Reutlingen
Kaputte Lebensmittel nach Stromausfall: „Das kommt alles in die Tonne“
Weil der Strom weg ist, wird in einigen Supermärkten in Reutlingen und Umgebung die Kühlkette unterbrochen. Einige Märkte haben auch vorgesorgt. Nachgefragt bei betroffenen Betrieben.
© Jason Tschepljakow/dpa
Tausende Lebensmittel sind in einem Edeka in Wannweil entsorgt worden. Die Kühlkette war zu lange unterbrochen.
Von Michael Bosch
Der Schaden nach dem Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen in der Nacht zum Montag ist beträchtlich. Ersten Schätzungen nach geht er in die Millionen. Der Großteil dürfte für die Reparaturen am Stromnetz anfallen, aber auch Betriebe gehören zu den Geschädigten. Betroffen waren von dem Stromausfall auch Läden und Betriebe, die mit verderblichen Lebensmitteln zu tun haben.
Im Aldi im Gewerbegebiet „Mark West“, das auch am Mittwochmittag noch keinen Strom hatte, konnten Kunden zwar einkaufen, allerdings keine gekühlten Waren. Die Truhen und Kühlschränke waren leer. Ausgeräumt. Auch die Pfandautomaten funktionierten deshalb nicht. Neben der Filiale im Reutlinger Stadtteil Betzingen dürfte eine weitere in Kirchentellinsfurt betroffen gewesen sein. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.
Edeka: Lebensmittel wandern allesamt in die Tonne
Auch im Edeka in Wannweil war der Saft für mehr als einen Tag weg. Zunächst hatte man dort noch gehofft, einige Lebensmittel retten zu können – vergeblich. Die Kühlkette war zu lange unterbrochen, viele Lebensmittel mussten die Mitarbeiter wegwerfen. Dinge, die eigentlich gefroren waren und auftauten sowieso. „So viel Essen, so viele Familien, die ihren Einkauf damit getätigt hätten. Das kommt alles in die Tonne. Das ist echt schade“, sagte Mitarbeiterin Claudia Gentile dem SWR.
Neben der verpackten Ware mussten auch Fleisch und Wurst aus der Kühltheke entsorgt werden. Die Lebensmittel zu spenden sei aus hygienischen Gründen nicht mehr möglich gewesen, hieß es. Allein in dem Edeka-Markt beläuft sich der Schaden schätzungsweise auf 150.000 Euro.
Insgesamt acht Edeka-Märkte seien am Montag von dem Stromausfall in Reutlingen betroffen gewesen, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Bis auf einen hätten „jedoch alle wie gewohnt am Vormittag öffnen“ können, so ein Sprecher. Bei Stromausfällen werde gekühlte Ware zunächst in größere Kühlhäuser geräumt, die die Temperatur deutlich länger halten. Zurück geräumt wird nur, was kalt genug geblieben ist. Wie viel Ware insgesamt entsorgt werden musste, konnte der Edeka-Sprecher nicht sagen. Auch die Firmeneigne Bäckerei in Reutlingen, die Filialen in der Region beliefert, sei geschlossen.
Wie groß der Schaden bei Bäko, einem Fachgroßhandel für Bäckereien und Konditoreien mit Sitz in Stuttgart, ist, ist noch unklar. Am Standort in Reutlingen werden normalerweise auch Frisch- und Tiefkühlwaren verpackt und versendet. Die Aufträge wurden stattdessen in Stuttgart beziehungsweise Untertürkheim bearbeitet. Einige Lagermitarbeiter musste das Unternehmen aber auch einfach heimschicken – bezahlt werden sie trotzdem. „Wir müssen eine Inventur machen und schauen, was tatsächlich kaputt gegangen ist“, so Geschäftsführer Michael Scheiber. Die Kunden seien trotzdem alle beliefert worden, das sei das Wichtigste.
Im Kaufland springt das Notstromaggregat an
Im Kaufland in Kirchentellinsfurt, wo der Strom ebenfalls ausfiel, sprang das Notstromaggregat an. „Unsere Kunden konnten bei uns auch während des Stromausfalls wie gewohnt einkaufen“, sagte eine Sprecher auf Nachfrage. Weitere Filialen des Unternehmens seien nicht betroffen gewesen. Berichten nach waren in dem Örtchen beispielsweise Metzgereien am Dienstag geschlossen geblieben.
Zwischenzeitlich 40.000 Menschen ohne Strom
In der Nacht zum Montag war in einem Umspannwerk im Reutlinger Westen an mehreren Stellen gleichzeitig Feuer ausgebrochen. Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass die Brände gelegt wurden. Es wurden offenbar auch Brandbeschleuniger gefunden. Die Polizei bittet nun um Hinweise aus der Bevölkerung.
Zwischenzeitlich waren rund 40.000 Menschen ohne Strom. Neben der Reutlinger Innen- und Oststadt waren auch die Stadtteile Betzingen und Ohmenhausen sowie die Gemeinden Wannweil (Kreis Reutlingen) und Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen) betroffen. Im Laufe des Montags wurden mit Hilfe einer provisorischen Lösung nach und nach wieder alle privaten Haushalte ans Netz angeschlossen. Weiterhin ohne Strom waren etwa 50 Unternehmen im Gewerbegebiet „Mark West“ – der Versorger spricht von „Mittelspannungskunden“ –, die generell einen höheren Strombedarf haben. Sie sollten bis Mittwochabend wieder versorgt werden, sagte ein Sprecher von Fairnetz auf Nachfrage.
