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„Udo“ im Museum: Uni zeigt Funde zum Menschenaffen

dpa/lsw Tübingen. Etwa einen Meter groß soll er damals gewesen sein - und heute eine Sensation. Die Knochen des Primaten mit dem Spitznamen „Udo“ haben Vermutungen über die Evolution der Menschenaffen infrage gestellt. Jetzt zieht eine Kopie unseres möglichen Vorfahren ins Museum ein.

Repliken von Fossilien des Menschenaffens "Udo" sind in einer Ton- und Lehmgrube ausgestellt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Repliken von Fossilien des Menschenaffens "Udo" sind in einer Ton- und Lehmgrube ausgestellt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Vor knapp drei Monaten drehte die Meldung vom Fund des Menschenaffen „Udo“ aus dem Allgäu den Forschungsstand zur Evolution kurzerhand auf links. Nun kommen Rekonstruktionen des Danuvius guggenmosi – des bislang ersten aufrecht gehenden Menschenaffen - ins Museum. Unter dem Titel „Udo. Der erste Fußgänger“ bietet die Universität Tübingen einen hautnahen Blick auf das Skelett aus der Tongrube Hammerschmiede, das für Furore sorgte. Im Beisein der Entdeckerin, der Tübinger Professorin Madelaine Böhme, wird die kleine Schau am Donnerstagabend eröffnet.

Im Zentrum der Ausstellung im Museum der Universität im Schloss Hohentübingen steht bis zum 31. Mai eine etwa einen Meter große Nachbildung „Udos“ aus hellem Lehm. Was aus der Ferne eher an eine lebensgroße Sandfigur vom Nordseestrand erinnern mag, zeigt sich erst beim genaueren Hinsehen. Denn Repliken der gefundenen Knochenfossilien sind in die Nachbildung integriert und gut auszumachen. So wird dem Betrachter bewusst, dass erst ein kleiner Teil des Skelletts freigelegt wurde und etliche Teile - und mit ihnen auch Geheimnisse - in der Tongrube auf die Archäologen warten.

Das Forschungsteam um Böhme von der Universität Tübingen und vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment hatte von 2015 bis 2018 die versteinerten Fossilien der bislang unbekannten Primatenart entdeckt. Arm- und Beinknochen gehörten dazu, Wirbel, Finger- und Zehenknochen auch.

So ließ sich rekonstruieren, wie sich „Udo“ vor 11,62 Millionen Jahren fortbewegte - wahrscheinlich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd. Nach Überzeugung Böhmes weisen die Funde darauf hin, dass sich der aufrechte Gang in Europa statt in Afrika entwickelt haben könnte.

„Der Gang von vier auf zwei ist umstritten und sagenumwoben“, sagt Kurator Frank Dürr vor Beginn der Ausstellung. Es sei wahrscheinlich, dass es abgesehen vom Menschenaffen aus dem Allgäu mehrere Ursprünge für diesen Evolutionsschritt gebe. „Aber dieser hier ist hochspannend, weil es derzeit der älteste Fund ist.“ Die bis dahin ältesten Belege für den aufrechten Gang sind rund sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia.

„Udo“, der erste gefundene Danuvius guggenmosi, war nur gut einen Meter groß. Der Brustkorb war flach und breit, die Lendenwirbelsäule verlängert, wodurch Danuvius effektiv seinen Körperschwerpunkt über der gestreckten Hüfte und den Knien halten konnte. Die Knochen zeigen mehrere Schlüsselmerkmale, die auf Zweibeinigkeit schließen lassen, wie zum Beispiel eine X-Stellung der Beine. Danuvius konnte auf zwei Beinen gehen, aber auch klettern wie ein Menschenaffe.

Nach der Sonderschau auf dem Schloss Hohentübingen wird „Udo“ noch auf Reisen gehen: Die Gemeinde Pforzen (Ostallgäu) plant eine Wanderausstellung zu dem Primatenfund. Voraussichtlich ab März sollen hochwertige Abgüsse der Original-Knochen ausgestellt werden, danach werden diese an verschiedenen Orten im Allgäu zu sehen sein.

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Erstellt:
28. Januar 2020, 14:21 Uhr

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