Konflikt zwischen Nachbarn

Pakistan: Krankenhaus in Kabul war nicht das Ziel

In Afghanistans Hauptstadt sterben hunderte Menschen bei einem pakistanischen Luftangriff. Eine Entzugsklinik liegt in Trümmern. Pakistan behauptet, auf eine Militäranlage gezielt zu haben.

In der afghanischen Hauptstadt ist eine Drogenrehabilitationsklinik angegriffen worden.

© Siddiqullah Alizai/AP/dpa

In der afghanischen Hauptstadt ist eine Drogenrehabilitationsklinik angegriffen worden.

Von dpa

Kabul/Islamabad - Pakistan bestreitet, bei seinem Angriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul auf ein Krankenhaus gezielt zu haben. In einer Stellungnahme auf X schrieb Informationsminister Attaullah Tarar, es seien weder ein Krankenhaus noch eine Entzugsklinik oder andere zivile Anlagen gezielt angegriffen worden.

Die UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) schreibt, die Omid Entzugsklinik sei von einem pakistanischen Luftangriff auf Kabul betroffen. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte vor Reportern am Schauplatz des Angriffs, bei Angriffen seien 408 Menschen getötet worden, 265 seien verletzt. Die Angaben der beiden Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. 

Tarar teilte unterdessen auf X Videos von Luftangriffen. Infrastruktur für technische Unterstützung sowie Munitionslager an zwei Standorten in Kabul seien demnach zerstört worden. In den Videos seien Sekundärdetonationen zu sehen, die auf das Vorhandensein großer Munitionsdepots hindeuteten, schrieb der Minister weiter.

Militäranlage in Klinik umgewandelt

Der britische Sender BBC beschreibt das betroffene Areal als eine ehemalige US-Militäranlage. Die Taliban wandelten demnach die Anlage nach ihrer Machtübernahme 2021 in eine Klink um. Drogenabhängige aus der Hauptstadt seien dorthin verbracht worden, berichtet der Sender.

Ein bei den Explosionen verwundeter Patient berichtete dem afghanischen Sender Tolonews: "Das Rekrutierungszentrum der (Taliban) liegt direkt neben uns. Wir haben gesehen, wie sie von dort aus geschossen haben. Flugzeuge kreisten über uns; sie flogen einmal vorbei, und als sie zum zweiten Mal zurückkamen, eröffnete das Rekrutierungszentrum Feuer auf sie. Als der (Pilot) uns mit der Kamera sah, dachte er wahrscheinlich, dass alle hier zum Rekrutierungszentrum gehörten. Als er die große Menschenmenge sah, begann er plötzlich mit dem Bombardement."

Ein pakistanischer Regierungsbeamter sagte der Deutschen Presse-Agentur am Morgen: "Wir werden unsere Angriffe nicht unterbrechen. Wir wollen den Schwung der Operation nicht verlieren, auch wenn es zu einem Fehlschlag gekommen sein könnte."

Auf X schrieb das pakistanische Informationsministerium, das getroffene Krankenhaus liege mehrere Kilometer entfernt von dem angegriffenen "Camp Phoenix". Der Beitrag stellte zudem die Frage, warum eine Entzugsklinik in unmittelbarer Nachbarschaft zu Munitionsdepots untergebracht sei. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Rettungsarbeiten dauern an

Die betroffene Klinik soll über 2.000 Betten verfügen. Am Tag nach den Angriffen sind Rettungsdienste weiter vor Ort. Mehr als 50 Leichen könnten noch unter den Trümmern begraben sein, sagte ein medizinischer Mitarbeiter dem Sender Tolonews. Am Nachmittag (Ortszeit) soll es ein Massenbegräbnis für die Opfer geben.

Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen. Bei Luftschlägen in Kabul gab es laut Unama Tote und Verletzte. Bis vor dem Angriff am Montag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 76 Zivilisten getötet und 213 verletzt worden, teilte Unama mit. 

Afghanistan hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad. Pakistan wirft den islamistischen Taliban in Kabul vor, Terroristen zu unterstützen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul weist das zurück.

Nach dem Angriff auf die Klinik ist die Lage angespannt.

© Siddiqullah Alizai/AP/dpa

Nach dem Angriff auf die Klinik ist die Lage angespannt.

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Erstellt:
17. März 2026, 14:04 Uhr

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