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Land zieht Wolfsbilanz: Offiziell erst 16 Herdenangriffe

dpa/lsw Stuttgart. Zwei Wölfe stromern derzeit als Stammgäste durch das Land. Das eine oder andere weitere Exemplar zieht eher hindurch und weiter. Während Tierschützer auf die Bedeutung dieser Wiederansiedlung hinweisen, stöhnen die Schäfer unter den Verlusten. Das Land hat Bilanz gezogen.

Ein Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) streift durch ein Gehege. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Ein Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) streift durch ein Gehege. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Zum Schutz der Schafsherden vor Wölfen hat das Land bislang nach eigenen Angaben knapp 700 000 Euro bewilligt. Die Hilfen hätten rund 230 Halter von Nutztieren beantragt für ihre Herden in der ausgewiesenen Förderkulisse Wolfsprävention im Nordschwarzwald, heißt es in der Antwort des Umweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der oppositionellen AfD-Landtagsfraktion. In diesem Gebiet, in dem einzig der Wolfsrüde GW852m sesshaft ist, müssen Schafhalter ihre Tiere unter anderem mit speziellen Elektrozäunen schützen, wenn sie im Fall eines Wolfsrisses vom Land entschädigt werden möchten.

Abgesehen haben es Wölfe vor allem auf Schafe: Nachweislich seien die Raubtiere seit Oktober 2017 in 16 Fällen verantwortlich für Übergriffe auf Nutztiere. Dabei seien 77 Schafe und 6 Ziegen gerissen worden. Alleine 44 Schafe starben laut Ministerium bei einer Attacke des Wolfs GW852 in Bad Wildbad Ende April 2018, viele wurden gerissen, einige ertranken, weil sie in Panik in einen nahen Bach sprangen. Etwas mehr als 11 000 Euro zahlte das Land als Entschädigung für getötete Tiere zwischen 2017 und dem laufenden Jahr (Stand 6. August).

Das Ministerium sieht dennoch keinen Grund zur Aufregung, wenn es um den GW852m im Nordschwarzwald geht. Dieser zeige „bislang ein wolfstypisches Verhalten“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Es gebe kein problematisches Verhalten Menschen gegenüber, auch habe das Tier keine ausreichend geschützten Nutztiere gerissen. „Die bisher nachgewiesenen elf Übergriffe von GW852m auf Nutztiere in Baden-Württemberg fanden allesamt auf Schaf-und Ziegenherden statt, deren Einzäunung den Kriterien eines wolfsabweisenden Grundschutzes nicht oder zumindest nicht im vollen Umfang entsprach“, teilte das Ministerium mit.

Neben dem Wolf im Nordschwarzwald hat sich im Südwesten vor einiger Zeit ein zweiter Wolf dauerhaft niedergelassen - in nahezu dem gesamten Schwarzwald erhalten Nutztierhalter deswegen künftig Geld vom Land für den Schutz ihrer Herden. Unter anderem werden die Materialkosten für die Anschaffung neuer wolfsabweisender Zäune oder für die Nachrüstung sowie für das Sichern von teils offenen Ställen übernommen. Beim Neubau eines festen Elektrozauns übernimmt das Land auch Arbeitskosten, die bei der Erstellung anfallen. Darüber hinaus beteiligt es sich an den Unterhaltskosten für Herdenschutzhunde.

„Das sind realistische Zahlen“, sagte Annette Wohlfahrt vom Landesschafzuchtverband über die Bilanz. Allerdings bezögen sie sich lediglich auf das erste, etwa 3700 Quadratkilometer große nördliche Fördergebiet. Seit dem Sommer gebe es aber auch eine zweite und mehr als doppelt so große südliche Förderkulisse. Deshalb sei mit deutlich steigenden Fördersummen zu rechnen.

Mit der materiellen Förderung durch das Land zeigen sich die Schafzüchter zufrieden. „Aber es ist eben so, dass es einen 100-prozentigen Schutz nicht gibt. Deshalb darf man auch nicht davon ausgehen, dass mit einer Förderung gleich alles geklärt ist“, sagt Wohlfahrt.

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Erstellt:
29. August 2020, 11:05 Uhr

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