Hitze-Wochenende wirkt sich heftig aus
Beinahe 40 Grad in Stuttgart, aber das Kessel-Festival auf dem Wasen findet statt. Mit Nina Chuba, SDP – aber auch mit Trinkwasserstationen und Schirmen. Sportturniere wurden dagegen komplett abgesagt.
© / Schäfer, Veranstalter
Bühnenaufbau für das Kesselfestival: Die Sonne knallt auch an diesem Wochenende auf den Cannstatter Wasen. Der Veranstalter stellt Wasser bereit.
Von Theresa Schäfer, Eva-Maria Manz
Stuttgart - Stuttgart schwitzt. An diesem Freitag sind in Baden-Württemberg mancherorts bis zu 40 Grad möglich. Der Samstag könnte sogar noch heißer werden. Das Stuttgarter Kinderfestwurde bereits abgesagt – zu wenig Schatten auf dem Marktplatz. Ebenso geht es anderen Veranstaltern, auch das Stadtteilfest im Veielbrunnen in Bad Cannstatt und die Rohracker Hocketse fallen flach. Auch Hunderte Ehrenamtliche und Kinder dürften enttäuscht sein: An diesem Hitzewochenende in Stuttgart und der Region rollt kein Ball. Noch bevor der Württembergische Fußballverband (WFV) darüber informierte, für das Wochenende verbandsweit sämtliche Meisterschaftsspiele aller Spielklassen und Jahrgänge sowie Freundschaftsspiele abzusetzen, hatten die meisten Veranstalter bei den Vereinen schon selbst Absagen erwogen.
Aber das Kesselfestival auf dem Cannstatter Wasen wird stattfinden, auch wenn es an den beiden Tagen brütend heiß wird. „Das Wetter ist auch bei uns das beherrschende Thema“, sagt der Veranstalter Christian Doll. Bei der Anzahl der Sonnenschirme wurde noch einmal aufgestockt, bei der Getränkebestellung und der Zahl der Trinkwasserstationen auch. Gerade ist man noch dabei, Sprühschläuche zu organisieren. Viele Bäume, die Schatten spenden, gibt es auf dem benachbarten Gelände der Kanu-Gesellschaft am Neckar. Dort kann man auch Stand-up-Paddling ausprobieren und mit Drachenbooten fahren. Am Stand der Feuerwehr wird ein Wassersprinkler aufgebaut.
„Bei solchen Temperaturen muss man gut auf sich aufpassen: genug trinken, immer mal wieder Pausen im Schatten einlegen, regelmäßig nachcremen, an eine Kopfbedeckung denken.“ Christian Doll, Kesselfestival-Veranstalter
Auf dem gesamten Gelände stehen Trinkwasserstationen zum kostenlosen Nachfüllen bereit. Außerdem wird es mehrere Sonnencremespender geben. Der Veranstalter empfiehlt den Besucherinnen und Besuchern allerdings dringend, zusätzlich geeigneten Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung mitzubringen. „Bei solchen Temperaturen muss man gut auf sich aufpassen: genug trinken, immer mal wieder Pausen im Schatten einlegen, regelmäßig nachcremen, an eine Kopfbedeckung denken. Man sollte nicht den Fehler machen und den ganzen Tag lang vor der Bühne stehen, weil man Angst um seinen Platz hat“, meint Doll. „Zwischen jedem Auftritt haben wir Pausen eingeplant – die sollte man auch nutzen.“ Neben den Konzerten können Besucher auch selbst aktiv werden – beim Basketball, Beachvolleyball, Paddeln auf dem Neckar.
Mit den zuständigen Behörden, der Polizei und der Feuerwehr sei man ständig im Austausch. So wurde auch bei den Sanitätern aufgestockt. Die beiden Sanitätszelte der Malteser wurden mit Extra-Kühlschränken ausgestattet. Auf dem Festivalgelände sind alle Flaschen oder Behältnisse bis 0,5 Liter erlaubt, die nicht aus Glas sind. Am Hauptbühnenbereich müssen es PET-Flaschen sein. Sonnencreme darf mit aufs Gelände – bis zu einer Menge von 100 Millilitern.
