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Staat will Unternehmen Corona-Prämien für Ausbildung zahlen

dpa Berlin. Aus der Wirtschaftskrise soll nicht auch noch eine Ausbildungskrise werden. Deshalb hat das Bundeskabinett Hilfen für angeschlagene Unternehmen auf den Weg gebracht, die trotzdem ihre Azubis halten und weiter ausbilden.

Kleine und mittelständische Firmen, die mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben, aber ihre Ausbildungsplätze erhalten, sollen staatliche Prämien bekommen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Kleine und mittelständische Firmen, die mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben, aber ihre Ausbildungsplätze erhalten, sollen staatliche Prämien bekommen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Das Bundeskabinett hat die geplanten „Azubi-Prämien“ für Unternehmen auf den Weg gebracht, die in der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind und trotzdem weiter ausbilden.

Kleine und mittelständische Firmen, die mit großen Umsatzeinbrüchen und Kurzarbeit zu kämpfen haben, aber ihre Ausbildungsplätze erhalten oder sogar ausbauen, sollen demnach staatliche Prämien von bis zu 3000 Euro pro Ausbildungsplatz bekommen. Die Pläne sehen außerdem Zahlungen für Unternehmen vor, die Azubis von anderen Firmen übernehmen, wenn diese pandemiebedingt Insolvenz anmelden müssen.

KEIN SCHULABGÄNGER SOLL IN NICHTS FALLEN

Man wolle dafür sorgen, „dass kein Schulabgänger und keine Schulabgängerin von der Schulbank ins Nichts fällt“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nach der Kabinettssitzung in Berlin. „Corona darf nicht wie Blei am Bein hängen, wenn es um den Start ins Berufsleben geht.“

Das Programm wird schätzungsweise rund 500 Millionen Euro kosten und soll helfen, Ausbildungsplätze in der Pandemie zu erhalten. Es geht zurück auf Vereinbarungen zwischen Vertretern der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit, der Länder, der Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften.

„Die angekündigte Ausbildungsprämie kann eine gute Motivation für kleine und mittlere Betriebe sein, auch unter schwierigen Bedingungen ihre Ausbildungsanstrengungen aufrechtzuerhalten“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) Achim Dercks am Mittwoch. Viele Ausbildungsbetriebe befänden sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und litten unter Liquiditätsengpässen.

PRÄMIEN VON 2000 BIS 3000 EURO

Mit dem Programm soll kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern geholfen werden. Wer wegen der Pandemie große Umsatzeinbrüche erlebt oder seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste, aber weiterhin so ausbildet, wie in den vergangenen drei Jahren, soll für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Vertrag einmalig 2000 Euro bekommen. Firmen, die in dieser Lage ihre Plätze sogar aufstocken, sollen 3000 Euro für jeden zusätzlichen Ausbildungsplatz bekommen. Außerdem ist eine Prämie von 3000 Euro geplant für Unternehmen, die Azubis von pandemiebedingt insolventen Betrieben übernehmen, und der Staat will mit 75 Prozent bei der Zahlung der Ausbildungsvergütung einspringen, wenn Firmen ihre Auszubildenden und Ausbilder auch bei hohem Arbeitsausfall nicht in Kurzarbeit schicken.

MASCHINENBAUER SKEPTISCH

Der Maschinenbauverband VDMA kritisierte die Beschränkung des Hilfsprogramms auf Firmen bis maximal 249 Mitarbeiter. Die Initiative sei im Ansatz gut. „Aber leider werden viele Unternehmen im deutschen Maschinenbau davon nicht profitieren können“, sagt der Leiter der VDMA-Bildungsabteilung, Jörg Friedrich. „Allein im Maschinenbau werden 20 000 Auszubildende in Unternehmen mit 250 bis 1000 Beschäftigten ausgebildet und 26 000 in Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten.“

GENAUE CORONA-FOLGEN AUF AUSBILDUNGSMARKT NOCH NICHT ABSEHBAR

Wie sich die Corona-Krise konkret auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar machen wird, ist momentan noch nicht ganz absehbar. Es gebe noch keine validen Zahlen, sagte Heil. Es gebe aber große Befürchtungen, dass aufgrund der wirtschaftlichen Lage viele kleine und mittelständische Unternehmen überlegten, ob sie Ausbildungsplätze im bisherigen Umfang zur Verfügung stellen wollten.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte Anfang des Monats für Mai von einem „auffälligen Rückgang“ bei den gemeldeten Ausbildungsstellen in den Bereichen Gastronomie- und Hotels, Friseurhandwerk, Maschinenbau- und Betriebstechnik, Elektrotechnik, in kaufmännischen Berufen, in Informatikberufen, im Lebensmittelverkauf und im Berufskraftverkehr gesprochen. Gleichzeitig waren im Mai aber auch noch 250 000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Insgesamt sei der Ausbildungsmarkt noch sehr in Bewegung. „Deshalb ist es für eine fundierte Bewertung zu früh“, hieß es.

PRÄMIEN SOLLEN SCHNELL AUSGEZAHLT WERDEN

Die Azubi-Prämien sollen jetzt nach Angaben von Heil „schnell und unbürokratisch“ an die betroffenen Betriebe ausgereicht werden. Dazu werde eine entsprechende Förderrichtlinie mit der Bundesagentur für Arbeit umgesetzt. Das sei gerade jetzt wichtig am Beginn vieler Schulferien, wenn die Ausbildungsverträge gemacht würden.

© dpa-infocom, dpa:200624-99-549007/2

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Erstellt:
24. Juni 2020, 14:46 Uhr

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