Kulinarisches aus dem Ruhrgebiet
Kalorien-Krieg, Kater-Killer: Netz-Hype um Ruhrpott-„Taxi-Teller“
Pommes, Currywurst und massenweise Gyros mit Zwiebeln: Tief im Westen, im Ruhrgebiet, sorgt der "Taxi-Teller" schon länger für Begeisterung bei eingefleischten Fast-Food-Fans. Jetzt hat das kalorienhaltige Gericht einen Social-Media-Hype ausgelöst.
© Christoph Reichwein/dpa
Nickolas Krugmann (li.-re.), Antonija Dreznjak und Lukas Kampen sitzen vor ihren „Taxi-Tellern“ in einem Imbiss. Pommes, Currywurst und dazu massenweise Gyros mit Zwiebeln: Im Ruhrgebiet sorgt der Taxi-Teller für Begeisterung bei Fast-Food-Fans. Das Gericht ist länger bekannt, neuerdings aber voll im Trend.
Von Markus Brauer/Rolf Schraa (dpa)
Der Ruhrpott ist nicht gerade bekannt für erlesene Sterneküche, dafür aber für ehrliches Essen für fleißige Malocher. Pommes rot-weiß, Schnitzel mit jeder Art von Sauce, Frikadellen und lecker Eintopf: Das sind Gerichte, die man mit dem Ruhrgebiet verbindet.
„Manta-Platte“ + Gyros + Zwiebeln = “Taxi-Teller“
Das ist auch von Gourmets und Fans der Nouvelle cuisine längst notgedrungen akzeptiert. Doch nun wenden sich die selbsternannten Feinschmecker mit Grausen ab. Fast-Food-Fans (FFF) hingegen geraten in ekstatische Verzückung. Der Grund ist der „Taxi-Teller“. So nennt sich das pure Glück eines jeden hartgesottenen FFFs.
Die unwiderstehlichen Ingredienzien: Pommes mit viel Soße, fett Mayonnaise drauf und Currywurst. Das ist die altbekannte leckere „Manta-Platte“+, ergänzt um Gyros, reichlich Zwiebeln und dick Zaziki. Alles auf einem einzigen voll geladenen Teller. Da läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen.
Voll fetti: „Taxi-Teller“-Hype im Netz
Die Sättigungsbombe mit vierstelligem Kalorienwert ist im Revier ein Dauerbrenner und wird schon seit Jahren in Imbisstuben serviert. Doch neuerdings hat auch Social Media das voll Fetti-Gericht entdeckt und für einen wahren „Taxi-Teller“-Hype gesorgt, der es auch über die Ruhrgebietsgrenzen hinaus bekannt macht.
gott schütze das ruhrgebiet und soll ihm gnädig sein liebe gott bitte schütze auch die griechen für diese erfindung und dass sie die demokratie und die türken erschaffen haben pic.twitter.com/VDPnFWdYr6 — Taxiteller Fonzy (@TaxitellerFonzy) October 17, 2024
"wir ham Taxiteller auch vegan" Taxiteller vegan: Des ist einfach so unvorstellbar traurig es ist unfasslich OJEEEEEEEEEEEEEE pic.twitter.com/pbh0LjnVQN — des Kwasselsche vom Büdle (@Quasseltier) February 7, 2026
Mal das neue tolle Gericht „Taxiteller“ probieren pic.twitter.com/PzsJVvHdBd — Balayage Peter (Dauerempört) (@BalayagePeter) January 18, 2026
wie viel cringe kann 1 mensch produzieren? pic.twitter.com/MvyEXLWHNk — Taxiteller Fonzy (@TaxitellerFonzy) February 2, 2026
„Taxi-Teller“-Test: „Dat Ding is mächtig“
Es gibt mittlerweile jede Menge Beiträge auf Tiktok und Instagram - etwa auf der Seite „Taxi_Teller“-Imbisstipps, „Taxi-Teller“-Wettbewerbe, eine „Taxi-Teller“-Weltkarte und KI-Fakes wie einen pseudo-medizinischen Eine-Minute-Vortrag zum angeblich heilenden Einfluss der Kalorien-Bombe auf den menschlichen Organismus.
Der Ruhrgebiets-Comedian und Influencer Ryko, der sich selbst als „Außenminister des Ruhrgebiets“ bewirbt, hat das Thema entdeckt und ein „Taxi-Teller“-Tasting gestartet. „Dat Ding is mächtig, auf jeden Fall“, urteilt er.
Zu einem von Ryko und seinem Influencer-Kollegen Jan Schlappen organisierten „Taxi-Teller“-Termin im ostwestfälischen Porta Westfalica kamen Anfang der Woche Hunderte Fans - teils bis aus Stuttgart, wie die Lokalblätter „Mindener Tageblatt“ und die „Neue Westfälische“ berichteten. Ordner hätten angesichts des Andrangs den Verkehr rund um einen Grill-Imbiss geregelt.
