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Nächtlicher Lärmterror in Gaildorf geht weiter

Seit Wochen belästigen Autoposer die Bürger der Innenstadt. Die Durchgangsstraßen werden zu Rennpisten.

Symbolfoto: Stock Adobe/Gerhard Seybert

© Gerhard Seybert - stock.adobe.com

Symbolfoto: Stock Adobe/Gerhard Seybert

Von Klaus Michael Oßwald

GAILDORF. Ein ganz normaler Sommerabend. Ein halbes Dutzend Autos, darunter PS-starke Limousinen, überziehen das Kochertal mit einem Lärmteppich. Sportabgasanlagen mit Klappentechnik und Soundgeneratoren sorgen für martialisches Gedröhne. Das reicht den jungen Fahrern aber nicht: Die Schlossstraße zwischen Ob der Steige und Marktplatz wird zur Beschleunigungsstrecke. Wie die Bahnhofstraße und die Bundesstraße 298 Richtung Unterrot. Immer wieder wird das Hallengelände, wo sich die Autoposer täglich treffen, zur Boxengasse. Oder, um weg vom Schuss zu sein, die Kocherwiese.

„Eine Streife ist schon auf der Anfahrt“, sagt die Polizistin am Telefon und signalisiert, dass die Raserei in Gaildorf seit Minuten schon Thema ist in der Haller Zentrale. Wenig später nahen ein Streifenwagen mit Blaulicht und ein Zivilfahrzeug. Einen der Fahrer haben die Ordnungshüter offenbar schnell am Wickel. Er wird auf dem Kocherdamm kontrolliert. Danach kehrt Ruhe ein.

Zumindest für den Rest dieser Nacht. Am nächsten Tag scheint alles vergessen. Aufs Neue werden – wie immer pünktlich mit dem Coronaläuten der Kirchenglocken um 19.30 Uhr – die großen Durchgangsstraßen zu Rennstrecken. Was die Kontrollen am Vortag erbracht haben, darüber gibt es – weil das nach Auskunft eines Polizeisprechers nicht protokolliert wird – keine verlässlichen Informationen.

Bürgermeister Frank Zimmermann kennt das Problem aus eigenem Erleben: Die Lärmbelästigungen würden „immer schlimmer“, es sei aber „schwierig, dem Herr zu werden“. Er hat schon mehrmals nach entsprechenden Vorkommnissen den Brennpunkt am Hallengelände aufgesucht und die jungen Leute auf ihr Tun angesprochen. Stets sei ihm dann versichert worden, man werde sich „regelkonform“ verhalten. Aber kaum daheim, „geht das schon wieder los!“.

Auch der Leiter des Polizeipostens Gaildorf, Hauptkommissar Thomas Just, weiß um die Belästigungen. Man gehe jedem Hinweis nach. Bürger, die Zeugen der Raserei werden, sollten sich „zeitnah“ melden. Allerdings genüge es nicht, wie er in der Vergangenheit schon mehrfach betont hatte, pauschale Wahrnehmungen mitzuteilen. Wichtig seien konkrete Beobachtungen und vor allem die Kennzeichen der Fahrzeuge. Um rechtliche Schritte einleiten zu können, ist es der Polizei wichtig, die Übeltäter auf frischer Tat zu ertappen.

Eine deutlich höhere Frequenz bei den Streifenfahrten wäre angebracht.

Was aber durch eine nur gelegentliche Polizeipräsenz nicht gewährleistet sei, wie Rathauschef Zimmermann feststellt. Hier wäre seiner Ansicht nach eine „deutlich höhere Frequenz“ der Streifenfahrten angebracht. Der Stadt selbst – und damit auch der City-Streife – seien die Hände gebunden, die Überwachung des „fließenden Verkehrs“ sei Sache des Polizeivollzugsdiensts.

Und der scheint auch und gerade in Zeiten der Coronapandemie überfordert zu sein. Das geht aus dem Telefongespräch eines lärmgeplagten Bürgers hervor, der sich nächtens an die Polizei gewandt hatte: Er sei gefragt worden, ob es sich denn noch lohne, eine Polizeistreife vorbeizuschicken? Die einzige, die sich derzeit in der Nähe befinde, sei bei einem Einsatz im Bühlertal.

Unterdessen geht das Rasen und Lärmen weiter. Die Protagonisten des Geschehens scheuen weder Mühe noch Gummi, um den schlafenden Bürgern zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und weil’s so „cool“ war, gibt es das Ganze auch bei sonntäglichem Tageslicht. Was bleibt, sind die Drift-Spuren am Hallengelände in Form von dickem Reifenabrieb.

Und auch das bleibt: die Angst von Bürgern, nachts in der Stadt unterwegs zu sein. Weil das Überqueren der Straßen zum russischen Roulette gerät, die Nutzung des Wegs zwischen Hallen und Nordstadt zum Spießrutenlauf.

Ein Schlag ins Gesicht der Lärmgeplagten mag da der kürzliche Testbericht des Magazins „Auto Bild“ über das Audi RS 5 Coupé sein: „Mehr Krawall, weniger Perfektion, bitte!“

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Erstellt:
17. Juni 2020, 11:30 Uhr

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