Nachdem die für Sonntag geplante Fahrraddemo Kidical Mass in Zuffenhausen wegen der Hitze erst von 15 auf 10 Uhr vorverlegt wurde, haben die Veranstalter doch die Reißleine gezogen. „Da es kaum Schatten auf der Strecke gibt, drohen unter solchen Umständen zu große Risiken für die Teilnehmenden, die wir nicht eingehen wollen“, heißt es in der Absage-Mitteilung.
Abgesagt wurde auch das Fußballturnier Klinsmann-Cup in Botnang, dort wären 60 Mannschaften erwartet worden. Stefan Wüstlich, Gesamtjugendleiter beim ASV Botnang, sagt: „Die letzten Tage waren wir dauernd im Austausch und haben uns über die Wetterlage informiert – der Druck stieg von Stunde zu Stunde.“ Am Mittwoch dann die Entscheidung, noch bevor der WFV dazu aufrief. „Gerade Kinder müssen bei diesem Wetter geschützt werden“, sagt Wüstlich.
Durch die kurzfristigen Absagen wegen der Extremwetterlage kommen auf die Vereine finanzielle Einbußen zu, Wüstlich rechnet in Botnang mit 2000 bis 3000 Euro. Man müsse den Mannschaften womöglich das Startgeld zurückzahlen, die Pokale wurden bereits angeschafft und beschriftet, Pavillons gekauft und eine Turnierzeitschrift gedruckt. Der Klinsmann-Cup könne dieses Jahr nicht nachgeholt werden, weil es zeitlich nicht mehr passt, so Wüstlich.
Ähnlich bitter ist es für die Ehrenamtlichen der Sportvg Feuerbach. Dort hätte am Wochenende der Anton-Cup stattfinden sollen. Bereits seit 2003 veranstaltet die Sportvg dieses Fußballturnier für Kinder von elf bis zwölf Jahre. Über die Jahre hat sich das Turnier nach Angaben des Vereins zu einem der größten ehrenamtlich organisierten Kinderfußballturniere in Süddeutschland entwickelt. Nun musste allen abgesagt werden – insgesamt wurden zu dem Turnier um die 150 Kinder und ihre Familien aus mehreren Ländern erwartet. Lars Hüttmann, der das Turnier beim Verein organisiert, sagt: „Uns war das Risiko zu groß, dass Kinder Schaden nehmen, da ist der wirtschaftliche Schaden für den Verein nachrangig.“
Doch nicht nur Fußballveranstaltungen, auch andere Sportereignisse für Kinder mussten kurzfristig abgesagt werden. Für 600 bis 800 neun- und zehnjährige Kinder aus Stuttgart und dem Rems-Murr-Kreis hätte am Samstag in Remshalden ein großes Bezirksspielfest der gemischten E-Jugend stattgefunden – unter freiem Himmel sowie in einer sehr heißen Halle. In den Altersklassen bis einschließlich E-Jugend wird über die Bezirksspielfeste die Einteilung der Mannschaften in die Staffeln der Handballbezirke festgelegt – sie ist also für den Spielbetrieb ab Herbst notwendig. Bei den Bezirksspielfesten spielen die Mannschaften nicht nur Handball, sondern müssen auch Leichtathletikübungen und sogenannte Musenspiele absolvieren. All das wurde für Samstag in Remshalden nun abgesagt.
Daniela Scala, Vorsitzende der Bezirksjugend im Handballbezirk Stuttgart-Rems-Murr, sagt: „Solche Entscheidungen werden nicht leichtfertig getroffen, sie betreffen Hunderte Familien und viele Ehrenamtliche.“ Dennoch sei das Risiko zu hoch, dass Kinder gesundheitliche Probleme bekämen. Nun muss der Bezirk überlegen, wie die Einteilungen erfolgen können.
