Lebensretter auf vier Beinen
In Kaisersbach finden zwei Hunde eine unterkühlte Frau.
Die vierbeinigen Lebensretter Jack Russell Terrier Lilli (rechts) und Labrador Malu. Foto: privat
Kaisersbach. Ein tierisch heldenhafter Einsatz: Als ein Paar am Dienstagabend, 6. Januar, mit ihren beiden Hunden ihre gewohnte Runde in Kaisersbach machte, fing Jack Russell Terrier Lilli auf einmal laut an zu bellen. „Er zog an der Leine und dann fing auch der Große an zu bellen“, sagt der Hundeführer, der nicht namentlich genannt werden möchte. Das Paar blickte sich aufmerksam um. Die Hunde zogen sie in Richtung eines parkenden Autos, das auf einer Einfahrt stand. „Da haben wir ein leichtes Stöhnen gehört“, erinnert sich der Mann. In der Dunkelheit nahmen sie die Konturen einer Person wahr, die zwischen Auto und Hauswand lag, lediglich mit einem Nachthemd bekleidet. „Ohne die Reaktion der Hunde wären wir wohl einfach vorbeigelaufen“, schildert der Mann.
Die beiden Kaisersbacher reagierten umgehend, denn die ältere Frau war kaum ansprechbar und sehr stark unterkühlt. Da das Paar kein Handy dabeihatte, blickte sich der Mann um. Bei einem Haus brannte Licht: „Ich habe geklingelt und an die Küchenscheibe geklopft.“ Der Nachbar reagierte sofort und alarmierte die Notfallrettung. „Währenddessen ist meine Frau sofort nach Hause gelaufen und hat Decken geholt“, schildert ihr Mann. Der Hundebesitzer und der Nachbar kümmerten sich derweil um die ältere Frau. Die Leitstelle hatte sie telefonisch angewiesen, die Patientin möglichst wenig zu bewegen. Der Kopf wurde leicht erhöht, die Füße vorsichtig positioniert. Die Ehefrau war schnell wieder da, und so deckten sie die verunglückte Frau vorsichtig zu und versuchten, sie zu wärmen. „Sehr schnell kam der Rettungswagen“, erinnert sich der Hundebesitzer.
Der Disponent der Integrierten Leitstelle Rems-Murr hatte den Zustand der Frau als lebensbedrohlich eingestuft. Daher kamen sowohl Rettungswagen als auch Notarzt. Ein Rettungshubschrauber wurde vorsorglich angefordert, konnte jedoch unter anderem aufgrund der Wetterlage nicht starten, schildert der DRK-Kreisverband Rems-Murr. „Der Transport der Patientin erfolgte daher bodengebunden unter notärztlicher Begleitung“, schilderte Markus Rader, Notfallsanitäter der DRK-Rettungswache Welzheim: „Die Körpertemperatur der Frau lag bei 33 Grad. Ihr Zustand war sehr kritisch.“ Das Paar und die verständigten Nachbarn hätten vorbildlich reagiert.
Sofort kamen medizinische Wärmedecken zum Einsatz, die kontrolliert Wärme abgeben, berichtet Markus Rader. Sie können Patienten auf bis zu 40 Grad Celsius Körpertemperatur erwärmen. „Im Rettungswagen musste die Frau narkotisiert und beatmet werden“, sagt Markus Rader. Das diente dazu, Herz und Gehirn zu schützen, die unregelmäßige Atmung zu kontrollieren und eine sichere, überwachte Wiedererwärmung zu ermöglichen, erläutert der DRK-Rettungsdienst: „Beim Erwärmen besteht die Gefahr des sogenannten ‚Afterdrop‘: Dabei fließt kaltes Blut aus Armen und Beinen zurück zum Körperkern und kann das Herz schädigen. Umgehend erfolgte der Transport in den Schockraum des Klinikums Winnenden.
Auch ehrenamtliche Helfer vor Ort aus der Nachbarschaft wurden parallel zum Rettungsdienst alarmiert, berichtet Markus Rader. „Die Rettungskette lief umfassend und reibungslos. Wäre die Frau unentdeckt geblieben, hätte sie die Situation an diesem Abend möglicherweise nicht überlebt.“ Für den Kaisersbacher, der nicht namentlich genannt werden möchte, war es selbstverständlich zu helfen: „Wenn da ein Mensch liegt und nicht reagiert, dann gibt es nur eine Sache: Helfen.“ pm
