Zu wenig Niederschlag im Südwesten: Grundwasserstand niedrig

dpa/lsw Stuttgart. In den vergangenen drei Jahren hat es im Südwesten deutlich zu wenig geregnet. Die Folge: Niedrige Wasserstände in den Flüssen und ein niedriger Grundwasserstand. Was kann das für Folgen haben?

Die Sonne scheint am blauen Himmel durch Wolken hindurch. Foto: Markus Scholz/dpa/Symbolbild

Die Sonne scheint am blauen Himmel durch Wolken hindurch. Foto: Markus Scholz/dpa/Symbolbild

Wer sich die Pegelkarte der Hochwasservorhersagezentrale in Baden-Württemberg anschaut, sieht momentan ziemlich viele hellblaue Punkte: An zahlreichen Flüssen im Südwesten sind die Wasserstände niedriger, als sie es sein sollten. Zwar hatte der Niederschlag vor einigen Tagen etwas Erleichterung gebracht. Das ist nach Ansicht Uwe Bergdolt von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) aber ein vorübergehendes Phänomen: „Ein paar Tage Regen bringen nur noch kurzfristige Entspannung.“

Denn bereits 2018 und 2019 habe es zu wenig Niederschlag gegeben, sagte Bergdolt. Und 2020 war die Lage bislang nicht besser: Von April bis Juli fielen im Südwesten nach Angaben der LUBW nur rund 57 Prozent des Niederschlags, der im langjährigen Mittel für diesen Zeitraum üblich ist. Die Folge: „Wenn es lange nicht regnet, werden die Bäche vom Grundwasser gespeist.“ Und wenn dieser Zustand über mehrere Jahre anhält, ist der Grundwasserspeicher nicht mehr ausreichend gefüllt.

Aber ist dieser Zustand im Sommer nicht normal? „Das kommt darauf an, was man als normal bezeichnet“, sagte der Referatsleiter für Fließgewässer Ökologie. Tatsächlich werde es so langsam zur Normalität, dass an vielen Flüssen im Südwesten die Normalwerte für den niedrigsten Stand im Jahr unterschritten würden. „Aus meiner Sicht ist das ein eindeutiger Hinweis, dass sich da auch was ändert in Folge des Klimawandels.“

Doch gegen die rückläufigen Wasserstände etwas zu unternehmen, ist gar nicht so leicht: „Man kann da nur sehr begrenzt einschreiten“, sagte Bergdolt. „Wo soll man das Wasser denn herbekommen?“ Im Gegenteil: Gerade lange trockene Phasen bedeuteten auch, dass der Wasserbedarf in der Bevölkerung und in der Landwirtschaft steige. „Die wirksamste Maßnahme aus meiner Sicht wäre es, dass man den Klimawandel ernst nimmt und versucht, ihn zu begrenzen.“ Technische Maßnahmen seien beispielsweise Rückhaltebecken oder aufgestaute Seen. Das könne man aber nur dort machen, wo auch Flächen zur Verfügung stünden.

Grundsätzlich gelte: „Alles, was verhindert, dass Grundwasser neu gebildet wird, ist verschärfend.“ Als Beispiel nennt der Experte die Flächenversiegelung. Das gelte auch für kleine Bereiche - etwa bei Steingärten, die auch noch eine Folie unterlegt haben, damit kein Unkraut hindurch wachse. Auch Pools, die sich viele Menschen nicht nur während der Corona-Krise in den Garten gestellt hätten, schluckten schnell mal ein paar tausend Liter. Rasenbewässerung sei ebenfalls ein gutes Beispiel: „Klar ist ein grüner Rasen etwas Schönes, aber er ist halt nicht lebensnotwendig. Das ist alles Wasser, das dem Grundwasser verloren geht.“

Folgen der Entwicklung könne es in zahlreichen Bereichen geben, sagte Bergdolt. So könne ein langfristig zu niedriger Wasserstand etwa die Ökologie der Flüsse belasten. „Ein Fisch kann bis zu einem gewissen Maß ausweichen, aber je weniger Wasser da ist, umso kleiner wird der verfügbare Raum für die Fische und Kleinlebewesen im Gewässer.“ In der Landwirtschaft werde ebenfalls ein erhöhter Wasserbedarf erwartet. Und Kraftwerke könnten betroffen sein, weil sie große Mengen Kühlwasser brauchen. Zudem könne die Schifffahrt leiden.

Hinzu kommen vermutlich auch Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Bereits jetzt schließen sich nach Bergdolts Angaben Regionen zu Verbünden zusammen, um Knappheit gegenseitig ausgleichen zu können. Manche warnen auch schon davor: Das Landratsamt in Tübingen bat Mitte August um „größte Zurückhaltung“ bei Wasserentnahmen aus Flüssen und Bächen. Die Wasserstände seien in vielen Flüssen und Bächen auf kritische Werte gesunken, hieß es bei der Behörde. Und der Enzkreis verkündete ein Wasserentnahme-Verbot bis Mitte Oktober.

Um Städte und Gemeinden für mögliche Herausforderungen bei der Trinkwasserversorgung zu rüsten, entwickelt die Landesregierung einen „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg“. „Darin soll die zukünftige Entwicklung der Wasserressourcen der prognostizierten Entwicklung des Trinkwasserbedarfs gegenübergestellt werden“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums, das den Plan gemeinsam mit dem Verbraucherschutzministerium vorbereitet.

Dafür würden unter anderem die mittleren und minimalen Grundwasserstände erhoben und mithilfe von Klimamodellen eine Prognose bis 2050 erstellt. Zudem würden die Bevölkerungsentwicklung und der zukünftige Trinkwasserbedarf abgeschätzt - um den Kommunen Handlungen zu empfehlen. Wann genau diese vorlägen, sei derzeit aber noch nicht absehbar.

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Erstellt:
7. September 2020, 06:27 Uhr

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