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IT fürs Haus made in Wäschenbeurern

Start-up übernimmt Traditionsfirma: Warum sich Gründer aus Österreich für den Südwesten entschieden haben

Smart Home - Die österreichische Firma Loxone will es bei der Technologie fürs vernetzte Heim mit großen Unternehmen wie Amazon oder Bosch aufnehmen – und setzt dabei, wie viele andere Start-ups auch, auf den Südwesten.

Wäschenbeuren/Stuttgart Der Anspruch ist durchaus ambitioniert, der Kampf, den man fechten will, scheint schwierig. Im Smarthome-Bereich will es Loxonemit den ganz Großen aufnehmen: mit Amazon, Google, Microsoft oder Bosch. Es geht dabei um die intelligente Vernetzung von Haustechnik und Haushaltsgeräten sowie Unterhaltungselektronik. Während die großen US-amerikanischen Konzerne im sonnigen Kalifornien residieren, hat sich Loxone im kleinen Städtchen Wäschenbeuren (Kreis Göppingen) niedergelassen. Dass das aus Österreich stammende Unternehmen sein Deutschlandgeschäft von dem 4000-Seelen-Ort aus steuert, lasse sich zwar gut vermarkten, heißt es – immerhin könne man so das Bild vom gallischen Dorf bemühen, das sich gegen eine Übermacht zur Wehr setzt –, im Endeffekt ist es aber eher ein Zufall, dass Loxone dort gelandet ist.

Im Jahr 2016 suchte die Firma, die sieben Jahre zuvor im österreichischen Kollerschlag gegründet wurde, einen Partner für Gegensprechanlagen. Die Wahl fiel auf Baudisch Elektronik. Inzwischen haben die Österreicher den schwäbischen Traditionsbetrieb komplett übernommen.

„Der Standort Wäschenbeuren war für uns naheliegend, da wir bereits vor der Übernahme auf eine langjährige Partnerschaft mit Baudisch zurückblicken konnten“, sagt Manuel Nader, ­Geschäftsführer von Loxone Deutschland. Rund sieben Millionen Euro haben die ­Österreicher in ihre Deutschlandzentrale ­investiert – unter anderem in eine neue Fertigungsstraße. In Wäschenbeuren werden Elektriker und Dienstleister aus der IT-Branche geschult, die die Technik später in Ein- und Mehrfamilienhäusern, Hotels oder auch Büros verbauen.

Loxone ist ein Beispiel für Start-ups, die es aus anderen ­Regionen in den Südwesten zieht. Vom hoch spezialisierten Mittelständler bis zum Autokonzern gibt es hier Partner, die sich mit der Produktion auskennen – also wie in diesem Beispiel imInternet der Dingemit den Dingen. Dass ein Start-up eine etablierte Firma übernimmt und nicht umgekehrt, ist aber eher ungewöhnlich. Weil Loxone auf Komplettlösungen im Smarthome-Bereich setzt, sieht man die Großen wie Amazon und Bosch eigentlich nicht als Konkurrenten. „Für uns ist deren Engagement sogar gut, weil sie mit viel Budget die Werbetrommel rühren“, sagt Nader. Die meisten Anbieter sind mit Lösungen auf dem Markt vertreten, die der Kunde selbst installiert. Zwei Produkte unterschiedlicher Marken sind dabei nicht immer kompatibel. Im Gegensatz dazu steuert bei den Österreichern ein kleiner Server alles.

Ein weiterer Vorteil der Loxone-Kunden sei, dass sie sich um ihre Daten keine Sorgen machen müssten, verspricht das Unternehmen.Das System arbeitet quasi autark und muss auch nicht mit dem Internet verbunden werden.Es sei denn, man will das ausdrücklich. „Wer sich eine Alexa zulegt, dem muss nur klar sein, was er tut. Bei Loxone lautet der Grundsatz ‚Mein Haus, meine Daten‘“, sagt Nader. „Mit Alexa gibt der Nutzer seine privaten Daten aus der Hand.“

Die Spracherkennung gilt als die Zukunft des schlauen Heims. Loxone setzt hingegen nicht auf diese Technologie, sondern auf ­unscheinbare Bedienelemente. Über einen Taster mit fünf Berührungspunkten lassen sich alle Funktionen steuern. Konfiguriert wird das System per App.

Während die Elektriker im Tagungsraum die Technik kennenlernen, bekommen Besucher nebenan vorgeführt, was ein schlaues Haus so alles können sollte. Vom Eingangsbereich über eine großzügige Küche mit Bar- und Essbereich bis hin zu einem Wohn- sowie Schlafzimmer und einem Bad mit Sauna – smart kann ein Haus offenbar an vielen Stellen werden. Verlässt der Bewohner beispielsweise sein Heim, wird die Alarmanlage automatisch aktiviert. Hat er ein Fenster offen gelassen, erinnert ihn eine Stimme daran. Sobald der Bewohner bei Nacht den Fuß auf den Boden setzt, erleuchtet das Zimmer in sanft-schummrigem Licht.

Die Gründer Martin Öller und Thomas Moser waren ursprünglich mit der Vision angetreten, die Smarthome-Technologie für jedermann zugänglich zu machen. Eine Komplettlösung ist aber sicher nicht für jedermann erschwinglich.

Das Loxone-System sei aber jederzeit erweiterbar, über die intelligenten Heizungen und Jalousien zum Einstieg hinaus, sagt Nader.

Laut einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr nutzt inzwischen schon jeder vierte Deutsche mindestens eine Smarthome-Anwendung. Vorbehalte gibt es dennoch: Die ­Installation oder Bedienung gilt laut Bitkom als zu kompliziert oder die Technik als zu teuer. Dennoch sagenPrognosen ein starkes Wachstum voraus.

Der Verband der Internetwirtschaft, Eco, und das Beratungsunternehmens Arthur D. Little haben errechnet, dass im Jahr 2022 rund 4,3 Milliarden Euro mit Smarthome-Produkten in Deutschland umgesetzt ­werden.

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Erstellt:
5. April 2019, 03:14 Uhr

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