Digitaler Euro
Nicht nur eine Frage der Souveränität
Der digitale Euro geht auf die Zielgerade. Die virtuelle Geldbörse ist gut für die Kunden und auch Chance für Europas Banken, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.
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Noch bezahlen viele Menschen mit Bargeld, doch die Tendenz geht zum digitalen Bezahlen. Auch deshalb will die EZB den digitalen Euro einführen.
Von Knut Krohn
Donald Trump ist der beste Werbebotschafter für den digitalen Euro. Einem in seinen Augen unbotmäßigen Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gezielt die Kreditkarten zu sperren, ist ein Fingerzeig, wozu der US-Präsident fähig ist. Der Fall zeigt an einem sehr konkreten Beispiel, wie gefährlich es ist, dass Europa bei der Abwicklung eines Großteils des Zahlungsverkehrs abhängig von US-Unternehmen wie Visa, Mastercard oder Paypal ist. Es ist also eine Frage der Souveränität, dass sich die Europäische Zentralbank aus dieser Umklammerung lösen will.
Immer mehr Kunden bezahlen bargeldlos
Die Argumente für den digitalen Euro sind allerdings nicht nur weltpolitischer Natur. Die jüngste Studie der Bundesbank belegt, dass inzwischen über die Hälfte der Kunden in Deutschland bargeldlos bezahlt – Tendenz steigend. In digital-affinen Ländern wie Schweden liegt dieser Wert längst bei weit über 90 Prozent.
Europas Banken haben zu lange gezögert
Die Kritik aus der privaten Bankenwirtschaft an dem Projekt der Europäischen Zentralbank ist in diesem Fall wohlfeil. Die Institute hatten viele Jahre Zeit, einen europaweiten digitalen Bezahldienst aufzubauen, waren aber vor allem daran interessiert, keine Risiken einzugehen und die eigenen, nationalen Geschäfte gegen die Konkurrenz abzusichern. Sie sollten den digitalen Euro nun als Chance erkennen, da er die Zahlungssysteme europaweit standardisiert. Der immer beliebter werdende europäische Bezahldienst Wero könnte sich etwa neue Geschäftsfelder erschließen und Dienste anbieten, wie sie bisher klassische Kreditkarten der US-Anbieter Visa oder Mastercard haben.
