Debatte um Raumreiniger im Klassenraum

dpa/lsw Stuttgart. Baden-Württemberg steigt als letztes Bundesland ins neue Schuljahr ein. Die wichtigsten Corona-Regeln hat das Kultusministerium festgezurrt. Aber das reicht nicht, kritisieren die Gymnasiallehrer. Unklar ist jedoch, wer sich den Schuh anziehen muss.

Stühle und Tische stehen im Abstand von jeweils zwei Metern in einem Klassenzimmer. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Stühle und Tische stehen im Abstand von jeweils zwei Metern in einem Klassenzimmer. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Trotz neuer Hygieneregeln für Klassenzimmer und Unterricht sind Kinder und Jugendliche nach Ansicht der Gymnasiallehrer zum Schulstart nicht gut genug vor Corona-Infektionen geschützt. Fenster ließen sich oft aus Sicherheitsgründen nicht vollständig oder gar nicht öffnen, kritisierte der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV). Deshalb müssten Raumluftreiniger beschafft werden, um die Aerosolkonzentration niedrig zu halten. Die winzigen Tröpfchen gelten als Hauptgrund für die Ansteckung mit dem Coronavirus.

„Eine solche technische Lösung könnte den Infektionsschutz für alle betroffenen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte massiv verbessern und Schulschließungen verhindern“, sagte der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl am Freitag in Stuttgart. Auch das Umweltbundesamt bewerte die Geräte als sinnvolle zusätzliche Maßnahme. Zudem hatten Forscher der Universität der Bundeswehr München einen Raumluftreiniger untersucht und eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt.

Das in der Studie verwendete Gerät kostet allerdings mehr als 4000 Euro. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht daher zwar auf lange Sicht ebenfalls die Vorteile eines Raumluftreinigers, ist aber skeptisch mit Blick auf Zeitplan und Kosten. „Die Geräte sind sinnvoll“, sagte der GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wenn man sich anschaut, wie die Schulen derzeit ausgestattet sind und wie teuer so ein Reiniger ist, dann ist eine schnelle Umsetzung zum Schulstart unrealistisch.“ Außerdem sei es schwierig, Handwerker für den umgehenden Einbau zu buchen.

Durch die Anlagen wird die Raumluft meist über Ventilatoren ausgewechselt. Die Außenluft wird angesaugt, gefiltert, gegebenenfalls aufgeheizt und schließlich in den Raum gelassen. Gleichzeitig wird die Abluft durch Unterdruck abgesaugt und vom Zentralgerät ins Freie befördert.

Das Kultusministerium reagierte verärgert auf die Kritik des PhV. „Wir haben für den Regelbetrieb der Schulen im Rahmen des Pandemiegeschehens ein umfassendes Hygienekonzept mit zahlreichen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen erstellt“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann. „Dieses Konzept sollte sich der Philologenverband vielleicht einmal durchlesen, bevor er die Behauptung in die Welt setzt, dass wir mit der Gesundheit der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler spielen“, kritisierte die CDU-Politikerin weiter. „Die Behauptung des Philologenverbands deckt sich also nicht mit der Realität.“

Schulträger seien die Kommunen - und diese müssten gewährleisten, dass sich die Fenster an den Schulen öffnen ließen. „Das regelmäßige Lüften aller Räume ist eine der zentralen Infektionsschutzmaßnahmen“, sagte Eisenmann. Schulträger müssten auch selbst entscheiden, ob Lüftungsanlagen eingesetzt würden. „Sie sind etwa dann sinnvoll, wenn eine ausreichende Belüftung der Räume nicht sichergestellt werden kann“, sagte auch Eisenmann.

Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahlen im kommenden März verwies auf die millionenschweren Mittel, die den Kommunen für die Sanierung ihrer Schulen zuständen. Das Land habe in den vergangenen drei Jahren unter anderem einen kommunalen Fonds aufgelegt, der zu 80 Prozent für Schulsanierungen eingesetzt werde. „Die Mittel in Höhe von 476,4 Millionen Euro sind vollständig bewilligt und werden fortlaufend von den Schulträgern abgerufen“, erklärte die Ministerin.

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Erstellt:
4. September 2020, 12:04 Uhr

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