„Der Taxiteller ist am expandieren“ Ich kann nicht mehr pic.twitter.com/h6xftSCSq5 — Esty (@farfallina1901) January 17, 2026
Fast-Food-Dröhnung all over the world
Längst ist das Gericht kein Ruhrgebiets-Phänomen mehr: Nicht nur in NRW, sondern etwa auch in Niedersachsen seien die Bestellungen seit 2024 sprunghaft um fast 170 Prozent nach oben gegangen, berichtet ein Sprecher der Bestellplattform Lieferando. Zuwächse gab es nach seinen Worten auch in Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg.
Der Exil-Ruhrgebietler Alessandro Reintges serviert seit Anfang Februar die Fast-Food-Dröhnung sogar in Zürich in seinem Imbiss „Oder Wat“, wie er auf Instagram verbreitet – angeblich der erste „Taxi-Teller“ in der Schweiz.
Auch die Taxi-Branche selbst interessiert sich: Im Portal „Taxi-heute“ ist ein ausführlicher Beitrag zum Thema inklusive Brat-Anleitung zum Selbermachen erschienen.
Hungriger Taxifahrer prägte den Namen
Der Name „Taxi-Teller“ entstand der Legende nach, als ein Taxifahrer zu später Stunde in seinem Stamm-Imbiss nicht mehr genug Gyros vorfand und der Gastwirt einfach eine Currywurst plus Pommes als Sättigungsbeilage dazupackte.
Seitdem ist das Gericht zum festen Bestandteil des Angebots zahlreicher Imbissbuden und – wegen des Gyros – griechischer Restaurants geworden. Vor allem Jugendliche lieben die salzige Fett- und Fleischdröhnung – gern auch als solide Grundlage vor einer Kneipentour oder als Kater-Killer danach. Wenn's denn im Magen bleibt.
„Wir gehen so alle zwei Wochen ‚Taxi-Teller‘ essen“, erzählt die 19 Jahre alte Studentin Antonija Dreznjak im „Nikolaus-Grill“ in Essen-Stoppenberg. „Das ist ’ne gute Grundlage, wenn wir in der Kneipe feiern gehen. Meistens kriege ich ihn gut weg, sonst hilft mir ein Freund.“
Teller leer ist eine echte Herausforderung
Aufessen ist keine Selbstverständlichkeit. Schließlich liegen 120 Gramm Wurst plus mindestens genauso viel Gyros auf dem Teller. Plus Pommes, Zwiebeln und die Soßen. 12,90 Euro verlangt Grill-Chef Stergios Angelou für einen Teller mit allem. „Das sind locker 300 Gramm Fleisch. Muss man erst mal schaffen“, erklärt der 43-Jährige.
Die Zahl der „Taxi-Teller“-Kunden sei deutlich gestiegen, seitdem das Gericht Thema bei Social Media geworden ist. Viele probierten es jetzt aus. „Ich verkaufe inzwischen 30 bis 35 Taxi-Teller pro Tag. Viel mehr als früher“, berichtet Angelou.
Zur „Taxi-Teller“-Stammkundschaft zählt Angelou etwa drei hungrige Bauarbeiter, die an einem Freitagmittag um kurz vor 12 Uhr schon vor der Tür auf die Öffnung gewartet haben und dreimal „Taxi-Teller“ bestellten.
Zwei Tische weiter sitzt Studentin Dreznjak mit zwei Mitstudenten – ebenfalls vor jeweils einer Riesenplatte. „Schlecht ist mir nicht, aber ich könnte jetzt ein Nickerchen machen“, konstatiert die Studentin, als ihr Teller tatsächlich leer ist.
Spaßverderber: Wenig Beifall von Ernährungsexperten
Ernährungswissenschaftler können sich über den Teller-Boom selbstredend wenig freuen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 120 Gramm Fleisch - ein- bis ausnahmsweise zweimal pro Woche.
„Taxi-Teller“-Esser hätten damit ihre gesamte Wochen-Ration schon nach einer Portion intus, erläutert Sprecherin Claudia Müller. Von den fetten Soßen und Pommes und der hohen Salzzufuhr ganz zu schweigen.
„Das ist schon reichlich energiereich, keine tolle Entwicklung.“ Daueressern solcher Fast-Food-Gerichte drohe – je nachdem, was sie sonst noch zu sich nehmen – möglicherweise Übergewicht mit den bekannten Gefahren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„Taxi-Teller“: Einer geht noch, einer geht noch rein
Wenig erquickliche Aussichten, die hart gesottene Fans aber kein bisschen abschrecken. Stattdessen diskutieren sie schon über neue Erweiterungsmöglichkeiten. Ein Viel-Esser rät bei Instagram zur Kombination des Tellers mit einem zusätzlichen Zwiebel-Mett-Brötchen zum „Taxi-Teller 2.0“.
Im „Nikolaus-Grill“ in Essen-Stoppenberg bestelle ein Stammkunde zweimal pro Woche eine Extrem-Dröhnung, erzählt Angelou: „Taxi-Teller“ mit doppelt Pommes, reichlich Gyros, zwei Würsten und doppelt Mayo und Zwiebeln. „Das würde ich nie aufkriegen“, sagt selbst der Imbisschef, „obwohl ich jeden Tag Gyros esse“.
