Shaqif (Burg des Hohen Felsens) genannt wird , wurde im Jahr 1139 von Kreuzfahrer-Truppen unter der Führung von Fulko dem Jüngeren erobert, der zu dieser Zeit mit seiner Frau und Mitregentin, Königin Melisende, von Jerusalem aus regierte. Melisende war die erste weibliche Herrscherin des Kreuzfahrer-Königreichs Jerusalem und die erste Frau, die dort ein öffentliches Amt innehatte.
Abgesehen von einer kleineren Befestigungsanlage, die sich am Standort des heutigen Beaufort Castle befindet, ist über den Ort vor seiner Eroberung durch die Truppen von Fulk und Melisende nur wenig bekannt. Nach der Inbesitznahme wurde die Feste von Fulk den Herren von Sidon geschenkt, die bald darauf mit dem Bau der steinernen Burg begonnen wurde.
Behherschende Lage über dem Litani-Tal
Die Ruine von Château Beaufort, der Kreuzfahrer-Festung Beaufort, liegt im Süden des Libanon oberhalb der Bekaa-Ebene. Die Ruine aus dem Mittelalter hat bis heute hohe symbolische Bedeutung – auch für den derzeitigen Krieg Israels gegen den Libanon.
Der Ort steht seit jeher für eine Kontrolle über den südlichen Libanon und den Norden Israels, auch wenn die Burg mit ihrer beherrschenden Lage über d
eem Litani-Tal militärstrategisch nur noch geringeren Stellenwert besitzt.
Burgen-Juwel aus Zeit der Kreuzzüge
Bauhistorisch gehört die Anlage zu den bedeutendsten erhaltenen Kreuzfahrer-Burgen der Levante. Von hier konnten die wichtigen Handelsrouten und Militärwege zwischen Tyros und Damaskus kontrolliert werden. 1260, als mongolische Truppen das Umland verwüsteten, verkaufte Julian von Sidon die Burg an den Templerorden, der weitere Ausbaumaßnahmen vornahm.
Am 15. April 1268 fiel die Burg nach zehntägiger Belagerung durch die Truppen des Mamlukensultans Baibars I.. Frauen und Kinder erhielten freien Abzug nach Tyrus; alle Männer wurden versklavt. Baibars ließ die Anlage wiederherstellen und mit einer starken Garnison belegen.
Paul Deschamps und die Erforschung der Feste
Über die Jahrhunderte wurde der Baubestand der Kreuzfahrer durch islamische Bauteile erweitert und nach Zerstörungen immer wieder umgebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden große Teile der Anlage während der osmanischen herrschaft zerstört, die Befestigungen geschleift. Ein Erdbeben brachte 1837 weitere Zerstörungen.
Die wissenschaftliche Erforschung der Ruine sowie Restaurierungsarbeiten erfolgten erstmals im späten 19. und im 20. Jahrhundert. Ab 1921 untersuchten französische Historiker und Archäologen unter dem Französischen Mandat die Anlage.
Der französische mittelalterliche BurgenforscherPaul Deschamps (1885-1974, „Romanik im Heiligen Land: Burgen und Kirchen der Kreuzfahrer“) begann im Jahr 1927 mit systematischen Studien zu Kreuzfahrerburgen. 1936 ließ er gemeinsam mit dem Architekten Pierre Coupel den Innenhof und den Bergfried von Beaufort durch Soldaten von Schuttmassen befreien.
Deschamps leistete mit seinen Untersuchungen und vor allem mit seiner Studie „La Défense du Royaume de Jérusalem“ (1939) die grundlegende wissenschaftliche Dokumentation der Anlage.
Nach der Unabhängigkeit Libanons im Jahr 1943 wurden Restaurierungsarbeiten durch den libanesischen Staat fortgesetzt.
Moderne Kämpfe um mittelalterliche Burg
Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) nutzte die Anlage ab 1976 wieder militärisch, was israelischen Beschuss zur Folge hatte. Nach heftigen Kämpfen im Libanon-Krieg 1982 nahm Israel die Festung ein. Im neuerlichen Libanon-Krieg 2024 stellte die Unesco Beaufort unter erweiterten Schutz, um es vor weiterer Beschädigung zu bewahren.
Am Sonntag nun wurde die Burg durch israelische Luftangriffe beschädigt und militärisch besetzt. Israel wirft der Hisbollah vor, das Gelände für Raketenangriffe auf Israel genutzt zu haben. Tags darauf erinnerte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Montag an Israels „heroischen Kampf“ vor 44 Jahren. Nun sei man „stärker denn je“ zurückgekehrt, und die Hisbollah fliehe „um ihr Leben“.
