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Schneewalzer auf der Fahrradpumpe

Stubenmusik-Trio „Knedl&Kraut“ sorgt mit bayerischem Wirtshauskabarett für Riesengaudi beim Sommerpalast-Finale

Auf eine Reise in die gute alte Zeit, als Bayern noch bayerisch war, nehmen „Knedl&Kraut“ – drei schneidige Burschen, kreativ-fidele Multi-Instrumentalisten, stimmgewaltige Sänger und G’stanzl-Dichter – die große Besucherschar am letzten Abend des Kleinkunstfestivals Sommerpalast mit.

Juri Lex, Toni Bartl und Daniel Neuner (von links) machen nicht nur gerne Musik, sie haben auch ein Faible dafür, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, zu Instrumenten umzufunktionieren. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Juri Lex, Toni Bartl und Daniel Neuner (von links) machen nicht nur gerne Musik, sie haben auch ein Faible dafür, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, zu Instrumenten umzufunktionieren. Foto: J. Fiedler

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Bei seiner Premiere in der Walterichstadt sorgt das Trio vom Start weg für Riesengaudi. Dessen zünftiges Bayerisch verstehen Einheimische und Rei’gschmeckte auch dank einiger Übersetzungshilfen bestens. So versetzen die Bewahrer bayerischer Kultur und Tradition das Publikum sogleich in die urgemütliche Atmosphäre eines bayerischen Wirtshauses. Denn „Knedl&Kraut“ tritt als einzige Stubenmusik weltweit in einer mobilen Wirtshausstube auf, die Toni Bartl aus Partenkirchen selbst gebaut hat.

Der ist außerdem Weltmeister auf der diatonischen Harmonika, darum versteht er es, dieses Instrument auch in Miniaturformaten brillant zu spielen, wie übrigens auch seine Kollegen. Dazu fungiert er als Regisseur und Moderator des überaus kurzweiligen musikalisch-kabarettistischen Programms. Auch nutzt Toni Bartl diverse Alltagsutensilien als Musikinstrumente. So entlockt er einer Fahrradpumpe den Schneewalzer und lässt eine überaus biegsame Säge, die er mit dem Geigenbogen streicht, „Lara’s Theme“ aus „Doktor Schiwago“ singen. Eine Heugabel hat er zur funkensprühenden Hardrock-E-Gitarre umgebaut und macht eine uralte Flinte kurzerhand zum sonor schnarrenden Didgeridoo.

Lehrer Juri, eigentlich Jürgen Lex aus Pullach, beherrscht Blas- und Saiteninstrumente aller Art. Mit seiner Version vom „armen Dorfschulmeisterlein“ und Bachs „Badinerie“, gespielt auf einem Spazierstock, den er mit Löchern versehen und so zur Querflöte umgestaltet hat, gewinnt er sofort die Herzen der Besucher. Zudem erweist sich Juri als begnadeter Geigenvirtuose, der Montis Csardas mitreißend und temporeich wie ein Primás präsentiert. Auch vermag er allein mit seinen dicht zusammengefalteten Händen Okarina (Gefäßflöte) zu spielen, wobei minimale Fingerbewegungen das Schallloch verkleinern oder vergrößern und so die Tonhöhe verändern.

Traditionelles Löffelschlagen und mittelalterlicher Minnegesang

Eigentlicher Star des Trios ist der traditionsbewusste und sprachgewandte Daniel Neuner aus Garmisch, ein strammes Bilderbuchmannsbild mit Bart. Er funktioniert einen Kehrwisch zum Schlegel und einen Rechen zum Perkussionsinstrument um und gibt eine Kostprobe im traditionellen Löffelschlagen in Hypergeschwindigkeit. Als großer Mittelalterfan beherrscht er den Minnesang mit bezaubernder hoher Altusstimme, mit der er auch virtuos jodelt.

Seine „große Liebe“ ist sein „Schnupftabak“. Mit der zwischenmenschlichen hatte er leider Pech: Nur kurz war er verheiratet, weil seine vermeintliche Herzensdame so „zwider“ war. Nichtsdestotrotz ist er nun wieder auf Freiersfüßen, schaut sich suchend im Zelt um und wird bei der attraktiven Silvia fündig. Sie darf ihm beim Spiel auf seiner selbst gebastelten Flaschenflöte mit Gummihandschuh für die Regulierung der Tonhöhe durch Händchenhalten assistieren. Zu Daniels großem Bedauern ist die Schöne aber schon vergeben...

Am meisten Jubel und Applaus heimst Daniel Neuner, der früher viel gereist ist, für seine drolligen lautmalerischen pseudo-fremdsprachlichen Wortspiele ein – als Texte zu dem auf der ganzen Welt bekannten Lied „Hans bleib do“. In Amerika wird daraus „Joe Johnny goes to McDonald’s“, in Russland klingt’s mit tiefem Bass verdächtig nach Wodka, in Italien nach „O Sole Mio“ mit a bisserl Bunga-Bunga, und in der Türkei ertönt vom Minarett ein Gesang in einer Mischung aus Türkisch und Arabisch, bei dem auch ein Hauch von Döner Kebab mitschwingt.

Große Heiterkeit löst der Song „Beim Stanglwirt“ zur Melodie „The Lion Sleeps Tonight“ aus, inspiriert von einem Auftritt in Kitzbühel. Da ziehen „Knedl &Kraut“ allerlei Promis kräftig durch den Kakao, wie den Loddar, den Kaiser oder s’ Borisle, der in der Besenkammer einquartiert wird, und natürlich dürfen auch die Geissens nicht fehlen. Ebenso viel Vergnügen macht der Lambada mit unwiderstehlichem Hüftschwungrhythmus, der inzwischen auch schon 29 Jahre auf dem Buckel hat und in der bayerischen Variante „Komm, i zeig dir was im Heu“ heißt.

Ein Feng-Shui-Stall liefert logischerweise vegane Milch

Ironisch nehmen „Knedl&Kraut“ auch die moderne Landwirtschaft aufs Korn, in der die Kühe online gemolken werden, ein Whirlpool als Güllegrube deklariert und so subventioniert wird und die vom Bauer gesuchte und gefundene Frau Narumol nach dem Bauer-sucht-Frau-Star heißt. Der Stall wird nach Feng-Shui-Vorgaben gebaut, wobei aber irgendetwas schiefläuft, weil die Milch danach vegan ist. Also werden die Kühe verkauft und im Stall Fremdenzimmer eingerichtet, denn: „Touristen können wir besser melken.“

Den genussfreudigen Sommerpalast-Gästen empfiehlt das Trio eine große Portion Kraut und Knödel gegen Schädelweh, sofern im Wirtshaus am Stammtisch oder bei anderen geselligen Gelegenheiten mal wieder a paar Maß oder Halbe zu viel zusammengekommen sein sollten.

Für die vielen musikalisch gewürzten Gags und Späße heimsen Toni, Daniel und Juri so viele Bravorufe und stürmischen Jubelbeifall ein, dass sie noch mehrere Zugaben draufsetzen müssen. Unter anderem blasen sie Gummihandschuhe mithilfe simpler Schläuche zu Luftballongröße auf und spielen Dudelsack mit ihnen.

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Erstellt:
24. Juli 2018, 06:00 Uhr

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