Lernen unter anderen Umständen: Schulen meist gut gestartet

dpa/lsw Karlsruhe/Stuttgart. Ohne Maske im Unterricht, mit Maske außerhalb. Und immer schön in Grüppchen. Schule unter Corona-Bedingungen geht. Doch das fordert von allen Seiten Disziplin. Und Ideen. Eltern beklagen Regel-Chaos.

Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Maske, Gruppenbildung und mehr Disziplin: Corona macht den Schulalltag komplizierter. Doch der Unterrichtsbeginn nach den großen Ferien ist im Land in der Regel relativ geordnet angelaufen. „Es ist sehr erfreulich, dass nach aktuellem Stand die Schulen alle gut in das neue Schuljahr gestartet sind“, sagt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Die Rückmeldungen der Schulen zeigten aber auch, dass sie einiges an Mehrarbeit und Planung leisten mussten, um den Schulalltag unter Pandemiebedingungen zu organisieren.

Dass das im Großen und Ganzen an den 4500 Schulen Baden-Württembergs klappte, finden auch die Schüler: „Der Unterricht fühlt sich weitgehend normal an“, berichtet Elisabeth Schilli, Sprecherin des Landesschülerbeirats. Ans Masken-Tragen habe man sich mittlerweile gewöhnt. Auch die neue Gruppenbildung (Kohortenprinzip), die mehr Nähe innerhalb einer Gruppe erlaubt, sei in der Schule für die meisten kein Problem. Die erste Schulwoche sei überwiegend als positiv empfunden worden.

„Alle freuen sich, dass sie sich wieder sehen und soziale Kontakte pflegen können“, beobachtet Uwe Müller, Direktor des Karlsruher Max-Planck-Gymnasiums. Er ist positiv überrascht, wie strikt bislang das Masken-Tragen auch auf dem Pausenhof befolgt wurde. Schwierig findet er bei fast 1000 Schülern in seinem Gymnasium die Einhaltung des Kohorten-Prinzips auf den Gängen. Doch er betont: „Es geht darum, den Präsenzunterricht durchzuführen und aufrechtzuerhalten.“

Bislang ist nach seiner Ansicht alles „sehr ordentlich“ angelaufen. Das Vorstandsmitglied der Direktorenvereinigung Nordbaden räumt aber ein: „Es gibt natürlich eine gewisse Unsicherheit und Unruhe, weil wir nicht genau wissen, was auf uns zukommt.“

Kein gutes Gefühl haben schon jetzt manche Eltern, wenn sie die Berichte ihrer Kinder hören. So erzählt eine Mutter aus Bretten (Kreis Karlsruhe) von drängelnden Schülern, von Masken-Verweigerern, die nicht ermahnt werden und von ihren Bauchschmerzen, wenn sie hört, dass ausgerechnet der Mannschaftssport Basketball im Sportunterricht auf dem Plan steht.

Vereinzelt wurden schon in der ersten Woche nach den Ferien Schulklassen und Lehrer vorsorglich wegen Corona-Fällen nach Hause geschickt, etwa in Karlsruhe, Pforzheim, Waiblingen oder in Rottenburg am Neckar. Dem Kultusministerium zufolge gab es aber nur „ganz wenige klassenbezogenen Teilschließungen von Schulen“. Bis Donnerstag wurden 17 Fälle gemeldet - von insgesamt rund 67 500 Klassen in Baden-Württemberg. Dass Klassen wegen Corona-Verdachts vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen werden müssen, werde die Schulen weiter begleiten, so Eisenmann. Insgesamt begann der Unterricht für 1,5 Millionen Schüler und 35 000 Lehrkräfte im Land.

Die Zeiten sind schwierig, das weiß auch der Landeselternbeirat (LEB). Teils „sehr chaotische Vorgaben“ des Landes kritisiert LEB-Chef Michael Mittelstaedt aber doch. „Es wurde relativ wenig geplant und wenig kommuniziert.“ Zudem seien Eltern nicht rechtzeitig einbezogen worden.

„Ich hätte mir gewünscht, dass manche Entscheidungen klarer kommuniziert worden wären“, sagt auch der Karlsruher Direktor Müller. Für Verwirrung und Ärger sorgte die Gesundheitserklärung für Schüler. Lag sie nicht vor, wurden Schüler mancherorts wieder nach Hause geschickt. Im Max-Planck-Gymnasium durften sie bleiben - mussten die Erklärung aber am nächsten Tag nachliefern. „Ich habe die Anweisung des Ministeriums pädagogisch interpretiert“, sagt Müller.

Doch selbst wenn die Schule unter Corona-Bedingungen funktioniert - auf dem Weg dorthin kann es heikel sein. „Chaotisch gelaufen ist die Beförderung der Kinder“, sagt der LEB-Vorsitzende Mittelstaedt. In den Schulbussen sei es weiter eng: „Die Kinder werden immer noch wie Ölsardinen transportiert. Da fühlt sich keiner richtig wohl.“

Ein großes Problem haben ihm zufolge Schüler, die zu Hause bleiben müssen: „Die sind aus dem Raster gefallen.“ Dass es beim Fernlernunterricht Schwierigkeiten gab, räumt das Kultusministerium ein. Manche Schüler hätten dabei nicht die Lernfortschritte erzielt, die sie im regulären Unterricht erreicht hätten. Im neuen Schuljahr sollen nun Inhalte wiederholt und vertieft werden. Zugleich sollen Lücken und Förderbedarf identifiziert werden.

Direktor Müller schmerzt es, dass jahrgangsstufenübergreifende Aktivitäten wie Theater AG, Unterstufenchor oder Orchester derzeit noch nicht möglich sind. Doch seine Schüler und Kollegen sind kreativ: Statt zusammen auf der Bühne zu stehen, hat der Chor des Karlsruher Max-Planck-Gymnasiums zum Beispiel die einzelnen Sänger zu einer Video-Aufführung zusammengeschnitten.

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Erstellt:
20. September 2020, 09:04 Uhr

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