Söder für Frauenquote in Dax-Vorständen

dpa München/Berlin. Bisher steht die Union beim Thema Frauen in Führungspositionen eher auf der Bremse. Jetzt macht der CSU-Chef klar: Ich bin für eine Quote. Doch beim Koalitionspartner fürchtet man, dass das nur Lippenbekenntnisse sind.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Foto: Sven Hoppe/dpa Pool/dpa

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Foto: Sven Hoppe/dpa Pool/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht sich für eine Frauenquote in Vorständen von Dax-Unternehmen aus.

„Ich bin für die Frauenquote. Ich bin übrigens auch dafür - das sage ich hier sehr deutlich - dass wir bei den Gesetzen, die jetzt in Berlin gemacht werden mit Vorständen, dass wir uns da jetzt noch mal einen Ruck geben und das dann auch vernünftig umsetzen müssen“, sagte er nach Angaben der „Zeit“ am Dienstagabend bei einer digitalen Veranstaltung der Wochenzeitung.

Das Argument, man könne „nicht vorschreiben, ob in einem Dax-Vorstand eine Frau ist“, überzeuge ihn nicht, sagte der CSU-Chef demnach. „Es gibt hoch qualifizierte Männer und Frauen in unserem Land und genauso viele Frauen wie Männer, die diese Jobs locker machen können. Also das überzeugt mich nicht. Ich denke, wir müssen ein Signal setzen, weil es auch eine Vorbildfunktion für die vielen jungen Frauen in unserem Land hat.“

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag Verbesserungen beim Gesetz zu Frauen in Führungspositionen verabredet. Nach Differenzen hatten die Spitzen der Koalition im Sommer die Einsetzung einer Arbeitsgruppe beschlossen.

Anfang des Jahres hatten Bundesfrauenministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht (beide SPD) einen Gesetzentwurf vorgelegt. Demnach ist die Ausweitung der Frauenquote für Aufsichtsräte geplant und eine Vorgabe, dass in rein männliche Unternehmens-Vorstände mit mindestens vier Mitgliedern künftig eine Frau nachrücken soll, wenn ein Platz frei wird. Die unionsgeführten Ministerien hatten dem laut Giffey aber nicht zugestimmt.

Lambrecht zeigte sich nun erfreut über Söders Aussagen - sie mahnte aber zugleich: „Wohlfeile Lippenbekenntnisse reichen aber nicht aus.“ Nicht nur Söder, sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hätten sich inzwischen offen für eine Frauenquote in Vorständen gezeigt - und trotzdem komme das von den SPD-Ministerinnen vorgelegte Gesetz nicht voran. „Wenn Söder und Merkel es ernst meinen, müssen den Worten jetzt endlich auch Taten folgen: Die Union darf hier nicht länger auf der Bremse stehen“, forderte Lambrecht.

Auch Giffey begrüßte Söders Vorstoß: „Endlich, kann ich nur sagen.“ Nun müsse man hoffen, dass die Union insgesamt „den Schuss doch noch gehört“ habe, sagte sie, und dass es nicht bei einem Interview bleibe. Sie sei jetzt viel zuversichtlicher, da mit dieser Positionierung eine „klare Linie“ vorgegeben sei.

Die CSU im Bundestag legte ein Strategiepapier vor, in dem sie ebenfalls für eine feste Frauenquote in Dax-Unternehmen eintritt. „Wir wollen, dass Frauen überall eine faire Chance haben, auch in den Chefetagen unserer Unternehmen“, zitierte die „Welt“ (Donnerstag) daraus. Die Zeit sei reif für eine feste Frauenquote. Diese müsse eingebettet sein in ein Gesamtkonzept, das etwa auch flexiblere Arbeitszeiten und eine deutliche Besserstellung von Alleinerziehenden vorsehe, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Knapp jeder dritte Aufsichtsratsposten in den 188 größten börsennotierten deutschen Unternehmen war nach einer Auswertung der Organisation „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar/Stand Mitte Januar 2020/aktualisiert Ende April 2020) zuletzt mit einer Frau besetzt. In den Vorständen dominierten die Männer mit fast 90 Prozent.

Der Dax ist der bedeutendste deutsche Aktienindex. Er gibt die Wertentwicklung der 30 größten und liquidesten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes wieder und repräsentiert den Großteil der Marktkapitalisierung börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland.

© dpa-infocom, dpa:201111-99-293436/4

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Erstellt:
11. November 2020, 11:55 Uhr

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