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Kriegsmunition gefährdet deutsche Küsten

Kieler Minister will „tickende rostende Zeitbomben“ aus dem Meer holen

Kiel /DPA - Massenhaft Weltkriegsbomben rotten seit Jahrzehnten auf dem Meeresgrund vor sich hin: 1,3 Millionen Tonnen konventionelle Kampfmittel liegen schätzungsweise auf dem Boden der deutschen Nordsee, 300 000 Tonnen in der Ostsee. Hinzu kommen 300 000 Tonnen chemische Kampfstoffe. Das lange ignorierte Problem will der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Ressortchef Hans-Joachim Grote, jetzt offensiv angehen. Die Beseitigung der Weltkriegsmunition sei eine Aufgabe von nationaler Bedeutung, sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Für mich berührt das ganz klar die innere Sicherheit.“

Er wolle den Kampf gegen die Weltkriegsmunition zu einem Thema auf der Innenministerkonferenz Mitte Juni in Kiel machen, kündigte Grote an. „Vor deutschen Küsten liegen nach wie vor fast zwei Millionen Tonnen an gefährlichen Torpedos, Seeminen und Sprengstoffen“, sagte er. „Wir haben nach Ansicht von Experten nur noch 20 Jahre Zeit, diese tickenden, rostenden Zeitbomben aus dem Meer zu holen und zu entschärfen.“ Was dies kosten würde, ist ungewiss.

Er strebe an, dass seine Innenministerkollegen aus Bund und Ländern diese gefährlichen Erbschaft als gemeinsames Problem anerkennen, sagte Grote. „Das können die Küstenländer nicht alleine stemmen.“ Nach der mittlerweile vorgenommenen Kartierung sei nun ein abgestuftes Konzept zum Umgang mit diesen Hinterlassenschaften nötig. „Was kann und muss in welcher Reihenfolge noch geborgen werden?“ Vor allem mit dem Bund werde es natürlich auch um die Finanzierung gehen, sagte Grote. „Das betrifft insbesondere auch den Umgang mit den Kosten für die Bergung von Munition nichtdeutscher Herkunft.“

Allein für den Abtransport der 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition aus deutschen Hoheitsgewässern würde nach Schätzung des früheren schleswig-holsteinischen Umweltministers Robert Habeck (Grüne) rechnerisch ein 3000 Kilometer langer Güterzug benötigt. In ganz Europa könnte es um die zehnfache Menge gehen.

Schon jetzt bestehe die Gefahr, dass wegen angeschwemmter Seeminen oder austretenden Phosphors ganze Strandabschnitte gesperrt werden müssten, sagte Grote. Munitionsrückstände gefährdeten ganze Wirtschaftszweige. „Minen und Bomben können Leitungen auf dem Meeresgrund zerstören, Windparks beschädigen, Seeschifffahrt behindern und Tourismus mancherorts unmöglich machen.“

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Erstellt:
15. Februar 2019, 03:04 Uhr

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