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Mehr Kinder und Jugendliche im eigenen Zuhause gefährdet

dpa/lsw Stuttgart. Fälle wie das Martyrium eines kleinen Jungen in Staufen sind nur die Spitze des Eisbergs. Jugendämter gehen mehr als 10 000 Hinweisen im Jahr auf Kindeswohlgefährdungen nach - und werden leider nicht selten fündig.

Schatten sollen eine Gewaltszene symbolisieren. Foto: Maurizio Gambarini/Archivbild

Schatten sollen eine Gewaltszene symbolisieren. Foto: Maurizio Gambarini/Archivbild

Sie werden geschlagen, missbraucht oder verbal gequält - in fast 2200 Fällen haben Mitarbeiter von Jugendämtern im vergangenen Jahr wegen akuter oder erwartbarer Gefahr für Minderjährige Alarm geschlagen. Das entspricht einem Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Landesamt am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Die Experten bemerkten schon körperliche, geistige oder seelische Schäden oder rechneten damit. 49 Prozent der Betroffenen waren Jungen, 51 Prozent Mädchen.

In 1248 Fällen wurden Anzeichen für Vernachlässigung festgestellt, bei 718 Minderjährigen für körperliche und bei 761 für psychische Misshandlung. Hinweise auf sexuelle Gewalt gab es in 139 Fällen, mehr als drei Viertel der Opfer waren weiblich. Bei der Art der Kindeswohlgefährdung sind Mehrfachnennungen möglich.

In 2339 Fällen konnten die Experten die tatsächlich bestehende Gefahr nicht eindeutig feststellen, aber auch nicht ausschließen. Keine Kindeswohlgefährdung, wohl aber Hilfebedarf ergab sich in 4906 Fällen; 4340 Mal ergab die Prüfung weder Gefahr noch eine Notwendigkeit für Unterstützung.

In Summe rückten die Mitarbeiter der Jugendämter 2018 deutlich mehr wegen des Verdachts der Gefährdung von Kindern und Jugendlichen aus als im Vorjahr. Sie verschafften sich laut Statistischem Landesamt bei 13 781 jungen Menschen einen Eindruck von der Situation zu Hause. Das ist ein Zuwachs um zwölf Prozent im Vergleich zu 2017. In landesweit jedem dritten Verfahren lag tatsächlich eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung vor, wobei die regionalen Werte weit auseinanderklaffen: In Baden-Baden lag der Anteil der alarmierenden Fälle an allen Prüfungen bei 62 Prozent, im Kreis Waldshut bei vier Prozent.

Hinweise auf mögliche Gefährdungen kamen laut Statistikamt unter anderem von Polizei, Gerichten oder Staatsanwaltschaften (24 Prozent), von Nachbarn oder Bekannten (12 Prozent), von Schulen (9 Prozent) oder von sozialen Diensten oder anonymen Hinweisgebern (8 Prozent). Lediglich in zwei Prozent der Fälle beklagten Minderjährige selbst ihre Situation.

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Erstellt:
13. August 2019, 14:56 Uhr

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